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Reviews: White House Down, Feuchtgebiete (Review)

9. 9. 2013, Batzman (Oliver Lysiak), 11 Kommentare

White House Down – USA 2013

Emmerich liefert den Film ab, der „Olympus has fallen“ hätte sein sollen. Statt einem bierernsten, 08/15-Actioner der aussieht als wäre er als Direct-to-Video-Release geplant, liefert uns Emmerich trashig-spassige Over-the-Top-Action.

Dass seine beiden Hauptdarsteller von einem kleinen Mädchen an die Wand gespielt werden, die Story hanebüchen und nicht alle Tricks gelungen sind – was solls. Jede Figur ist Klischee eines Klischee, jeder Dialog ein Zitat aus einem anderen Actionfilm, jeder Gag mit der groben Kelle serviert. Das ist die Art von Film in der die Figuren Gags über andere Emmerichfilme machen.

Doch überraschenderweise ist das im Großen und Ganzen völlig okay. Denn im Gegensatz zu 2012 der nach einem herrlich überkandidelten ersten Akt zum Ende hin abfiel und an Tempo verlor, steigert White House Down den WTF-Faktor und verwandelt sich im Laufe der Zeit immer mehr in seine eigene Parodie.

Dass die Bösewichte super-böse und ein bisschen trottelig sind, kleine Kinder mehr Wissen als Regierungsexperten und über allem eine politische Agenda schwebt, die selbst Obama als strammen Rechtsaußen erscheinen lässt, gehört da genauso dazu, wie das Ignorieren von Logik, Physik und gesundem Menschenverstand. This is, you know, fun. Wenn Präsidenten vereidigen im Tempo von Reise nach Jerusalem abläuft und fiese Geeks vor projizierten Codezeilen hocken und diabolisch Kichern.

Was nicht heißt, dass der Film nicht locker eine halbe Stunde zu lang ist und gerade dem überkomplizierte Showdown ein paar Zwischenstopps weniger gut zu Gesicht gestanden hätten. Das Finale ächzt immer wieder unter leichten Ermüdungserscheinungen, ohne jedoch darunter zusammenzubrechen. Dafür ist es dann doch zu unterhaltsam zu erleben wie Terroristen mit dem Präsidenten eine Autoverfolgungsjagd hinlegen, bei der im Grunde nur noch die Benny-Hill-Musik spielt.

Das ist natürlich nicht jedermanns Geschmack und die enttäuschende Box-Office-Performance in den USA mag zum einen dem früheren Start von Olympus has fallen geschuldet sein, könnte aber auch an Emmerichs Seitenhieben auf falschen Patriotismus und den militärisch-industriellen Komplex liegen, der ein wesentlich schwierigerer Gegner ist als Islamisten oder Koreaner.

Hinderlich dürfte aber auch der generelle Unernst sein, mit dem White House Down das Thema angeht. Statt grimmigen Blicken, dramatischen Gesten und patriotischen Reden (wie er sie in ID4 noch hatte), ist White House Down konsequent fluffig. Klar erzählen wir eine tendenzielle hirnrissige Story, aber wir holen das meiste raus. Wenn ein Film schon verspricht das weiße Haus zu zerlegen, dann auch mit Verve und allem Chichi, cheesigen Onelinern und Flagtwirling.

Silly. Stupid. Fun. – Und das ist heutzutage schonmal gar nicht so schlecht.

Feuchtgebiete – Deutschland 2013

Um fair zu bleiben: Vermutlich ist es der beste Film, den man aus der Vorlage machen konnte. Und rein handwerklich überrascht die Kunstfertigkeit und für deutsche Verhältnisse originelle optische Inszenierung des Films, der immer mal wieder wirkt, als träume er davon Trainspotting zu sein oder wenigstens Freddy got fingered.

Stattdessen ist er aber dann doch nur Feuchtgebiete, die Geschichte einer nicht sonderlich sympathischen Teenie-Tussi, die im wesentlichen emphatiefrei um sich selbst kreist und vom kitschigen Spießerglück träumt, während sie ganz doll versaute Stories erzählt und kein Körpersekret unbelutscht bleibt.

