Features Review

Transformers Ära des Untergangs (Review)

17. 7. 2014, Batzman (Oliver Lysiak), 20 Kommentare
<strong>Transformers: Age of Extinction<br>Regie: Michal Bay<br>Buch: Ehren Kruger<br>Platzhalter: Mark Wahlberg, Stanley Tucci, Kelsey Grammer, Nicola Peltz, Jack Reynor</strong>
  • Batzman
1.5

Summary

Transformers ist für das Publikum, was Laserpointer für Katzen sind. Flackernde Vortäuschung von Spannung, die falsche Suggestion es gäbe etwas zu gewinnen und wahrscheinlich wird man blind, wenn man zu lange reinschaut. Aber eigentlich sind sie nur die teuersten Let’s Plays der Welt. Und das erklärt vermutlich auch ihren Erfolg.

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Synopsis: Transformers werden gejagt und kämpfen unter Optimus Prime gegen Menschen, Decepticons und außerirdische Robo-Spacken.

Nach vier Filmen gebe ich zu, dass mich Michael Bay mit Transformers Ära des Untergangs zermürbt hat. Natürlich ändern Kritiken nie wirklich etwas und gerade die Klientel die Bay und Co bedienen ist naturgemäß eh resistent gegenüber „diesen snobistischen Arschlöchern die nicht einfach mal das Gehirn ausmachen können“. Aber selten ist die Ohnmacht eines Filmrezensenten so komplett, wie nach einem neuen Transformers-Film. Stapfte ich aus dem ersten Teil noch hochgradig zornig und fluchend über einen derartigen filmischen Absud, fühlte ich mich nach Teil 2 noch wie nach einer Runde Preisboxen in der Klippschule, merkte ich bereits bei Teil 3 die Abstumpfung gegen die Methode Bay. Ich bin einfach nicht mehr in der Lage mich wirklich darüber aufzuregen, denn es setzt sich die Erkenntnis durch, dass sich Bays Werke mit den Maßstäben des Kinos nicht erfassen lassen. Sie existieren in ihrem eigenen Universum, losgelöst von dem was früher einmal Blockbuster oder Effektfilm genannt wurde. Michael Bay ist Autorenfilmer. Niemand bringt diese Art von Produkt so konsequent ins Kino wie er. Niemand hat sich so konsequent von den Konventionen des Narrativen verabschiedet und inszeniert „Filme“ die selbst als Vergnügungspark Attraktion zu wenig Geschichte böten. Es ist Scheiße und anstrengend anzusehen und lässt einen den Glauben an die Menschheit verlieren, aber es ist von genuin eigener Art, die Bay neben Uwe Boll zu einem Ausnahmeproduzenten macht.

Natürlich ist das was er macht immer noch unglaublicher Mist. Sexistisch, rassistisch und von grenzenloser Zuschauerverachtung geprägt. Das cineastische Äquivalent zu einem wackelnden Fickelfinger, der sagt: Ihr guckt sowieso, also brauche ich nicht mal mehr versuchen so etwas wie einen Film zu machen. Aber da es im Grunde ja kein Film mehr ist, sondern nur noch eine Reihe von Bewegungen die auf der Leinwand ablaufen, greift die klassische Kritik zu kurz. Natürlich gibt es keinerlei menschlich annehmbare Charaktere, natürlich ist Mark Wahlbergs Figur die absolute Hölle und das erbärmliche Abziehbild eines menschlichen Wesens, natürlich hat keine Figur einen Character-Arc außer Stanley Tuccis Steve Jobs auf Koks. Natürlich lässt das unsägliche Product Placement selbst Adam Sandler-Streifen subtil erscheinen. Natürlich ist das Pacing eine Katastrophe, machen Szenenabläufe keinen Sinn, folgt nichts irgendeiner Logik und natürlich sind die Transformers keinen Deut sympathischer als die Menschen und mindestens genauso Stulle.

