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Edge of Tomorrow (Review)

13. 7. 2014, Batzman (Oliver Lysiak), 12 Kommentare
<strong>Originaltitel: Edge of Tomorrow<br>Regie: Doug Liman<br>Buch:Christopher McQuarrie<br>Darsteller: Tom Cruise, Emily Blunt, Bill Paxton, Brendan Gleason<strong>
  • Batzman
4

Summary

Einer der besten SciFi-Filme der letzten Jahre. Spannend, humorvoll ohne albern zu sein und mit einer sehr guten Besetzung bis hin zu Nebenrollen. Edge of Tomorow ist ganz sicher eines der Highlights dieses Kinojahres und zeigt, dass mit Cruise noch immer gerechnet werden muss.

Edge_of_Tomorrow_Poster

Wer hätte nach diesem Trailer einen der besten SciFi-Filme der letzten Jahre erwartet? Ich nicht und wohl auch die meisten Zuschauer nicht, die Edge of Tomorrow in Scharen fernblieben. Was eine verdammt Schande ist, denn diese „Groundhog Day“-Paraphrase funktioniert brillant, ganz egal wie unlogisch das Konzept des Zeitloops selbst bei oberflächlicher Überlegung ist.

Tom Cruise ist gut wie lange nicht und ironisiert gekonnt sein smartes Grinser-Image, wenn er zu Beginn als aalglatter PR-Fuzzi noch glaubt er könne sich aus jeder Situation hinausmogeln. Es ist seine anfängliche Unfähigkeit und glaubhafte Überforderung, die die Progression zum typischen Cruise-Heroen nachvollziehbar und sympathisch macht und beweist, das es in Sachen schierem Charisma wenige mit ihm aufnehmen können.

Was jedoch noch mehr überrascht als Cruise ist die Leichtigkeit mit der diese Alien-Invasoren-Zeitreise-Story erzählt wird. Doug Liman schafft es die Mechaniken seines High-Concept-Films überaus unterhaltsam zu etablieren, die unvermeidlichen Setup-Durchläufe mit allen wichtigen Informationen zu füllen, ehe der Spaß dann wirklich losgeht, sobald Cruise Charakter in die Zeitschleife gerät und versuchen muß mit Hilfe von Emily Blunts Soldatin Rita die Aliens mit ihren eigenen Tricks zu schlagen.

Dass das Ende der Menschheit droht hindert Edge of Tomorrow zum Glück an keiner Stelle schamlos unterhaltsam und oft überraschend schwarzhumorig zu sein. Er nimmt seine Figuren zwar ernst, doch die quasi Unsterblichkeit von Cruise Cage-Figur ist willkommener Anlaß für unzählige brutale Tode, die der Tagline Live.Die.Repeat. mehr als nur gerecht werden.

Limans Regie schafft es dabei immer die richtige Ballance zu finden, damit Cage trotz allem nicht zur Witzfigur verkommt und auch die emotionalen Momente noch funktionieren. Wenn er vom ewigen probieren und durchspielen der selben Szenen ermüdet und ausgelaugt ist und nur einmal Rita nicht sterben sehen möchte, ist das nachvollziehbar ohne ins schwurbelnd-depressive abzugleiten. Und es ist keine geringe Leistung in einem derartig Special-Effect-lastigen Film die Charaktermomente und Dialoge zu dem wirklich einprägsamen Szenen werden zu lassen. Ob der finale Akt dieser Buch/Manga-Verfilmung nicht noch etwas eleganter hätte aufgelöst werden können, darf diskutiert werden doch das ändert nichts daran, dass Edge of Tomorrow ein extrem gelungener, mitreißender und spannender SciFi-Film geworden ist, der nach langer Zeit mal wieder das Gefühl vermittelt, dass die Macher die Zuschauer nicht für debile Idioten halten.

Was vielleicht einer der Gründe dafür sein mag, warum der Film derartig unverdient gefloppt ist.

  • burns 13. 7. 2014 an 19:14

    Ich kann Batzens Kritik nur 100% zustimmen. Da ist alles gesagt.
    Das Drehbuch spielt mit der High-Concept auf eine Weise, die nur grandios ist: Komisch, böse, spannend, dramatisch…
    Wenn alle Blockbuster dieses Niveau hätten, bräuchte selbst der eingefleischteste Arthouse-Freak sich nicht mehr über seelenlose Reißbrettproduktionen mokieren.
    Ich bin selten aus einem Film so perfekt unterhalten rausgegangen. (Na gut, über den Schluss habe ich mich um einiges mehr geärgert als Batz. Die letzten drei Minuten sind Hirnschiss. Leider.)
    Was ich nicht wusste, war das Floppen des Films.
    Warum DAS denn?…!

  • Koprolalist 13. 7. 2014 an 19:14

    „…richtige Ballance zu finden, damit Cage trotz allem nicht zur Witzfigur verkommt…“
    freudscher Fehler?

    • Oliver Lysiak 14. 7. 2014 an 22:03

      Tom Cruise Figur heißt Cage – wo liegt da der Fehler?

  • firejoe 13. 7. 2014 an 19:49

    Toller Film! Unbedingt ansehen!

    Der absolute Flop ist der Film nicht geworden.
    Bei 178 Millionen Produktionskosten sind es momentan 350 Millionen weltweit.
    Wobei die Marketingkosten da noch nicht inkludiert sind…also mit blauem Auge davongekommen.

