Review

X-Men: Days of Future Past – Zukunft ist Vergangenheit (Review)

24. 5. 2014, Batzman (Oliver Lysiak), 7 Kommentare
<strong>X-Men: Days of Future Past - USA 2014<br>Regie: Bryan Singer<br>Buch: John Byrne, Simon Kinberg, Matthew Vaughn, Jane Goldman<br>Darsteller: Hugh Jackman, Patrick Steward, James McAvoy, Michael Fassbender, Ian McKellen, Jennifer Lawrence, Peter Dinklage, Halle Berry, Ellen Page, Nicholas Hoult</strong>
  • Batzman
  • Nilz N. Burger
3.5

Summary

Streckenweise extrem starke Zusammenführung der X-Men Generationen mit großartiger Cast, einer wirklich phänomenalen Actionszene, aber auch dramaturgischen Schwächen und eher schwacher Story. Quicksilver ist das absolute Highlight des Films, der hoffentlich in weiteren Filmen weniger stiefmütterlich behandelt wird. In seinen besten Momenten ist X-Men: Day of Future Past genauso gut wie First Class und X-Men zwei. In seine schwächeren Szenen erinnert er ungut an Star Trek: Generations. Das positive überwiegt dabei, aber trotz allem hatte ich am Ende das Gefühl, das hier wesentlich mehr drin gewesen wäre.

X-Men-Days-of-Future-Past-Movie-Poster

Als Fan der Reihe, war es natürlich spannend zu sehen, was Bryan Singer (dessen letzten Film Jack the Giant Killer ich ja sehr mochte) anstellen würde, nachdem er zu den X-Men zurückkehrt. Es war er der damals zeigte, dass Superhelden-Blockbuster nicht nur als pures Actionspektakel sondern mit faszinierende Charaktere und interessantem Subtext überzeugen können. Vielleicht waren meine Erwartungen etwas überzogen, aber obwohl ich den Film mochte konnte er mich nicht ganz so überzeugen wie First Class oder die alten Filme.

Doch zunächst gibts einiges Positives zu vermelden: Nach zwei furchtbaren Wolverine-Filmen darf Hugh Jackman endlich nochmal zeigen, wie cool er in der Rolle tatsächlich ist. Als ironisch-grummeliger Logan der wider seinen Charakter mal als disziplinierender Integrator agieren muß sorgt er für Humor und die richtige Portion Leichtigkeit (die der Figur zwischenzeitlich ja völlig abhanden gekommen war). Überhaupt ist der komplette erste Akt eine wahre Freude anzusehen. Die dystopische Zukunft ist zwar optisch sehr von der Terminator-Reihe inspiriert, macht aber Spaß und Singer schafft es die durchaus verschwurbelte Prämisse des Films (Ein singuläres Ereignis in den 70er Jahren führt zum Bau der unbesiegbaren Sentinals, die in der Zukunft Mutanten wie Menschen auslöschen und Zukunfts-Logan muß in die 70er um Xavier und Eric zur Zusammenarbeit bewegen, um genau dieses Ereignis zu verhindern) nachvollziehbar zu erklären. Es ist zwar eine Schande, das Ellen Page als Kitty Pryde dazu verdammt nichts zu tun und Logan den kompletten Film lang eine Kopfmassage zu verpassen, aber für Nicht-Comicfans macht es durchaus Sinn den beliebtesten X-Men-Charakter der zudem unkaputtbar ist mit der Mission zu betrauen.

Die Komik die aus den Retro-Momenten entsteht wenn Logan in den 70ern in seinem jüngeren Körper erwacht entsteht mühelos aus der Situation heraus und schafft genau wie die Konfrontation mit Beast und dem abgefuckten Professor X (James McAvoy ist abermals großartig) den richtigen Einstieg in das Abenteuer. Die Chemie zwischen den Schauspielern stimmt einfach, sie sind ihre Figur ohne jede Krampfigkeit oder große Anstrengung. Das gilt sowohl für alle alten Recken, wie auch für die Neuzugänge, allen voran Evan Peters als Quicksilver, der wohl das absolute Highlight des Films ist.
Erstmals wird in einem Film gezeigt, wie cool und interessant „Superspeed“ als Superkraft sein kann. Peters (der in American Horror Story schon seine Wandlungsfähigkeit und Präsenz bewiesen hat) genießt seine Rolle sichtlich und verleiht Quicksilver eine schelmische Ambivalenz und Energie die enormen Spaß macht. Obendrein ist er die Hauptfigur der besten Actionszene des Films, wenn er zusammen mit Beast, Logan und Xavier Magneto aus dem Pentagon befreit. Singer fiel bisher ja nie als überwältigend-origineller Action-Regisseur auf und auch in X-Men: Days of Future Past sind die meisten Szenen eher solide bis okay, als wirklich beeindruckend – aber die komplette Befreiung Magnetos ist wirklich sehenswert. Faszienierende Effektarbeit paar sich mit optischen Ideen die man so noch nicht gesehen hat – das ganze eingerahmt von witzigen Dialogen zwischen den Beteiligten. Eine Schande, dass Quicksilver nach dem Ausbruch wieder verschwindet.

