Features Review

The Purge: Anarchy (Review)

6. 8. 2014, Batzman (Oliver Lysiak), 9 Kommentare
<Strong>Originaltitel: The Purge: Anarchy<br>Regie: & Buch: James DeMonaco<br>Darsteller: Frank Grillo and other people who can't act</strong>
  • Batzman
  • Rocky Balbea
  • Mal Sehen
1.5

Summary

Extrem dummer Pseudo-Horror, der dank uninteressanter Figuren weder zum Mitfiebern noch Amüsieren einlädt. Die strunzdumme Ernsthaftigkeit mit der hier Anspruch und Gesellschaftskritik behauptet wird, verhindert leider auch, dass der Film als Exploitation-Trash Spaß macht und die misogyne Inszenierung irgendeinen Over-the-Top-Bonus verdient.

PHbMhGywj0bled_1_mBatzman:

It’s Purge Night again und eine Gruppe zusammengewürfelter Figuren unter Führung eines stoischen Typen namens Sergeant müssen sich bis zum nächsten Morgen durschlagen ohne von mordenden Mitbürgern getötet zu werden.

Würden sich die Purge-Filme nicht so furchtbar ernst nehmen, wären sie vielleicht noch spaßiger Trash zum Weggucken. Doch leider glauben ja die Macher sie hätten irgendetwas zu sagen, wie uns der Produzent ja vor Filmbeginn nochmal bestätigte. Augenzwinkernd und ein bißchen anbiedernd, verriet er uns, dass die Europäer ja viel schlauer wären als seine Landsleute, weil die tatsächlich über eine „Purge“ als Konzept ernsthaft diskutieren würden und nicht merkten, dass die Macher das Ganze ja ablehnen.

Was die Crux des Ganzen gut zusammenfasst, denn die Purge-Filme proklamieren eine extrem doofe Idee die niemals irgendjemand ernsthaft in Betracht ziehen würde und arbeiten sich dann an dem Beweis dafür ab, dass das Ganze eine doofe Idee ist. Was ungefähr so sinnvoll ist wie erst zu behaupten das Innere der Erde besteht aus Wackelpudding mit Cranberry-Geschmack um dann eine millionenschwere Expedition zu finanzieren die den Beweis erbringt, dass es nicht so ist.

Und es fällt schwer die Doofheit dieser ganzen Prämisse zu ignorieren, denn wie Teil 1 ist auch das Sequel The Purge Anarchy eine humorbefreite, vorhersehbare Angelegenheit mit grauenhaften Charakteren, die etwa halb so spannend ist wie ein Teletubby-Marathon. Wirklich jede Figur ist furchtbar und vor allem jede Frauenfigur ist eine Katastrophe. In der Welt von Purge sind Frauen ausschließlich nervige Kreischweibchen, intrigante Psycho-Bitches oder dumm wie Holz und ihre einzige Aufgabe ist es den überlebenden „Helden“ am Ende ins Krankenhaus zu bringen. Zuvor haben sie aber auch wirklich so gar nichts zur Handlung beizutragen, nerven brutal und wollen natürlich immer dann Beziehungsprobleme diskutieren, wenn gerade Überlebensplanung angesagt wäre.
Hatte ich erwähnt, dass der Film von Michael Bay produziert wird? Passt.

Überraschend ist selbst wenn man gewillt ist die Doofheit des Setup zu ignorieren, wie langweilig der Film seine Stationen abspult. Die Gruppe wackelt dauerquatschend und streitend von einer Bedrohungssituation zur nächsten und mit jeder wird deutlicher, wie wenig interessant die Figuren sind, wie unsympathisch und ärgerlich sie geschrieben sind. Stoische Machohelden sind stoische Machohelden, Wer kein Machoheld ist, ist ein Warmduscher der nur aufhält und Frauen sind eh ein einziger Ballast. Schwarze sind skrupellose Handlanger des bösen, reichen, weißen Mannes und so eiern wir von einem Shootout zum nächsten und fragen uns warum das Ganze im Kino läuft, wo es doch optisch auf dem Niveau eines sehr ambitionslosen TV-Films inszeniert wird. Mögen Carpenter und Craven-Filme auch die (nennen wir es mal freundlich) Inspiration für die Purge-Streifen gewesen sein, spannungsmäßig reicht James DeMonacos 08/15-Dramaturgie leider an keiner Stelle an die dreckigen Gewaltfilme der 70er und frühen 80er heran. Zu mutlos, zu harmlos und zu ideenlos schickt er seine Truppe durch die Nacht und wirklich kein Moment überrascht oder wirkt unerwartet.

Neben der saumäßigen Synchro (ich habe leider diesmal nur die deutsche Fassung gesehen) die vor allem die Hauptfigur völlig fehlbesetzt hat, sind auch die schauspielerischen Leistungen selbst für einen Genrefilm unterdurchschnittlich. Und Frank Grillo hat ungefähr soviel Charme wie ein gebrauchter Kaffeefilter.