Nach dem fast gemütlichen Einstieg in Transformers Ära des Untergangs war ich nach spätestens einer Stunde fest überzeugt, Bay hat ganz einfach acht Teams aus seiner Crew gebildet, ihnen die Tagesaufgabe „Irgendwas mit Explosionen und Transformers“ gegeben und sie dann ohne eine Möglichkeit miteinander zu kommunizieren an verschiedenen Orten drehen lassen. Da irgendwann eh alles metallener Brei ist, dessen Bilder die Animatoren unglaublich gelangweilt haben müssen, so lustlos wie sie das ganze runteranimieren, ist es eh egal was wann mit wem und warum passiert. Bei der initialen Autojagd scheint noch jemand wach gewesen zu sein, genauso wie beim Häuserkampf in dem Wahlberg kurzfristig als Bourne-Ersatz ein paar schicke Szenen hinlegen darf. Doch abgesehen davon ist alles Anschlag auf die Sinne, der gerade im IMAX in 3D einer nicht enden wollenden Notzüchtigung gleich kommt. Wobei statt Angstlust die Achterbahnen und Geisterbahnen erzeugen hier irgendwann nur noch Erschöpfung bleibt, wenn das Hirn aus beiden Ohren mit weißen Flaggen winkt und signalisiert: Ich gebe auf, ich will nur noch, dass es vorbei ist.

Nach fast drei Stunden (Transformers Ära des Untergangs ist der längst der bisherigen Film) ist es egal warum die groß angekündigten Dino-Bots erst in der letzten Viertelstunde mitmischen, warum Vaginamonster erschossen wurden und Optimus Prime plötzlich fliegen kann, obwohl diese Fähigkeit in vielen Szenen zuvor extrem hilfreich gewesen wäre. Es ist egal, das Tuccis Jobs Verschnitt eine nicht nachvollziehbare Wandlung durch macht und es uns plötzlich kümmern soll, ob er überlebt oder seine Kung-Fu-Sekretärin knallen darf. Es ist auch egal, das Bay sich Armeepornographie spart und ein paar unreflektierte Seitenhibe gegen die Regierung und NSA einbaut, denn ihnen fehlt die Substanz zu treffen. Es ist egal, denn hier geht es nicht um Film, nicht mehr darum eine fesselnde Story zu erzählen, charismatische Helden aufzubauen oder mitzufiebern.

Transformers Ära des Untergangs ist für das Publikum, was Laserpointer für Katzen sind. Flackernde Vortäuschung von Spannung, die falsche Suggestion es gäbe etwas zu gewinnen und wahrscheinlich wird man blind, wenn man zu lange reinschaut.

Aber eigentlich sind die Filme nur die teuersten Let’s Plays der Welt. Und das erklärt vermutlich auch ihren Erfolg.

  • windam 17. 7. 2014 an 9:44

    „die teuersten LetsPlays der Welt“ … schöner hätte man es nicht sagen können

    • SuppenkaZper 19. 7. 2014 an 18:49

      Wollte mich zuerst darüber aufregen („tut den teilweise genialen Teilen der Videospielkultur unrecht blablabla“), hab dann aber den Stock aus dem Arsch gezogen, die Punchline ist einfach zu schön um daran rumzusnobben.
      Danke für die tolle Review Batz.

  • SelectedBoy 17. 7. 2014 an 11:05

    Platzhalter! :D Anders kann man es auch nicht nennen. Das wirklich erschreckende an dem Ganzen ist für mich, dass sowas zu produzieren Erfolg hat. Da wächst eine ganze Generation von baywashed Filmeguckern heran.

  • Bob 17. 7. 2014 an 11:54

    Interpunktion ist anscheinend auch egal.

  • MRJ 17. 7. 2014 an 15:12

    Hab nach dem zweiten Teil (den ich für einen der schlechtesten „Filme“ aller Zeiten halte) aufgehört. Denke die Krirtik wird berechtigt sein, beim Trailer kam mir schon die Galle hoch – und ich bin einer von den „jawoll, -ich- mach- auch -mal- gerne- das- Hirn -aus -Menschen – aber dieser Mist kann wirklich nicht als Film bezeichnet werden, finde das sehr schön beschrieben ;) – 3 Kumpels fragen mich, ob ich mit ins Kino will, da musst ich mich echt beherrschen…

    • Arschgeweih sein Sohn 6. 8. 2014 an 10:24

      ich hab nen Schwager, der steht auf solche Art von Filme. Und jedesmal, wenn ich bei ihm bin, muss ich mir seine tollen Bud Spencer Ausschnitte ansehen. Ich habe Sie schon gefühlte 1000mal gesehen. Nichts gegen diese Filme, aber nach 3mal schauen reichts und man kann sich auch mal aktuellen Filmen widmen. Der würde ohne mit der Wimper zu zucken in diesen Film gehen und ihn toll finden und mir 3 Wochen lang davon erzählen.