Genauso schön anszusehen ist die folgende Konfrontation von Magneto und Professor X, wenn sie sich in einem Flugzeug aussprechen und die Geschehnisse des vorangegangenen Films aufarbeiten müssen. Hier beweisen McAvoy und Fassbender wie gut sie sind, während Jackman und Hoult die Ringrichter geben. Singer zeigt hier wieder, dass Charaktermomente seine Stärke ist und die Schauspieler selbstbewusst ihre Rollen verinnerlicht haben.

Some Spoiler ahead

Im Grunde bleibt X-Men: Days of Future Past bis zu dem Moment in dem die ungleiche Truppe Mystique konfrontiert und vom Mord am Wissenschaftler Trask (großartig: Peter Dinklage mit Pornoschnauz) abhalten will ziemlich klasse. Doch als Magneto seine Mitstreiter einmal mehr verrät um Mystique zu töten und danach dann loszieht um der Menschheit zum x-men-ten-mal den Krieg zu erklären, bekam das Ganze für mich einen Knacks. Wie oft wollen Singer und Co eigentlich noch die Geschichte erzählen, dass Xavier Magneto vertraut und dieser ihn dann enttäuscht um seine radikaleren Interessen zu verfolgen? Wie oft muß Magneto der Oberschurke sein und wie oft muß Beat für Beat dieselbe Geschichte durchgekaut werden? Es gibt so viele Figuren bei den X-Men, warum muß alles immer um Magneto und Stryker kreisen? Ja es mag dem Charakter entsprechen, dass er sich doof verhält und lieber radikal als klug handelt. Aber so blöde wie es war in Teil 3 die Golden Gate-Bridge nach Alcatraz zu fliegen, so doof und umständlich ist das Finale mit dem Stadium das Magneto ums Weiße Haus legt. Und anstatt die Sentinels zu sabotieren und vor den Augen der Öffentlichkeit als Gefahr darzustellen sorgt er nur dafür, dass die Menschheit fortan alle Mutanten als zu vernichtende Gegner und Bedrohung ansieht.

Ist schon das Beharren des Films darauf, dass die Singularität von Mystiques Attentat auf Trask der einzige Grund für die Erschaffung der Sentinels ist ziemlich konstruiert und im Verlauf des Films zunehmend unglaubwürdiger, verlieren sich Singer und seine Autorenschaft in Kleinkram, Fanservice und unfokussierten Momenten die die Story nicht weiterbringen und die Intelligenz der Charaktere konterkarieren. Die komplette Cerebro-Szene ist purer Fanservice um Patrick Stewart und McAvoy zusammen zu sehen – inhaltlich bringt es nichts. Das Mystique natürlich dorthin geht wo Trask das nächste mal groß angekündigt auftritt ist klar und wäre mit einer Nachrichtensendung zu lösen gewesen. Auch Mystiques Vietnamausflug wirkt als unverbundenes Element, das ohne Payoff und weitere Konsequenzen im luftleeren Raum existiert. Zudem wirkt Jennifer Lawrence immer dann wenn sie mal ungebläut und als sie selbst Mystique spielt eher gelangweilt und weniger motiviert als im Vorgänger, als wäre sie im Kopf schon beim nächsten Filmprojekt und würde hier nur ihre Drehzeit runterreißen. Ebenso ungeschickt gelöst wie Magnetos Finale ist der Grund seiner anfänglichen Inhaftierung: Die lange widerlegte „curved Bullet“-Theorie zu bemühen, Kennedy zum Mutanten zu machen und dann noch zu suggerieren, dass der Magneto der dutzende Feuerwaffen, Kameras und Stadien kontrollieren kann eine popelige Kugel nicht aufhalten konnte weil er abgelenkt war ist doof und schadet der Figur, wie der eh schon überfrachteten Handlung.

