Features Review

Guardians of the Galaxy (Review)

27. 8. 2014, Batzman (Oliver Lysiak), 15 Kommentare
<strong>Originaltitel: Guardians of the Galaxy<br>Regie: James Gunn<br>Buch: James Gunn, Chris McCoy, Nicole Perlman<br>Darsteller: Chriss Pratt, Zoey Saldana, Dave Bautista, Bradley Cooper, Vin Diesel</strong>:
  • Batzman
4.5

Summary

Extrem unterhaltsame, überraschend rasante und phantasievolle SciFi-Opera, die sich mühelos vom bisherigen MARVEL-Universum abhebt und zeigt, das wir in Phase 3 und 4 eine Menge Neuerungen erwarten dürfen. James Gunn hat den besten Weltraumabenteuerfilm seit Galaxy Quest gedreht – und vereint gekonnt Witz, Action und liebenswerte Figuren.

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Um in den einhelligen Kritikerchorus einzustimmen: Ja Guardians of the Galaxy ist ziemlich großartig. Seit bekannt wurde, dass James Gunn Regie führt, hatte ich gehofft und gezittert, dass er seinen bizarren Humor und sein Erzähltalent ins Blockbusterkino retten kann. Immerhin hat er mit den Tromafilmen wahnsinnigen Trash, mit Slither sympathischen Retromonsterhorror und mit SUPER den Antisuperheldenfilm schlechthin abgeliefert.

Die Frage war natürlich lässt Marvel ihm genug Leine um seine Talente wirklich zu entfalten und gerade nach Edgar Wrights Ant-Man Abgang war die Antwort keineswegs von vornherein klar. Doch das riskante Spiel hat sich ausgezahlt. Ohne sich auf den Schultern der Avengers aussruhen zu können, ohne den Bonus etablierter Figuren und Stars und vor allem in völlig ungewohntem Setting schafft es Guardians of the Galaxy sich selbständig zu behaupten.

Ja nicht nur das: Er vermengt Witz, Drama, Action und Old-School-Star Wars-Feeling zu einer befriedigenden Mischung auf die ich in der Form lange gewartet habe. Dabei gelingt es Gunn hervorragend ohne großen Origin-Story-Ballast auszukommen. Natürlich wird die Entstehung des Teams geschildert, aber außer Star Lord reicht es bei den anderen Figuren, dass wir Andeutungen bekommen die ihre Vorgeschichte erahnen lassen. Und es verblüfft wie gut das für die meisten funktioniert.

Denn Gunn gelingt das Kunststück einen witzigen Film zu machen, der seine Figuren bei aller Komik nicht lächerlich erscheinen lässt. Denn nicht nur das Intro ist nachgerade herzzereissend traurig, auch im späteren Verlauf blitzt immer wieder mal das tragische unter der albernen Oberfläche auf. Sei es bei Drax oder wenn Rocket Racoon kurz die Contenance verliert und wir für eine Sekunde wie schwer es für ein hochintelligentes Lebewesen sein muß in einem derart skurril-lächerlichen Körper gefangen zu sein.

Dabei vergisst Gunn nie den ironischen Bruch, der die „Menschlichkeit“ seiner Figuren erst spürbar werden lässt. Wo die DC-Filme stets verbissene Grimmigkeit mit Tiefgang verwechseln, zeigt Guardians wie man Figuren emotional spürbar macht ohne in plakatives Schmollposing abzugleiten.

Das es dem Film gelingt eine so lächerliche Heldentruppe mit Waschbären, Wrestlern und Bäumen glaubhaft werden zu lassen ist alleine ein bemerkenswertes Kunststück. Denn selbst als James Gunn-Fan war ich mir nicht sicher, dass Rocket Racoon mehr sein könnte als ein hysterisch-nerviger Sidekick. Doch in Guardians ist er kein JarJarBinks-Verschnitt sondern ein veritabler Hauptdarsteller mit einer dramatischen Tiefe die beeindruckend ist – was auch an Bradley Coopers uneitler Stimmperformace liegt.

Überhaupt ist die Besetzung ein Glücksgriff. Chris Pratt ist geboren um Star Lord zu spielen, Vin Diesel holt alles aus seinen drei Worten heraus, Zoey Saldana hat den schwierigsten Job da ihre Figur am wenigsten erzählerisches Fleisch bekommen hat, ist aber trotzdem stimmig als Gamora und Dave Bautista als Drax ist vermutlich die größte Überraschung von allen. Sind Wrestler im Film sonst oft eher bewegliche Deko, bei denen die Regisseure gut daran tun sie nicht mit zuviel Dialog zu belasten, schlägt sich Bautista als ironieresistenter Drax the Destroyer hervorragend und ist gleichermaßen witzig und wie emotional berührend.