      Obwohl ich ihn für ein Paradebeispiel halte, was schlechten Filmgeschmack angeht, ist er sonst in seinen Ansichten etc. mit mir im Einklang. Der ist studiert und leitet sogar ein Firma. Ich glaube das Filmgeschmack auch viel mit „Erziehung“ zu tun hat. Wenn es nicht ein paar Freunde in der Jugendzeit gibt, die einem mal Four Rooms (als bekanntes Beispiel) o.ä. nahe bringen, dann ist man für den Rest des Lebens TrashfilmFan und kann noch nichtmal was dafür.

  • Ben 17. 7. 2014 an 15:48

    Alta Vadda, was ein geiles Review! Ich habe Tränen gelacht. Selten eine Kritik gelesen die es derart sprachgewandt auf den Pukt bringt. Danke Batzman – und sorry das Du 3 Lebensstunden für diesen Quatsch opfern musstest. Aber sieh’s mal so, mir hast Du damit 3 Std. geschenkt – Danke dafür!

    • Markus 28. 7. 2014 an 18:43

      du lachst aber auch sonst schnell tränen, oder?

  • » ich teile diese einschätzung 17. 7. 2014 an 22:02

    […] Transformers Ära des Untergangs Kritik der Fünf Filmfreunde Transformers Ära des Untergangs ist einzigartig und Michael Bay ein Autorenfilmer. […]

  • legal.hardcore.germoney 18.07.14 | monstropolis 18. 7. 2014 an 17:16

    […] wie Michael Bay und Uwe Boll” : Transformers Ära des Untergangs […]

  • TransformersFan2014 18. 7. 2014 an 23:05

    Hauptsache gehated :D Wer Filme ernst nimmt, kann es nicht anders. Fanboys hatten ihren Spaß. Wer erschöpft und um 3 Uhr morgens aus der Sneakpeak steigt für ein CGI Megafeuer (ich sage nur Schiffe, überall Schiffe) der hatte trotzdem seinen Spaß. Speziell wenn er über USA USA USA oder Over The Top Branding eher kaputt lacht als es jedes Mal als Beleidigung seiner Hochheit erkennt. Trotz vieler Sympathien für die Transformers und MIchael Bays „I don’t give a f*** about my viewers“ Einstellung trolle ich hier nun ein wenig rum und kann diese Einschätzung nachvollziehen, teile aber höflich mit, dass Transformers einfach der „SH**“ sind :D By the way Transformium here we go :D

  • Oliver Lysiak 20. 7. 2014 an 1:13

    Sehr cool… Danke für den Link.

  • Oliver Lysiak 20. 7. 2014 an 1:14

    Sehr gelungen und sehenswert! Danke!

  • dok 20. 7. 2014 an 13:56

    geiles review . ich habe ja noch keinen von den scheiss transforemer filmen gesehen , aber diese kritik macht echt neugierig :)

  • Paratrooper 21. 7. 2014 an 22:22

    Der Film ist so dermassen SCHLECHT, dass ich nach 30 Minuten den VLC-Player schliessen musste….

    • Arschgeweih sein Sohn 6. 8. 2014 an 10:18

      Geiler Kommi.
      Danke.

  • Andreas Welscher 22. 7. 2014 an 23:00

    Sehr geehrter Verfasser der „Kritik“

    was eine hervoragende und konstruktive „Kritik“ in der nicht einmal auf einen wesentlichen Inhaltlichen Aspekt eingeht in der Schule würde man sagen „Mach bitte in der Grundschule deinen Abschluss für mehr Reichts nicht“,ich habe selten eine so schlechte und eine solch subjektive Kritik gelesen. Wer den Film auch nur mit ein bisschen Objektivität verfolgt hat und sich nicht von den Explosionen blenden lassen hat, erkannte erstmal eine tiefgründige und logische aufgebaute Handlung. Bezüglich der ganzen Effekte lässt sich erwähnen das sie manchmal etwas überspitzt dargestellt worden sind und manchmal etwas überdreht waren. Alles in allem zeigt sich das die Produzenten dieses mal mehr Wert auf eine Handlung gelegt haben, die Effekte, welche manchmal etwas unpassend waren, jedoch nicht vernachlässigt worden sind. Lieber Autor, bis auf die nicht erwähnten Filmstellen als Beleg für diese Thesen, ist dies der Weg eine konstruktive Kritik zu verfassen. Ich bin allerdings verwundert das sie eine solch lange „Kritik“ verfasst haben, wenn sie die 3Stunden, während des schauen des FIlms, als verschwendete Lebenszeit anrechen. Denn diese Zeit ist noch viel sinnloser verschwendet worden, aber sie werden mir vermutlich nich zustimmen, was an mangelnder Bildung oder mangelnder Intelligenz liegen könnte.