Der letzte Akt funktionierte für mich nach dem tollen Anfang und soliden Mittelteil leider zunehmend schlechter. Das Finale wirkt erzwungen und zusammengehauen und ist optisch nicht halb so spektakulär wie die Macher anscheinend glauben. Das die Menschheit nach der Nummer von Magneto ernsthaft Trask bestraft und das Sentinel-Programm einstampft ist schwer zu schlucken, genauso wie das Eiapopeia-Ende wenn Wolverine in güldener Zukunft erwacht, sich alle ganz doll liebhaben und selbst Cyclops und Jean Grey wieder leben. Wie Moffat in Doctor Who mal eben die Storyline des neunten und zehnten Doctors für nichtig erklärte und quasi auslöschte, so erklärt Singer alle X-Men-Filme bis auf First Class für ungültig. Ein lamer Reboot und durchaus respektloser künstlerischer Offenbarungseid, der auf einem Level ist mit dem „Bobby kommt aus der Dusche und die vergangenen Staffeln sind nur geträumt“-Twist, den Dallas damals abgeliefert hat.

Natürlich ruiniert das den Film nicht, aber es lässt ihn billiger und weniger episch, weniger klug und durchdacht wirken, als es diese Storyline verdient hätte. Das Singer diesmal auch auf jeglichen Subtext verzichtet ist zusätzlich schade, denn genau das war ja immer Markenzeichen seiner X-Men-Filme (und selbst X-Men: Last Stand hatte da mehr Denkanstöße als Days of Future Past zu bieten). Im Vergleich mit den Marvel-Studio-Filmen fällt auch die extreme Unlust auf, ein kohärentes World Building zu betreiben. Die Coda-Sequenz vom letzten Wolverine-Film wird ebenso wenig schlüssig aufgegriffen, wie Professor X neuer/alter Körper oder die Ereignisse der Wolverine-Filme. Statt sich zu einem großen X-Men-Universum zu fügen wirft jeder filme neue Widersprüche auf – was besonders auffällt, da sich X-Men: Days of Future Past ja explizit an die Fans wendet. Konnte X-Men: First Class als Soloabenteuer und Neueinstieg genoßen werden, ist sein Sequel für jeden der die alten Filme nicht kennt absolut unverständlich und unzugänglich.

Was bleibt: Eine streckenweise extrem starke Zusammenführung der X-Men Generationen mit großartiger Cast, einer wirklich phänomenalen Actionszene, aber auch dramaturgischen Schwächen und eher schwacher Story. Quicksilver ist das absolute Highlight des Films, der hoffentlich in weiteren Filmen weniger stiefmütterlich behandelt wird. In seinen besten Momenten ist X-Men: Day of Future Past genauso gut wie First Class und X-Men zwei. In seine schwächeren Szenen erinnert er ungut an Star Trek: Generations. Das positive überwiegt dabei, aber trotz allem hatte ich am Ende das Gefühl, das hier wesentlich mehr drin gewesen wäre.

Nilz N. Burger sagt:

Ich hab mal meine Videoreview drangehängt. Ich komme zwar zum selben Ergebnis, aber irgendwie seh ich es auch ganz anders. Seltsam.


[YouTubeDirektMutantenstadl]

  • der alte sack 26. 5. 2014 an 11:56

    Keiner Kommentiert hier?Gut ich mach es auch nicht, danke jedenfalls für die Gedanken, ich schaue den Film am 06.06 ( vorher komme ich leider nicht dazu) werde mich dann nochmal melden. bis danne…

  • Rudi Ratlos 26. 5. 2014 an 15:29

    Uff, grammatikalisch ist das ja ein ziemlicher Ritt – habt ihr keine Rechtschreibprüfung? Ein paar Kommas spendiere ich euch auch noch, die müsst ihr nur noch richtig verteilen ;) Und ist eine Verleugnung von „The Last Stand“ nicht eigentlich ein Pro-Argument? Zumal es sich bei der neuen Realität ja auch nur um eine mögliche Abzweigung auf der Zeitlinienautobahn handelt. Und dank der Szene nach dem Abspann ist der nächste große Bösewicht ja bereits in den Raum geworfen worden, der aber in den bisherigen Teilen ebenfalls nie Erwähnung gefunden hat (zumindest kann ich mich nicht anderweitig dran erinnern), so dass die alten Teile doch durchaus noch ihre Daseinsberechtigung haben sollten.

