Podcasts Review

Reviews: Stromberg – Der Film, American Hustle, You’re next (Reviews)

24. 2. 2014, Batzman (Oliver Lysiak), 5 Kommentare
Stromberg
  • Batzman
4

Stromberg – Der Film – Deutschland 2014

Stromberg im Kino? Kann das funktionieren? Auch ich war skeptisch als riesiger Fan der Serie, die es trotz kleiner Schwächen über fünf Staffeln geschafft hatte zu begeistern. Regisseur Arne Feldhusen und Autor Ralf Husmann haben mit dem gewohnt brillanten Ensemble einen Film geschaffen, der der Serie einen würdigen Abgang verschafft. Fast alle Figuren der vergangenen Staffeln tauchen noch einmal auf, einige markante neue kommen hinzu und wieder einmal stimmt die Ballance zwischen Komödie und tiefer Depression. Denn Stromberg war bei allen Sprüchen, Situationskomik und Gags immer dann am besten, wenn er die Erbärmlichkeit des Alltags auf den Punkt brachte.

Some Spoilers ahead.

Und wo wären Menschen erbärmlicher und zugleich menschlicher als auf Betriebsfeiern, wo der Unterschied zwischen Fassade und Wahrheit greifbarer. Die 50 Jahrfeier der Capitol, die kurz vor Massenentlassungen steht von denen keiner wissen darf, bietet die ideale Projektionsfläche für die Stellungskriege, Ränkespiele und die grundsätzliche Unvereinbarkeit von beruflicher Ambition und Privatleben. Stromberg ist opportunistisch wie immer und einzige Konstante bleibt seine linkische Liebe zu Jennifer – doch im Spannungsfeld zwischen Beruf und Liebe blitzen hier auch immer wieder die menschlichen, ja sogar anrührenden Momente auf, die Stromberg trotz seiner Furchtbarkeit doch auf einem humanen Level liebenswert machen.

Wie die meisten Menschen, ob Ulf, Jennifer oder Tanja ist er überfordert und ständig drauf bedacht Erwartungen zu erfüllen, zu gefallen und dabei die Eigeninteressen, private Hoffnungen und Firmenanforderungen zu jonglieren. Natürlich klirrt und scheppert es ständig, natürlich fallen alle Kartenhäuser in sich zusammen. Stromberg und Co. kämpfen gegen die Midlife-Crisis, das Erwachsenwerden, den Zwang zur Verantwortlichkeit und das System an sich, des Lebenswege einengt und als Dauerkompromiss zwischen Zwang und Wollen existiert.

Wenn der Berufsopportunist am Ende versehentlich zur Führerfigur einer Occupy-Protestbewegung wird um dann doch sofort und willens wieder in das System zurückzukehren, das für den Stillstand verantwortlich ist, bleibt ein schlechter Geschmack zurück. Natürlich ist es folgerichtig, das jemand der so grundsätzlich haltungslos und „flexibel“ ist wie Stromberg bei einer Partei am besten aufgehoben ist – aber es zeigt auch wie hoffnungslos letztlich jeder markige Protest gegen Capitol wie Kapital ist.

Stromberg ist Teil des Systems und wir sind Stromberg.

American Hustle – USA 2013

Trashige Klamotten, Fake-Tan und eine Story irgendwo zwischen The Sting und Wolf of Wall Street. Keine Frage, American Hustle ist toll besetzt und mit viel viel Verve gespielt (vor allem Jennifer Lawrence channelt Liz Taylor anno „Who’s afraid of Virginia Woolf“). Christian Bale hat nach dem Nolan-Koma offensichtlich mal wieder Lust zu zeigen das er etwas kann und auch Amy Adams und Bradley Cooper stört weniger als sonst.

Doch wie oft bei David O’Russel bleibt auch vieles an der Oberfläche, bleiben Figuren Karikatur und lädt die generelle Over-the-Top-Inszenierung ein das dargebotenen nicht sonderlich ernst zu nehmen. Ein großer Korruptionsskandal wie ABSCAM mag dem ganzen zu Grunde liegen, aber wirklich mitreißend ist die Geschichte leider selten. Zu oft und lang ergehen sich die Protagonisten in repitativen Dialogen, zu unfokussiert und mäandernd die eigentliche Storyline, der O’Russel nur widerwillig zu folgen scheint.