    Mit freundlichen Grüßen
    Andreas Welscher

    • pauliborn 23. 7. 2014 an 2:20

      Bezüglich der ganzen Effekte lässt sich erwähnen das sie manchmal etwas
      überspitzt dargestellt worden sind und manchmal etwas überdreht waren.

      … :)

  • Michael Plannet 23. 7. 2014 an 13:23

    Herr Batzmann, hiermit werfe ich mich in den Haufen aus Staub, gebildet aus den verrotteten Resten der Knochen von Legenden von Filmkritikern.
    Dieser wohlformulierte Verriss erhellt mein Dasein, treibt mir ein Lächeln ins Gesicht und gibt mir den fast erloschenen Glauben an das Gute im Menschen zurück! Vielen Dank dafür.
    Ich schaue schon lange keine Michael Bay-Filme mehr, mein Hirn hat es mir verboten.
    Aus mir nicht mehr erklärbaren Gründen habe ich mir seinerzeit den ersten Teil dieses Franchise angeschaut, und nachdem mein Klumpen Hirnmasse bei der Ansicht dieses Werkes versucht hat, sich selbst zu verzehren, kam es zu obiger Entscheidung ;)
    M.Bays „Filme“ haben mit Narration, Charakterentwicklung und der Heldenreise nichts mehr zu tun. Zeit- und Geldvergeudung.

  • energk1 26. 7. 2014 an 22:41

    Also erst mal vorweg, ich bin kein Transformers Fan.Habe zwar alle gesehen, aber sie sind ziemlich spurlos an mir vorbeigeschmettert.
    Heißt also, das bei mir auch nicht so ein Hass, oder Verachtung auf den armen,armen Michael Bay besteht wie bei vielen.
    Die Kritiken zu den Filmen hab ich dagegen voller Begeisterung verfolgt.Ich hab mich jedes mal kaputt gelacht, über die vernichtenden Kommentare,über den nicht enden wollenden Shitstorm.
    Ich meine das kann alles Stimmen, oder auch nicht da enthalte ich mich meiner Meinung.
    Aber
    das beste an der Sache ist ja, das es trotzdem immer weiter geht. Es
    wird gemeckert und geschimpft und Rum kritisiert, und dennoch wird der
    nächste teil wieder ein Kassenschlager.
    So was ist jetzt die Quintessenz der ganzen Geschichte,das 95% Der Weltbevölkerung aus Idioten besteht, und nur der kleine Rest den bösen Kräften des Michel Bay widerstehen kann.
    Das sie allein das Licht erblicken, wo die anderen in Finsternis wandeln.
    Hoffe nicht ansonsten wäre jeder kommende tranformers Film nur ein neuer Beweis für den Niedergang der menschlichen Spezies naja Ära des Untergangs halt.
    cheerio

  • Hibiki 10. 12. 2015 an 3:30

    ich schon seit ein paar Tagen in ruhigen Momenten das Achievement Ich werde nicht jamermn in HALO: REACH zu ergattern. Und hier ist der Name Programm. Trotz Hilfestellung der angesagten Website

  • Johannes Hohnhold 5. 11. 2017 an 0:59

    Omg genau meine Sichtweise die Trilogie war ganz in Ordnung aber der Film hat alles kaputt gemacht und alles geschilderte ist einfach wahr Sowohl die Dinos die erst in der letzten Viertelstunde mitspielen(was echt traurig war weil die halt wirklich in jedem Trailer waren) und diese komplett verschiedenen Orte die an sich nichts miteinander zu tun haben. Ich habe es immer gesagt und ich sage es wieder: Sie hätten die Trilogie so lassen sollen