    Da kotzt es mich schon mehr an, das der neue Transformer 750 Millionen eingespielt hat…

  • Binding 14. 7. 2014 an 13:49

    Mich hat der Film – im Gegensatz zu seinem sehr verheißungsvollen Trailer! – sehr enttäuscht, denn es war im Prinzip alles nur zusammengeklaut aus „Source Code“, „Starship Troopers“, „World Invasion: Battle Los Angeles“ und „Skyline“ (in dieser Reihenfolge) – ohne was Besseres draus zu machen. Der Film ist von „Bourne“-Regisseur Doug Liman? Er hätte auch von jedem x-beliebigen Jungregisseur mit einem guten
    Händchen für Action inszeniert werden können, so durchschnittlich und
    austauschbar wirkt das Ganze. Das Schlimmste aber ist: Im Gegensatz zur ironisch-zynischen Art und der teils grotesken
    Gewalttätigkeit von „Starship Troopers“ versteht er sich als ernsthaftes Drama und ist trotz der Kriegsthematik auf
    Familienfreundlichkeit ausgerichtet, kommt also völlig ohne blutige
    Szenen aus. Dabei geht es ja eigentlich fast nur ums Sterben. Das ist
    dann schon ein wenig verharmlosend. Und das Ganze verliert dadurch
    letztlich auch an Glaubwürdigkeit. Als Genre-Fan fühlte ich mich relativ schnell selbst in einer Zeitschleife der Ödnis gefangen
    und wollte irgendwann nur noch einen Haken auf meiner Liste machen. Und die letzte Einstellung mit Grinsekatze Cruise ging ja wohl gar nicht!

    • Haina 14. 7. 2014 an 20:11

      Zusammengeklaut ist gut, der film ist eine Manga Verfilmung und die Bücher gibt es schon ein paar tage länger.

      • Binding 14. 7. 2014 an 22:16

        Ich vergleiche Filme nur mit Filmen. Die Ideen mag es woanders zwar früher gegeben haben, aber nach dieser Logik wären ja Filminhalte fast immer zusammengeklaut, weil sie alle irgendwie auf die alten Griechen und Shakespeare zurückzuführen sind.

    • Oliver Lysiak 14. 7. 2014 an 22:02

      Du beziehst dich aber bis auf Starship Troopers hier komischerweise nur auf Scheißfilme die selbst keine einzige originelle Idee hatten – wenn überhaupt bedient er sich bei Groundhog Day. Und ich fand keineswegs das er sich sonderlich ernst nimmt. Er hat ein paar gefühlige Momente ist aber weit weit weit entfernt von ekliger Nolan-Schwurbel-Düsternis sondern ganz klar selbstreferentielles Actionkino.

      • Binding 14. 7. 2014 an 22:11

        Ja, eben: Für einen Tom-Cruise-Blockbuster ist es ja gerade ein riesiges Armutszeugnis, dass er selbst so ein „Scheißfilm“ ohne einzige originelle Idee ist! Natürlich ist das große Original der Murmeltier-Film, klar. Aber „Source Code“ (den ich übrigens auf keinen Fall zu den „Scheißfilmen“ einsortieren möchte) steht „Edge of Tomorrow“ viel näher, weil es keine Komödie ist und der Protagonist auch immer wieder stirbt.

  • MrBrown 15. 7. 2014 an 16:22

    Ich finde den Scientology-Schmierlappen Tom Cruise einfach so scheiße, ich kann mir absolut nichts mit dem ansehen.

    • HappyFry 21. 7. 2014 an 20:23

      Ich seh ihn zwar genauso (seine Oprah-Grinse-Hüpfe liegt in meiner Ouch-Hitliste nur ganz knapp hinter Steve Balmers „Developers!“-Entrückung), aber nach der Review, die mal sehr lecker klingt, da bin ich mal Hure genug, und guck mir so ein Tommy-Teilchen an!

      Ich meine: Hey, wäre ich nicht so drauf, dann ich hätte ich Fight Club noch nicht gesehen. Gott bewahre…

  • Mosley 28. 8. 2015 an 2:00

    musste ihn grad nochmal anschauen, ich glaube zum dritten mal. das ist mir seit jahren nicht mehr mit einem film passiert.

    wirklich einer der besten scifi/alien filme der letzten jahre. ich bin alles andere als ein cruise-fan, aber wenn ich diese lupenreine action-arbeit anschaue muss ich mir eingestehen, dass das wohl sehr viel mehr mit der öffentlichen figur cruise als mit dem schauspielerischen handwerker cruise zu tun hat.

    am beeindruckendsten ist allerdings die regie. das timing ist nahezu perfekt. nahezu keine längen, trotzdem nicht gehetzt, die erzählgeschwindigkeit variiert virtuos zwischen rasend schnell und sorgfältig langsam, und die variationen sind perfekt platziert. ich liebe das. ein guter actionfilm mit hervorragendem timing ist wie ein tanz, eine choreographie…und zwischen all den production values nicht das auge fürs timing zu verlieren ist eine offenbar sehr seltene kunst die selbst gestandene blockbuster-regisseure längst nicht immer hinbekommen. gibt zahllose beispiele höchst kompetent hergestellter summer-blockbuster-popcorn-movies, die vieles meistern aber dann doch das timing vermasseln, vom hobbit bis zum letzten terminator, dessen timing z.b. nach starkem anfang auf einmal komplett auseinanderfällt und den zuschauer verliert.

    der film „hätte auch von jedem x-beliebigen Jungregisseur mit einem guten
    Händchen für Action inszeniert werden können“? i dont think so!