Die Nebenrollen sind ebenso klasse besetzt wie der Hauptcast. Robert DeNio telefoniert sein Cameo aber dennoch mühelos durch und auch der brillante Louis C.K. ist schauspielerisch deutlich unter dem was er in seiner Serie ansonsten abliefert. Die Szenen pendeln zwischen ironisch chargierend. campy und hysterisch und zwischen all dem bleibt ein emotionaler Kern leider auf der Strecke. Was nicht bedeutet, es gäbe keine guten Momente, denn der Heist zum Schluß bringt tatsächlich nochmal den Schwung in den Film, der ihm über weite Strecken fehlt.

Sehenswert zwar, aber doch deutlich unter seinen Möglichkeiten.

You’re next – USA 2011

You’re Next bietet einige nette Ansätze, die ihn über das Gros uninspirierter Slasher hinausheben. Allerdings nicht soviel, denn sowohl die strunzdoofe Story mit hanebüchenem Twist als auch die durch die Bank unsympathischen Figuren machen es schwer gespannt mitzufiebern. Klar ist die Idee das Final Girl den Spieß umdrehen und die Killer jagen zu lassen eine ganz nette, aber die Effizienz und Skrupellosigkeit ihres Tötens sorgt dafür, dass der Film auch die letzte Figur verliert, für die man zumindest etwas Empathie empfand. Das die Blutgags und Splatter-Szenen souverän inszeniert und für das Mini-Budget die Schauspieler und der Look überdurchschnittlich ist, dass Ti West relativ schnell stirbt und die Schurken passend besetzt, lassen You’re next in den guten Bereich rutschen – wobei er kaum die Splatterüberraschung ist, als die er im vergangenen Jahr gehandelt wurde, sondern bestenfalls okaye Hausmannskost.

  • Gast 24. 2. 2014 an 10:08

    Okaye Hausmannskost? Wer schreibt denn sowas? Okaye Kritiker oder rechtschreibbehinderte Denglisch-Akrobaten? Ganz schön „campy“.

    • Peter P. 24. 2. 2014 an 13:00

      Wieder mal Beleidigungszeit in den Filmfreunde-Kommentaren. Immer wieder gern gesehen.

  • Frybird 24. 2. 2014 an 13:21

    Ich für meinen Teil liebe You’re Next hauptsächlich weils so schön dekonstruktiv den teils seltsamen „Home Invasion“ Auswüchsen der letzten Jahre entgegen wirkt. Statt geisterhaften Freaks, die ohne erfindlichen Grund arme Hausbesitzer terrorisieren (während man den Regisseur aus dem Off schreien hört „DAS IST GRUSELIG WEIL DAS JEDEM PASSIEREN KANN“) werden die Killer im Film zunehmend menschlicher (und ihr Plan zunehmend löchriger) und man erfährt sehr wohl die Motivation dahinter.

    Und das das Final Girl den Spieß umdreht, ist ja nicht die frische Idee (das passiert ja des öfteren), sondern eben das sie mehr oder weniger zufällig perfekt für die Situation gerüstet ist und eben sehr viel effizienter und skrupelloser vorgeht als die Killer.

    Ich schätze es ist Geschmackssache, aber ich finds klasse wenn solche Sub-Genre Klischees schwarzhumorig in den Fleischwolf geworfen werden.

    • Frybo 24. 2. 2014 an 18:24

      Netter Alias by the way…

  • pauliborn 25. 2. 2014 an 9:12

    Nolan Koma klingt so als wenn Bale während seiner Batmanzeit keine guten Filme gemacht hätte (was sich meiner eigenen Meinung nach eh beisst :) ) … Aber the fighter war schon großartig von ihm, wie auch flowers of war. Also so schlimm war es die letzten Jahre gar nicht um den guten Mann bestellt, da wurde nur nicht so die Werbetrommel gerührt ;)

  • Von Killerpilz bis Wanderhure: 4 Beispiele für erfolgreiches Crowdfunding in Deutschland | indub.io 23. 4. 2014 an 10:45

    […] bis dato bekannteste Beispiel für erfolgreiches Crowdfunding in Deutschland war der Stromberg-Kinofilm – Aufmerksamkeit erregte ebenso der Film “Hotel Desire”. Aber auch im Umweltschutz, […]