  • Armin Tamsarian 29. 5. 2014 an 12:24

    Danke für die Review. Mit diesen Gedanken werde ich in den Film gehen. Gabs eigentlich im Abspann wieder den üblichen Marvel-Vorschau-Gag?

  • Slowlead 29. 5. 2014 an 16:48

    Volle Zustimmung! Tolle Schauwerte, geniale Mutanten Charactere (und deren 5-Min. „Das kann ich und es sieht gut aus“-Screentime), und eine erbärmlich dumme Story. Von ganz groß bis klein ist diese Handlung sehr lieblos zusammengeschustert: Dasim Finale alles zusammenkommt war ab dem Zeitsprung-Plan klar, und nahezu alle angeführten Begründungen für diese und jene Umstände zum Haareraufen. Magnetos Handlungen sind in keiner Weise nachvollziehbar und wieder einmal reisen Zeitreisende, die irgendetwas in der Vergangenheit in Ordnung bringen wollen, zum spätmöglichsten Zeitpunkt an, damit die Veränderung auch schön gefährdet und spannend wird. Gibt es, ausser Back to the Future, eigentlich irgendeinen Zeitreise-Film dessen Logik nicht vollkommen aus dem Ruder läuft?

  • der alte sack 11. 6. 2014 an 7:03

    So jetzt war ich doch drin am Wochenende. Resumee: 3 D hätte nicht sein müssen, aber 2 D gab es bei uns im Dorf leider nicht. Der Film war gut. Alte und neue X-Men wurden gut verknüpft und ich muss sagen die Quicksilverszene war ein Sahnehäubchen. Der Rest war sehr gute Unterhaltung. Eine Frage noch an die Nerds: Was hat eigentlich dieser Trask gegen Mutanten, das kam im Film irgendwie als Motiv nicht raus….

  • JensE 26. 7. 2014 an 13:37

    Ich habe mir den Film angesehen. Mein Kurzfazit:

    + Gute Story
    + Quicksilver
    + Hat mich gut unterhalten

    Eigentlich sollte Rogue diejenige sein, die von Trask für seine Sentinels
    benötigt wird und nicht Mystique! Erst dann macht dieser Handlungsstrang
    Sinn. Deswegen sind auch noch Überreste ihrer Szenen am Ende mit im Film.

  • energk1 27. 7. 2014 an 9:59

    Also das man es in Hollywood nicht mehr Schaft, eine Geschichte logisch
    und in sich stimmig zu erzählen, ist mittlerweile eine traurige tatsache.
    Sage nur Prometheus, ein Film auf den ich mich sehr gefreut hatte, und bis heute nicht aufgehört habe über ihm zu fluchen.
    Dabei Versuch ich ihm zu mögen weil er ja nicht Komplet doof ist, wie so viele andere filme auch, und eben jetzt auch der neue x-men.
    Je öfter man aber über die Geschichte nachdenkt, desto mehr regt sie mich auf.
    Gerade weil mir das ganze x-men Franchise am Herzen liegt, und mit First Class gezeigt wurde das es auch Gut gehen kann, tatsächlich fand ich das es der beste teil der reihe war.
    Und jetzt das, als ich ihm das erste Mal sah war der Film gut, doch dann fing das Nachdenken an,
    nach nochmaligen Ansehen fing die Frustration an.
    Was mich wirklich stört, mich gerade zu Gift und Galle spucke lässt, das ist das ende des Films.
    Trask bleibt am Leben so weit so gut, doch jetzt kommt magneto ta
    da, der Kerl verpflanzt also ein ganzes Stadion, zehrt den Bunker mit
    den Präsidenten samt Gefolge an die frische Luft, und als Ergebnis sagt
    der Präsident, nee wir brauchen doch keine sentinels What the F**k!!!
    Mag
    es noch andere Unstimmigkeiten im Film geben, aber über diese eine
    Sache komm ich nicht hinweg, so als würde man vor den Mont Everest
    stehen, und versuchen so zu tun als wär der Berg irgendwie nicht da.
    So soll man also den Film Genießen, mit einem Berg vor der Nase.
    cheerio