Bei allen Pluspunkten – zu denen auch der stimmige 80s Soundtrack gehört – ist es verzeihlich, dass die eigentliche Story einmal mehr dem vorhersehbaren Marvel-Schema folgt. Irgendein Bösewicht hat den total mächtigen Gegenstand GENERICRELIC und droht damit FILLBLANKHERE zu zerstören. Nachdem wir diese Story jetzt bei Thor, Captain America, Avengers, Iron Man usw schon zur genüge ausgenudelt haben, wäre es in der Tat mal schön, wenn Marvels Autoren sich in Phase 3 darauf konzentrieren könnten, ein bißchen elaboriertere und smartere Stories für ihre großartigen Charaktere zu erfinden. Wobei das natürlich Jammern auf sehr hohem Niveau ist, denn nach zwei großartigen Filmen in einem Jahr steht Marvel nach wie vor ziemlich alleine auf weiter Flur. Und solange Spider-Man, X-Men und Co ebenfalls eher doofe Stories erzählen und das deutlich ungelenker, darf sich Marvel zurecht als Platzhirsch fühlen.

Das Guardians of the Galaxy tatsächlich an der Kinokasse punkten konnte in den USA gibt mir zudem ein wenig Glauben an die Zuschauer zurück, der durch die Erfolge von Transformers und Co gerne mal erschüttert wird. Hoffen wir mal, dass auch das deutsche Publikum den Guardians eine Chance gibt – denn dann gibt es noch mehr Grund sich darüber zu freuen, dass der zweite Teil bereits beschlossen ist.

Hooked on a feeling. In der Tat.

  • pauliborn 28. 8. 2014 an 0:52

    Ticket ist gebucht und bezahlt, Freitag gehts ab. Freue mich schon.

    Das mit dem Mcguffin und der großen Gefahr ist Fluch und Segen von Marvel. Da es zum Ende von Phase 3 (wahrscheinlich!) darauf hinausläuft das Thanos den dicken macht mit Hilfe aller Infinity Gems, die in vielen Marvelfilmen im Mittelpunkt stehen (und stehen werden, (wahrscheinlich!)) verbinden die langweiligen Machtsteine einen Film wie Captain America mit den Guardians. 2 völlig verschiedene Filme, und doch eine „Serie“. Deshalb mag ich die Filme auch so sehr. Ich weiss das da mehr geht, aber ich habe schon einmal geschrieben hier… manche freuen sich auf die neuste Folge How I met your mother oder so…. ich mich auf die neuste Folge Marvel drei bis vier mal im Jahr. Aber klar das ist schon ein einziges Grundrezept… egal, mir schmeckts :)

    Kleiner Tip zum Ende. Allen hamburger Kinogängern empfehle ich das Savoy. Nicht ganz so urig wie das geschlossene Streits, aber schönes O-Ton 1 Saal Theater fernab der Großkinos und auch (meistens) ein bisschen billiger ;)

  • Parkster 28. 8. 2014 an 8:04

    Ich hab die Übertragung der Europapremiere aus London gesehen und war heute Nacht in der 00:01 Uhr-Vorstellung. Dienstag nächste Woche dann nochmal in die englische Ausgabe und dann schauen wir mal.

    Guardians of the Galaxy ist für mich (okay, als Marvel-Fanboy) unangefochten der beste Film des Jahres und hat selbst The Winter Soldier auf die Plätze verwiesen.

    Ich lege diesen Film hiermit jedem ans Herz… denn davon hat der Film selbst viel!

  • slowcar 28. 8. 2014 an 9:46

    Wir haben den Film schon im Schweden-Urlaub sehen können, die schwedischen Untertitel wurden da in Kauf genommen, besser als Wochenlang auf Tumblr und Co gespoilert zu werden.
    Super Film, gucken wir uns die Tage (im schon empfohlenen Savoy) nochmal an! Den 9/10 kann ich zustimmen, auch wenn ich es schade finde dass die Mädels mal wieder arg wenig Story abbekommen und dann auch noch das ein oder andere stereotype Verhalten abspulen müssen.

  • Sark 28. 8. 2014 an 13:13

    Ich freue mich so ungemein auf diesen Film!

    Aber ein Ding will ich nicht: Diesen Film auf deutsche Übersetzung zu sehen. Einen Miese Deutschübersetzung (gibt’s überhaupt denn gute?) kann gute Filme durch den Dreck holen.

    Leider gibt’s bei uns im Kaff alles nur auf Deutsch!
    Die deutsche Filmindustrie sollte man aufhören diesen Filmen zu f€&@en!
    Und dann noch eine blöde deutsche Titel dazu! Die Hüter des Universums!

    In die Holland is alles auf Englisch! Die Untertitel kann man ignorieren.

