Review

Nightcrawler (Review)

1. 12. 2014, Rocky Balbea, 6 Kommentare
  • Rocky Balbea
4

Kurzfassung

Schnell, fies und spannend. So haben wir’s doch gern.

nightcrawler_poster_revealedWas kraucht hier leis‘ durch Nacht und Wind?

Es ist der Jake Gyllenhaal, der ganz schön spinnt.

Ne, ehrlich der Lou Bloom (Jake Gyllenhaal) hat mächtig einen an der Klatsche. Und das Beste an Nightcrawler ist, dass das nie aufgeklärt oder psychologisiert wird. Ich will nur kurz daran erinnern, wie schrecklich es war, als man plötzlich Hannibal Lecter erklärte oder die Jedi-Kräfte (Midi-Chlorianer, mein Arsch…). Nein, Lou ist einfach ein Arschloch, ein Psychopath, ein Typ, der Dinge tut und sich Dinge herausnimmt, bei denen einem die Spucke wegbleibt.

Lou ist ein Kleinkrimineller mit großen Ambitionen. Er hat einen Online-Marketingkurs gemacht und will jetzt aufsteigen und berühmt werden. Durch Zufall fährt er eines Tages an einem Autounfall vorbei und beobachtet einen Kameramann, der gerade versucht, blutige Unfallbilder zu filmen, um sie an lokale Fernsehstationen zu verkaufen. Lou ist geflasht, was für ein geiler Job! Er beschließt auch ein Nightcrawler zu werden, tauscht seine Hehlerwaren gegen ein Polizeifunkgerät und eine Kamera und rekrutiert einen armen Kerl als seinen Praktikanten, der das Navigationsgerät bedienen muss. Und weil Lou vor absolut nichts zurück schreckt und keinerlei Skrupel hat, bringt er schon bald die besseren Bilder, denn keiner geht so nah ran wie er. Na ja, und keiner schiebt mal schnell die Leiche vom Tatort ein Stück nach links, weil man sie da besser filmen kann. Oder erpresst die Nachrichtenchefin (Renee Russo) mit der Tatsache, dass sie nur sein gutes Material kriegt, wenn sie auch mit ihm ins Bett geht. Denn schließlich braucht sie die blutigen Bilder genauso sehr wie er, sonst fliegt sie raus. Und sie ist ja jetzt auch nicht mehr die Jüngste…

Und so steigert sich der Film immer weiter in Psychosen und Blutbäder vom Feinsten. Lou ist die aktualisierte Version Patrick Batemans aus American Psycho –  genauso ruchlos und unempathisch, aber einen Zacken besser darin, das Mediensystem und den Hyperkapitalismus bis aufs letzte Quäntchen auszupressen. Meist spricht er ruhig und wohl artikuliert, aber man sieht es genau – diesen Typen sollte man bloß nicht dumm anmachen, das überlebt man eventuell nicht. Jake Gyllenhaal war wirklich noch nie so creepy wie in diesem Film. Ein charmantes Monster. Da muss man irgendwie schon fast ehrerbieterisch sagen: Was für ein Arschloch! Leider sind die Nebenfiguren allesamt völlig irrelevant und unterentwickelt. Keine/r von ihnen kann sich wirklich messen, was schade ist, denn das hätte dem Ganzen doch viel mehr Fleisch gegeben und den Film nicht ganz so eindimensional gemacht. Doch abgesehen davon ist der Film sehr gut gescriptet. Von Anfang an hat Nightcrawler etwas Gehetztes und unterschwellig Aggressives und je länger er läuft, desto mehr nimmt das Ganze Fahrt auf und wird letztendlich fast atemlos schnell und unerwartet heftig. Man kommt kaum hinterher, das Hirn denkt irgendwann nur noch „das hat der jetzt aber nicht wirklich gemacht?!“ Doch, hat er. Und zwar jedes Mal. Die Verfolgungsjagden sind fast perfekt in die Filmgeschwindigkeit eingebaut, der Film treibt voran und voran und voran. Immer schneller, immer tiefer, immer dunkler in die Abgründe der Menschheit und der Seele. Und es macht bald keinen Spaß mehr, denn da sitzt man nun im Kino und wird dank der Hauptfigur immer wieder Voyeur menschlichen Unglücks. Aus der Schaulust wird eine Last, ja es ist schon fast ein bisschen eklig und trotzdem will man wissen, wie weit er noch gehen wird und ob er damit durchkommt.

Und wenn man da raus ist, fühlt man sich als hätte man einen Klodeckel auf dem Bahnhofsklo abgeleckt. Man sieht direkt in den Abgrund, der bittere Nachgeschmack bleibt noch lange auf der Zunge und das Ereignis wird man so schnell nicht wieder vergessen (okay, das ist jetzt vielleicht nicht die beste Metapher, aber ihr versteht schon was ich meine.).

  • animefan 1. 12. 2014 an 15:32

    Ich habe mich vorher gar nicht für diesen Film interessiert, aber nach deinem Review werde ich den Film auf jeden Fall gucken. Thanks!

  • Martin Sane 2. 12. 2014 an 16:11

    Ich habe mich vorher gar nicht fürs Ablecken von Klodeckeln auf Bahnhofsklos interessiert, aber nach deinem Review werde ich das auf jeden Fall mal machen. Thanks!
    Den Film gucke ich zum Vergleich auch gleich mit.

  • El Nico 3. 12. 2014 an 13:38

    Das klingt in der Tat sehr interessant – ich habe eh ein Faible für Filme, die so richtig unangenehm sind. Danke für diese Review, das werd ich mir mal antun!

  • der Alte Sack 4. 12. 2014 an 10:45

    Ich habe Eure Kommentare gelesen und werde weder den Film anschauen noch den Typem zuglotzen der das Klo ableckt. Warum?? Weil das Niveau hier so grandios tief ist…

  • Martin Sane 4. 12. 2014 an 17:21

    Hat Dich auch niemand dazu eingeladen mir dabei zuzuglotzen.
    Freut mich aber dass Du Deine sinnlosen 2 Cent beisteuern konntest.

  • Gridphoenix 5. 12. 2014 an 13:35

    Hmmm,

    ich habe den Film bereits geniessen dürfen. Allerdings kann ich mich der Bewertung nicht anschließen. Jake Gyllenhaal macht seinen Job wirklich gut, aber insgesamt ist mir die Story zu dünn… Ich hätte maximal 2 Sterne vergeben (aber natürlich wie immer Geschmacksache).