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Happy Birthday, Honey Bunny – 20 Jahre Pulp Fiction

20. 5. 2014, Nilz N Burger, 3 Kommentare

René hat drüben bei sich eine ausführliche Liebeserklärung an Tarantinos Überhit „Pulp Fiction“ geschrieben, zum zwanzigsten Jubiläum des Films. Und hat vollkommen Recht:

Ohne Pulp Fiction, ohne seine Ikonografie (wieviele Studentenbuden mögen wohl das Bild der schießenden Vincent und Jules an ihren Küchenwänden hängen haben…) und ohne seine Oneliner für die Ewigkeit, würde der Filmgeschichte definitiv etwas fehlen. Man kann ja Tarantinos Einfluss auf Hollywood, auf die Entwicklung des Kinos gar nicht hoch genug hängen. Was der Irre dem Film beschert hat – da träumt ein Nolan von. Das ist schon eine Liga mit Spielberg und Lucas, Truffaut und Godard, Hitchcock und Kubrick.

Aber, in einem Punkt irrt Ehren-Filmfreund 4 Life René: Die Erzählstruktur Tarantinos, die er in Pulp Fiction ausprobiert und -gelebt hat, die hat das Kino nicht geändert. Die war ein Experiment, ein Versuch. Meinetwegen auch ein Trick. Aber die war nicht die Innovation. Darauf wäre früher oder später noch jemand anders gekommen, Zeit zu fragmentieren. Und auch Tarantino selbst hat ja gemerkt, dass das eher ein Gag war, den er halt mal ausprobieren wollte. Alle Filme davor und danach waren ja, zumindest in ihrer Struktur, eher linear erzählt.

Ich habe mich ein paar Jahre nach Pulp Fiction auf der Berlinale mit Adam Simon unterhalten, dem Regisseur und Autor der Doku „The American Nightmare“ über den amerikanischen Horrorfilm. Ein sehr interessanter Film. Und danach kamen wir ins Gespräch, haben uns vor das Kino gesetzt und über Film gequatscht. Dabei sind wir natürlich irgendwann auch auf Tarantino gekommen und er hat den interessanten Satz gesagt: „Tarantino ist deswegen wichtig für den Film, weil er den Dialog, die Sprache zurück ins Kino gebracht hat.“

Und das ist genau der Punkt. Unmittelbar vor Tarantino gab es zwar keine Stummfilme, aber wie er seine Figuren hat sprechen lassen, wie er sie scheinbare Nonsens-Dialoge hat führen lassen, die mehr aussagten als es jede klare „Ich mach mal dies und das“-Line gekonnt hätte – das hat man so davor noch nie gesehen. Danach aber überall.

Deswegen ist Pulp Fiction ein Meisterwerk, deswegen sollten wir ihm alle zum zwanzigsten Geburtstag gratulieren. Weil es das Kino gerettet hat.

  • der alte Sack 20. 5. 2014 an 13:02

    Ich gebe ihm zu 100 % recht. Basta!!

  • awesomatik.com 21. 5. 2014 an 15:01

    Beste!

  • Oh Dae-su 23. 5. 2014 an 9:24

    „Alle Filme davor und danach waren ja, zumindest in ihrer Struktur, eher linear erzählt.“ Das ist ja wohl mal totaler Quatsch. Die Story von Reservoir Dogs ergibt sich durch Auslassungen und Rückblenden (manche favon bis zu vierfach inneinander verschachtelt), die Kapitelstruktur beider Kill Bill Filme ist komplett und total unchronologisch, den absoluten Action Showdown in die Mitte eines Films zu setzten ist für Hollywood-Verhältnisse fast schon so subeversiv wie Pulp Fiction. Inglorious Basterds ist auch nur mit beiden Augen zugedrückt als linear zu bezeichnen, hier wird zwar noch öfter in der Erzählperspektive als in der Zeit gesprungen, geradlinig ist daran trotzdem gar nichts.

    Das war also alles andere als „ein Gag, den Tarantino halt mal ausprobieren wollte“, sondern bis zu Django das dominante Erzählprinzip seines Kinos. „Answers first, then the questions“ hat er in den 90ern ja auch immer wieder zu Protokoll gegeben und sogar seine Drehbücher zu Natural Born Killers und vor allem True Romance waren ebenfalls völlig unchronologisch (letzteres fast auf genau die gleiche Art wie Pulp Fiction).