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Fack ju Logik – wie der Spiegel den deutschen Filmpreis vor eine unlösbare Aufgabe stellte

8. 5. 2014, Nilz N Burger, 6 Kommentare

„Der Spiegel“ hat ein Redesign bekommen, sieht voll okay aus, alles in Ordnung. Damit einhergehend wurde aber auch inhaltlich ein wenig redesignt und man will sich jetzt wieder mehr Meinung „leisten“. Gegen Meinung hab ich grundsätzlich auch nix. Als ich aber das Heft so durchlas und den ein oder anderen guten Text fand, stolperte ich auch über ein kleines Kästchen mit dem Titel „Fack ju Lola“ in dem der Spiegel-Kulturredakteur Martin Wolf den deutschen Filmpreis kritisiert. Auch da kann ich nur wenig dagegen haben. Kritik scheint mir stellenweise angebracht. Gerade beim deutschen Film mit seinem seltsamen Finanzierungsmodell und seinen noch seltsameren Entscheidungsträgern. Da kann man natürlich auch den Filmpreis kritisieren. Aber man kann es auch übertreiben, wie der kurze Text demonstriert, der vor albernen Vorwürfen und einer unlösbaren Aufgabe strotzt:

Im ersten Absatz wird erstmal die Nominierung von Dieter Hallervorden mit „kein Witz“ kommentiert, was ein bisschen arm ist, in Hinsicht des Filmes, für den er nominiert ist, da „Sein letztes Rennen“ nicht unbedingt das ist, was man mit „Didi“ verbindet. Aber für Wolf ist einmal Didi immer Didi. Denke er findet auch Bill Murray nach wie vor zu klamaukig. Nein? Ach, nur amerikanischen Schauspielern gesteht man Entwicklung zu? Ja, dann ist ja alles gut.

Ebenso seine Kritik am Abstimmungsmodus des deutschen Filmpreises: „Die Preise werden nicht von einer Jury vergeben, sondern von den 1400 Mitgliedern der deutschen Filmakademie: Kollegen urteilen über Kollegen.“ Da steckt ein Zungenschnalzer drin. Wie kann man nur Kollegen über Kollegen abstimmen lassen? Gut, die Oscars werden genauso vergeben, eigentlich nahezu jeder richtige Filmpreis, aber hey: Das sind wieder die Amerikaner, die dürfen das! bei den Deutschen ist das peinlich.

Dann geht es weiter mit Geschwurbel, einem Satz, der im Text blieb, weil der Autor ihn sicher sehr originell fand („Einige Mitglieder haben eher das Gerechtigkeitsgefühl einer Andrea Nahles.“) und der Feststellung, dass die Akademiemitglieder nur erfolglose Filme nominieren würden, weil nämlich alle neidisch auf die erfolgreichen Produktionen wären und die deswegen links liegen lassen. Deswegen wurden jahrelang auch nie Eichingerfilme nominiert, so der Autor.

Um dann im nächsten Absatz zu erwähnen, dass dieses Jahr auch „Fack ju Göhte“ nominiert sei, der erfolgreichste Film des vergangenen Jahres. Alle anderen nominierten Filme seien entweder „Stilübung“, „Weltekel-Werk“ oder gleich „Bauerntheater“. Aber nur FJG sei eine einfache Komödie, die sich nirgendwo anbiedert. „Nicht mal bei den Mitgliedern der Filmakademie. Die Preisvergabe dürfte spannend werden.“

Also, es ist superdoof, dass keine erfolgreichen Filme nominiert werden und wenn, dann wurden die halt zufällig nominiert, aber nicht, weil sie jemand gefallen hätten (Über die Nominierungen stimmen ebenfalls die Mitglieder der Akademie ab…)? Was schreibt der nur, wenn „Göhte“ einen Filmpreis bekommen sollte? „Den hat er aber nur gewonnen, weil ihn keiner der Anwesenden mochte!“? Oder „Die haben den alle nur gewählt, weil sie im nächsten Teil mitspielen wollen!“? Wie kann man sich so sehr im eigenen Text widersprechen, nur weil man dem Filmpreis unbedingt eine Nackenschelle mitgeben will – und sei es auch gegen jede Logik? Denn wenn der Filmpreis doof ist, weil er nix erfolgreiches nominiert, dann aber immer noch doof ist, wenn er etwas erfolgreiches nominiert, wie soll er aus dieser, nennen wir sie „Wolfsche Zwickmühle“, wieder herauskommen?

In meinen Augen übrigens hatte das Nominiertenfeld der Lola noch nie so eine Hammerqualität, wie in diesem Jahr. „Finsterworld“ ist mein erklärter Lieblingsfilm des vergangenen Jahres. Hallervorden fand ich unglaublich, so wie Juri in „Feuchtgebiete“, der auch, zu Recht, für seinen megaguten Schnitt nominiert ist. Und „Fack ju Göhte“ hab ich geliebt. Ich bin also in der komfortablen Position, unheimlich vielen Produktionen die Daumen drücken zu können. Aber dafür muss man sich natürlich auch auf gute Filme einlassen können und nicht alles von Berufs wegen direkt scheisse finden wollen.

Kann aber natürlich auch am Spiegel-Redesign liegen und er m u s s alles doof finden, wegen Meinuung und so. Dann tuts mir leid.

  • Binding 9. 5. 2014 an 1:10

    Das Meisterwerk „Die andere Heimat“ hat dafür wohl Dich kaltgelassen?

    • Nilz Bokelberg 12. 5. 2014 an 13:55

      Den hab ich, ehrlich gesagt, nicht gesehen. Hole ich aber noch nach – vor allem nach dem Erfolg auf dem Filmpreis.

  • mal kucken (10.05.2014) | blubberfisch 10. 5. 2014 an 16:12

    […] >text wie der spiegel den deutschen filmpreis vor eine unlösbare aufgabe stellte (5 filmfreunde) […]

  • resur@ction 12. 5. 2014 an 8:21

    …und was unterscheidet das Geplapper im Spiegel von diesem Text hier? Unnötig sind sie schon mal beide.

    • Nilz Bokelberg 12. 5. 2014 an 13:56

      Danke für diesen sehr notwendigen Kommentar.

      • kanone in der hose 12. 5. 2014 an 18:56

        Hallo Herr Bokelberg. Danke für diesen Artikel. Der hat hier auf 5ff seit langem mal gefehlt. Es kann jetzt nur noch bergauf gehen. Weiter so.

        @resur@ction: Du kommentierst bestimmt auch nur des Kommentierens willen, oder?

  • der alte Sack 12. 5. 2014 an 9:57

    Langweiliiigggggg!!!!