Charakterentwicklung, Dynamik, Spannung? Egal. Hauptsache es wird keine Miene verzogen und immer so getan, als wäre dieser Schwachsinn tatsächlich Gesellschaftskritik oder in irgendeiner Form relevant. Dabei ist die Story nur ein schlecht zusammengeklautes Amalgam das sich fröhlich bei allem von Most Dangerous Game, über Funny Games bis zu Assault on Precinct 13 bedient, dabei aber kauum halb so clever ist.

The Purge works, weil sich natürlich jeder seine Gewalt für einen Tag aufspart und es keine Affekttaten gibt, keine organisierte Kriminalität und auch sonst keinen Grund für Mord und Totschlag, außer die animalische Gewaltlust der Menschen. Aber ich fange schon an zu argumentieren und damit könnte ich die Annahme bestärken, der Film hätte irgendeine Aussage die auch nur der Diskussion wert wäre – was ihm zufiel der Ehre antut. Purge 2 weiß nichtmal was Anarchie überhaupt bedeutet und genauso dumm wie seine Prämisse ist seine Inszenierung, die sich selbst für die Kritik an etwas abfeiert, was niemand ernsthaft zur Diskussion stellen würde.

Wäre er dabei wenigstens unterhaltsam und würde sich mit Verve auf seine Exploitation-DNA einlassen, könnte das Ganze tatsächlich doofer Spaß sein, doch im Irrglauben eine Message zu haben, wird aus Purge leider erneut ganz, ganz doofer Quark, den auch einfache Gemüter wohl kaum ernst nehmen können.

Vielleicht sollten wir prophylaktisch mal das Haus des Drehbuchautoren abbrennen. So als Symbol. Hat mal eben jemand Feuer?

***

Rocky Balbea:

Haste einen Purge gesehen, haste alle Purges gesehen. Was für ein blöder, pseudo-sozialkritischer Schnickschnack. Ich hasse Filme, die so tun, als würden sie Systemkritik üben aber eigentlich selbst vollends im „System“ stecken und nur versuchen intellektuell zu wirken und aus dem Zuschauer Geld und Emotionen zu melken. Und Filme, in denen Leute umgebracht werden und man eigentlich für die Underdogs sein sollte, funktionieren echt nicht so gut wenn einem die Underdogs unsympathisch und scheißegal sind. Ich dachte eigentlich die ganze Zeit nur: sterbt doch alle, ihr Idioten. 10 Euro, dass es noch einen dritten Teil geben wird, 100 Euro, dass ich mir den Furz nicht mehr antun werde.

Mal Sehen:
Ich bin nicht sicher was schlimmer war: Der krampfhafte Versuch sämtliche Stereotypen des Kinos in einen Film zu quetschen (den schweigsamen Helden, das romantische Liebespaar, die kämpferische Mutter, der Bösewicht mit der tiefen Stimme uvm) oder das Ende („Noch 364 Tage bis zum nächsten Purge“), das einen zweiten Teil ankündigt, ohne es anzukündigen. Bitte nicht!
Anderthalb Sterne gibt es trotzdem, weil: Ich habe keine Glanzleistung erwartet, sondern einen Film auf Chuck Norris Niveau, den ich mir prima nach einer durchgemachten Nacht anschauen kann, ohne der Handlung folgen zu müssen.

  • stefan 6. 8. 2014 an 10:06

    Toller Kommentar. In den meisten Reviews wie ich sie kenne, wird zumindest in zwei,frei Sätzen der Film erwähnt bzw. auf diesen eingegangen. Herr Batzmann hasst allerdings nur ab und liefert nichtmal ansatzweise sowas wie ein Review. Schade.

  • der alte Sack 6. 8. 2014 an 12:27

    intressiert mich nicht die Kritik, weil mich auch der film nicht interessiert, deswegen auch hier nur die Mitteilung das es mich nicht interessiert… !!

  • Fronk 8. 8. 2014 an 9:22

    Ich komme nur hierher, um meinen Wortschatz zu erweitern (misogyn = frauenfeindlich). Kann ich auf Partys endlich mal schlau wirken.

  • Gast-Man 8. 8. 2014 an 15:01

    Wow, geiles Review. Nur so am Rande: Worum geht’s eigentlich in dem Film?

    • Oliver Lysiak 8. 8. 2014 an 15:46

      Du hast schon den ersten Satz des Reviews gelesen ehe du kommentiert hast?

  • Chip 14. 8. 2014 an 1:12

    Also ich fand den Film ganz unterhaltsam. Nettes Gemorde halt…why not?

  • justus_jonas 27. 8. 2014 an 16:52

    „das Ende (”Noch 364 Tage bis zum nächsten Purge”), das einen zweiten Teil ankündigt, ohne es anzukündigen“

    Zweiten Teil? Eure Reviews strotzen selbst beim flüchtigen Drüberlesen vor grammatikalischen und Flüchtigkeitsfehlern. Ja. Es ist uncool, so etwas in Kommentaren anzukreiden, aber trotzdem: Das wirkt leider extrem lieblos. Aber damit spiegelt es ja die Entwicklung dieses Blogs ganz gut wider.

  • jonas-justus 27. 8. 2014 an 17:19

    justus_jonas du hund!

  • Skihelm 3. 10. 2014 an 15:36

    scheint wie ein cooler Film, gehen Sie beobachten ihn