Das die Schweizerin Carla Juri aus nicht hinreichend erklärbaren Gründen ungefähr so überzeugend deutsch spricht wie Siri und sehr angestrengt weg spielen will, dass sie fast zehn Jahre zu alt für die Rolle der Helen ist, macht die Sache nicht eben einfacher. Da kann sie noch so kulleräugig dreinschauen und die Lippen lecken – es wirkt immer etwas awkward, wenn sie einmal mehr etwas total provozierendes aufsagt wie jemand der phonetisch deutsch gelernt hat oder rumjammert, dass ihre Eltern sich nicht wieder vertragen wollen.

Es ist schade mit anzusehen, mit wieviel Verve sich alle Beteiligten abrackern diese Story über Wert zu verkaufen. Aus dem stilistisch gruseligen Schüleraufsatz-Deutsch der Vorlage eine emotional-mitreißende Story zu machen. Doch leider zündet das trotz animierten Bakterien, steifen Pimmeln, rasierten Muschis und Sperma-, Blut- Kotzfontänen nicht so richtig. Dort wo es nicht anekelt ist es oft extrem langweilig, wenn Helen die umzigste Anekdote aus ihrem reifen Erfahrungsschatz serviert.

Als ralliges Gegenstück zu Bella bietet sie vielleicht Identifikationsfläche für Mädels mit Waschphobie – doch emanzipierter oder interessanter ist sie deswegen leider nicht. Denn letztlich träumt auch sie nur von Heim, Hunk und Herd und das Mami und Papi sich wieder ganz doll liebhaben – was das Ganze ungefährt so edgy macht wie christliche Rockmusik.

Und jetzt wischen wir uns alle nochmal kurz feucht durch den Schritt und warten auf Schossgebete. Ober zahlen bitte.

  • 1 9. 9. 2013 an 16:35

    Zu „White House Down“ darf ich hier vielleicht mal einhaken, und anmerken, dass dem selben Kritiker folgende oder zumindest ähnliche Punkte

    „…, wie das Ignorieren von Logik, Physik und gesundem Menschenverstand. This is, you know, fun.“

    bei „Man of Steel“ höchstgradig mißfielen und diesen dann zu einem schlechten Film werden ließen… :D

    • Oliver Lysiak 10. 9. 2013 an 2:27

      Unterschied: MOS ist pathetischer menschenverachtender Schrott, der sich ganz ganz furchtbar ernst und wichtig nimmt. WHD ist ein Trashfilm der sich selbst persifliert. Die Attitüde des Films ist nicht unwesentlich für die Rezeption. Ab davon ist die Action in WHD deutlich abwechslungsreicher und unterhaltsamer.

  • Flo Lieb 9. 9. 2013 an 19:37

    so edgy macht wie christliche Rockmusik

    Hihi :D

  • Flo Lieb 9. 9. 2013 an 19:37

    so edgy macht wie christliche Rockmusik

    Hihi :D

  • Kris 9. 9. 2013 an 21:04

    Ein Hinweis an den Autor: Der Text ist orthographisch schlechter als so mancher Schüleraufsatz. Ich mag Deinen Stil sehr, aber Deine Rechtschreibung ist leider echt schlecht.

  • christoph 10. 9. 2013 an 12:59

    konnte in whd nicht viel humoriges finden. jeder „gag“ funktioniert nur, wenn man es krass und anarchisch findet, wenn mr. president mal fuck sagt. kann man auch spießig finden. oder doof.

    • Hybris 13. 9. 2013 an 12:22

      Im Gegenteil, die Gags waren alle eher von der harmlosen, albernen Sorte, wie die hier erwähnte Verfolgungsjagd auf dem Rasen des Weißen Hauses.
      Kann man auch doof finden, aber dann hätte man auch vorher schon wissen können dass der Film nichts für einen ist.