  • burns 28. 8. 2014 an 20:46

    Vor zwei Wochen war ich in den USA und habe die Guardians dort schon anschauen können. Batz hat in allen Punkten absolut recht.
    Die 5 Helden sind allesamt tragische Loserfiguren mit ganz schön Gepäck auf dem Buckel, und dieses emotionale Zentrum verlässt Gunns tolles Drehbuch nicht eine einzige Sekunde – was meiner Meinung nach auch der Schlüssel zum Zuschauererfolg war/ist. Der Rest ist purer Spaß.
    Aber mit wieviel Verve Gunn hier Storyklischees wie z. B. die Pathos-Ansprache vor dem Finale bricht und gerade dadurch Emotion und Glaubwürdigkeit erzeugt, das ist schon grandios.
    Für alle Genderbewegten vielleicht noch die Anmerkung, dass mit Nicole Perlman als Gunns Co-Autorin zum ersten Mal eine Frau in einer Comicverfilmung an dieser Stelle saß. Klingt erstmal nach „ja wurscht“, war aber tatsächlich ein Riesending – auch für die Marvelstudios (Weiber können ja nix schreiben, was für Kerle ist – wobei ja der zweite Teil des Satze genauso failt wie der erste) und wurde in den Film-Insider-Medien der USA durchaus wahrgenommen.
    Davon abgesehen: Reingehen. Natürlich OV oder OmU. Alleine schon wegen Pratts wunderbarem, wunderbarem Starlord, der vielleicht die schönste Figur der gesamten Marvel-Reihe ist.

  • x 29. 8. 2014 an 13:27

    @ Sark, ja es gibt gute deutsche Übersetzungen, zb 1492 Conquest of Paradise. Da hab ich letztens das Orginal gesehen, und einen lispelnden, gebrochen Englisch sprechenden Gerard Depardieu war schon lustig, da war die Deutsche Version um Klassen besser.

  • Fluffy Bunny 29. 8. 2014 an 14:17

    Die deutsche Übersetzung ist mal wieder nix – ich finde aber keine OV Version hier in der Ecke. Zumindest nix sofort, hier, jetzt und gestern Abend! Aber selbst das tut dem Filmvergnügen keinen wirklich großen Abbruch.

    Das Teil ist ein wirklich astreiner Sommerblockbuster, nie wir schon seit Ewigkeiten keinen mehr hatten… was richtiges UND Science Fiction! Echte Science Fiction! Kein Robocop/Total Recall/Irgendwas-Remake-Müll und keine hirnfreie Bayscheiße! Danke dafür!!! 9/10

  • x 30. 8. 2014 an 10:23

    So war gestern Kino. Tricktechnisch und 3d mässig wahrscheinlich das beste seit Avatar. Aber die Story ist so hanebüchen, man weiss stellenweise nicht um was es überhaupt geht.

  • Sark 7. 9. 2014 an 20:14

    War letzte Woche im Kino in Vaihingen Stuttgart mit meinem „Schwager“. (jetzt nicht mehr da Schluss mit meiner Freundin :-( )
    Kino ausgebucht aber trotzdem diesen Film auf Englisch !!!! gesehen mit einem guten deutschen Bier (Tannenzapfle) dabei.

    Exzellente Geschichte, super coole Humor! Die 3-D Effekte sind super und die Raumschiffe sein zu sind geil.
    Echt Science-Fiction in dieser Zeitalter gebracht.

    Ich freue mich auf das zweite Teil.

  • Groot 8. 9. 2014 an 23:31

    Ich bin Groot.

  • Etienne 15. 9. 2014 an 16:08

    Ich bin sehr überrascht von James Gunn und dem Cast. Diese haben eine enorme Entwicklung erfahren, speziell Bautista, Pratt und Gunn. Ich konnte mir nicht wirklich vorstellen, wie sich diese Personen mit ihrem neuen Aufgabengebiet auseinandersetzen. Großes Lob an die Macher, mit der beste Film von Marvel!

  • MrBrown 25. 9. 2014 an 12:31

    Kann dem Review eigentlich insgesamt nur Zustimmen, abgesehen vom „seit Galaxy Quest“ im Vorwort

  • Tremor 11. 11. 2014 an 21:02

    Zwei Korrekturen:

    1. Groot beherrscht nicht nur drei Worte, sondern (wie sich gegen Ende herausstellt) fünf.

    2. Im vierten Absatz fehlt ein Wort.(hinter „Sekunde“ sollte vermutlich „erkennen“ oder „begreifen“ kommen).

    Kann mir übrigens irgendwer erklären, was mit Gamora’s böser Schwester Nebula passiert ist? Irgendwie habe ich im Kino nicht erkennen können, was letztenendes aus ihr wurde (war der Film an dieser Stelle womöglich geschnitten?).

  • Latze 2. 2. 2015 an 9:40

    @Tremor: In ihrer letzten Szene kapert sie ein Ravagers-Raumschiff und macht sich vom Schlachtfeld davon. Erinnert ein bisschen an den Abgang von Darth Vader in Ep. I. Das schreit nach ihrem Comeback in Teil 2.

  • Tremor 15. 4. 2015 an 20:19

    @ Latze. Dankeschön. Glatt ein Grund, sich demnächst nochmal die Blu anzuschauen (obwohl ich diesen Film eher durchschnittlich finde).