  • jim bob 13. 9. 2013 an 14:43

    Habe WHD nicht gesehen und werde ihn auch nicht gesehen haben.Soweit ich Batz verstehe,zieht sich Ämmeritsch wohl gut bis gekonnt aus der Affaire ,mit diesiger Auftragsarbeit(ggf. auch zukünftige) sich seinem Stempel als „Hollywood Hiwi“ zu entziehen.Go for it,Roland.
    Ich weiß nicht – und das geht jetzt in Richtung Herrn 1(Kommentator) – Snyder ist schon strange bis weird(suckerpunch),mit der Beigabe ihm ggf. zu schnell auf den Leim zu gehen.Wiederum hat Batze meines Erachtens gut riwjut – was z.B. „Watchmen“ angeht(man lese) und Snyder dabei differenziert auf die Finger geguckt.Es ist ja durchaus nachvollziehbar,daß viele auf Snyder’s Arbeit abfahren,natürlich auch die Youngsterabteilung,aber es ist mitnichten nachvollziehbar,ob Herr Snyder wirklich etwas für uns hat – außer aufsehenerregende Bilder. Und es könnte durchaus sein,daß Zack Snyder selbst darüber in Kenntnis ist. Also probiert er sich (weiter)aus,Hollywood zahlt ihm weiterhin die Miete,und sagt ihm dafür partiell wo und wie er sich auszuprobieren hat. Zack ist’s egal – hauptsache e r findet s i c h – irgendwann mal.Während Warner,Universal & co sich weiterhin Mühe geben werden dem verdaddelten Zuschauer was vom amerikanischen Pferd zu erzählen.
    jim bob aka jim

  • Kneudel 15. 9. 2013 an 9:42

    Wenn man es mal genau betrachtet ist vom Emmerich alles nach ID4 riesen großer Scheissdreck. Gegipfelt hat das ganze dann im totalen Müll namens 2012. Und WHD stellt einfach keine Verbesserung da. Da kann man noch so viel schreiben und diesen Blödsinn mit „Spaß“, „Selbst Ironie“ usw. in einer Review rechtfertigen. Leider ist die Meinung eines Kritikers eben NICHT Gesetzt. Emmerich macht schlechte Filme. Da kann man drum herum reden wie man will.

  • Martin Sane 16. 9. 2013 an 20:40

    Ganz, ganz, ganz furchtbarer Schrott, dieser WHD. 0815/Action, ein Channing Tatum der wie immer nicht einmal einen Stein glaubhaft spielen könnte, Dialoge und Charaktere die einem die Fußnägel hochrollen lassen und vermutlich der dümmste Haufen Terroristen seit Erfindung des Terrors.
    Klar, wenn man einen Scheiss-Film abgeliefert hat kann man hinterher immer sagen dass das ja eine Persiflage ist und dass alles gewollt scheisse ist. Oder zumindest darauf hoffen dass die Kritiker davon ausgehen dass so ein Müll ja nur ironisch gemeint sein kann…
    Für mich ein Kandidat für Wasting Away.

  • whoisquinn 11. 10. 2013 an 10:42

    Kann da überhaupt nicht mitgehen. 3 1/2 für genau was? WHD ist in meinen Augen einer der schlechtesten Actionfilme, die ich jemals gesehen habe. Mal ganz von den dilettantischen Schauspielleistungen abgesehen (Channings aufKrampflustigseinAtiitüde und Foxx‘ ichbinimmerpolitischvollkorrektundso) und des in sich von vorn bis hinten inkonsistenten Plots. Nicht einmal die Effekte konnten überzeugen. Foxx‘ patriotisch anmutender Lincoln Fly-By, bei dem die Menschen auf dem Boden wie Pappaufsteller aussehen. Die Bombe im Kapitol, die mehr wie eine kontrollierte Sprengung aussah – Ich könnte die Liste noch weiter fortführen, belasse es aber hierbei.
    Keiner hat eine hundertste Auflage von „Ein Mann rettet Amerika und seine Zukunft“ gebraucht. Keiner braucht diesen Emmerich. Der sollte bei Alarm für Cobra 11 Regie führen. Das hätte genau sein Niveau.