Review

Der Hobbit: Die Schlacht der Fünf Heere (Review)

12. 12. 2014, Batzman (Oliver Lysiak), 14 Kommentare

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Bilbo, Gandalf und die Zwerge verschanzen sich in wg. Eigenbedarfs zwangsgeräumtem Drachenhort und müssen sich gegen einen hostile takeover anderer Geschäftsleute wehren.

Joar. Wenn mir die Hobbitfilme eines gezeigt haben, dann die Tatsache, dass steter Tropfen wirklich wirkt. Weil die erste Mittelerde-Trilogie bis heute trotz Schwächen zu meinen Lieblingswerken gehört, war ich von den Hobbitfilmen wahrscheinlich dreifach enttäuscht. Denn statt Staunen, Verzauberung und eskapistischer Unterhaltung boten sie mir über weite Strecken nur kalkuliertes Spektakel mit festem Blick auf Demographien und Marktsegmente.

Lassen wir das unerfreuliche Experiment HFR mal beiseite (Warner tut gut daran Pressevorführungen von Hobbitfilmen nur noch in normalem 3D zu veranstalten), bleiben trotzdem extrem aufgeblähte Filme, die digitalen Overkill zu oft vor Erzählhandwerk und Charakterentwicklung stellen. Aber sie waren natürlich nicht durchgehend schlecht, denn dazu ist Peter Jackson einfach ein viel zu begabter Filmemacher. Für jede Szene, die mich ärgerte – seien es die Klamauktrolle, die Rock-em-Sockem-Giganten, die Goblin-Rutschpartie aus Teil 1 oder die katastrophale Fass-Szene und die Zwergen-Ralley im Finale vom Hobbit 2 – gab es immer auch abgeschlossene Szenen, die daran erinnerten, was ich an den LOTR-Filmen so liebe. Die Konfrontation mit Gollum in Hobbit 1. Der Spinnenwald und das erste Zusammentreffen mit Smaug in 2 – das waren Highlights, die optisch wie dramaturgisch sehr gut funktionierten und Spaß machten.

Das Finale, Der Hobbit: Die Schlacht der Fünf Heere, ließ mich leider sehr leidenschaftslos zurück. Bis auf eine völlig überflüssige und leidlich peinliche Beat-Em-Up-Szene in der Galadriel, Saruman und Elrond Gandalf retten – und die dermaßen plumper Fanservice ist, dass sie wirkt, als hätte versehentlich jemand eine schlechte Fanfiction ins Drehbuch geschmuggelt – bleibt der Film erstaunlich solide. Er erzählt seine Story natürlich viel zu lang aber es gibt kaum Momente, die so unangenehm kindisch sind wie die o.g. Ausfälle aus dem ersten und zweiten Teil des Hobbit.

Das Problem ist denn auch weniger die Inszenierung als die müde Handlung in der zwar viel geredet wird, die am Ende aber nichts daran ändert, dass uns die Figuren alle weitgehend egal sind. Sicher Freeman ist ein toller Bilbo aber wir verbringen einfach zu wenig Zeit mit ihm, um wirklich mitzufiebern. Für einen Film der „Der Hobbit“ heißt, ist es schon bitter wie egal Bilbo im Grunde ist. Meist steht er irgendwo herum, duckt sich weg und am Ende wird er ausgeknocked damit der Film sich nicht weiter mit ihm beschäftigen muss.

Und da sich die meisten der kämpfenden Parteien mehr oder minder als Arschgeigen entpuppen, ist es jetzt auch nicht wirklich so mitreißend zu erfahren, welche Seite gewinnt. Am Ende geht es eben nur um eine Höhle voller Gold und verglichen mit der ultimativen Schlacht gegen das Böse, die Freiheit ganz Mittelerdes aus LOTR, ist das einfach sehr uninteressant. Richard Armitage ist wahrscheinlich kein schlechter Schauspieler aber, genauso wie seine Zwergentruppe, bleibt er blass. Seine Wandlung zum gold- wie machtgeilen Suppenkasper lässt kalt, weil er einfach zuvor nicht genug Charakterentwicklung hatte, die eine emotionale Anteilnahme an seinem Schicksal und dem der anderen Zwerge rechtfertigt. Spätestens wenn es zur Verabschiedung am Ende kommt und Jackson versucht die große Emotion zu kitzeln, wird klar wie wenig wir diese Typen doch kennen. Mochte Die Rückkehr de Königs zu viele Enden haben und sich unnötig ziehen: Es war ein verdienter Abschied von Figuren, die wir kannten, mit denen wir gelebt und gelitten hatten. Deren Konflikte wir mit durchstanden, mit denen wir lachten und weinten. Denn dort funktionierte das Pathos, die große Geste und der kleine Witz.

Bei den Zwergen dachte ich am Ende nur, ach ja… Der mit der Nase, der Dicke, der Doofe, der Alte… und wie wenig wir doch wirklich von ihnen als Persönlichkeiten erfahren haben. Da half auch die künstliche Dreiecks-Geschichte um Tauriel, Legolas und Killi (oder Filli?) wenig. Wohlgemerkt, das alles ist nicht wirklich schlecht. Die Actionszenen sind okay, auch wenn Jackson zu oft die älteren, besseren Filme zitiert. Die Tricks gehen in Ordnung und sehen tatsächlich etwas weniger digital aus als in den vorigen Hobbit Filmen. Doch so wenig es echte Auweiha-Szenen gab, so sehr vermisste ich die positiven Ausbrüche nach oben. Am Ende von Der Hobbit: Die Schlacht der Fünf Heere blieb keine Szene, die mich ähnlich begeistert hätte wie die guten Szenen der Vorgänger. Ich fühlte mich ein bißchen taub, ein bißchen ernüchtert. Nicht sauer, auch nicht enttäuscht – denn die vorigen Filme hatten meine Erwartungshaltung schon so weit gedämpft, dass ich dem Finale weniger entgegenfieberte, als es als etwas Unvermeidliches sah, um mit der Reihe meinen Frieden machen zu können.

Und den habe ich gemacht. Der Hobbit 3 ist nicht schlecht. Er ist nicht gut. Er ist meh. Er zeigt was viele sehr talentierte Schauspieler, Filmemacher, Effektprofis abliefern, wenn sie mit viel Engagement, aber ohne eine eigenständige, große Vision eine viel zu kleine Geschichte versuchen zum Epos aufzublasen. Und er zeigt, warum die Vorgänger funktionierten, denn dort war das Spektakel nur Beiwerk, wenn wir mit starken, lebendigen Figuren eine beschwerliche Reise zurücklegten. Nicht aus Habgier, sondern weil es um etwas ging. Emotional, wie ganz handfest.

Und wenn ich noch einmal einen verdammten Adler sehe, werfe ich eine Fernet Branca Flasche nach ihm.

  • Steve McQ. 12. 12. 2014 an 7:04

    Mal im ernst, Batzman, lass bitte noch jemand drüberschauen, bevor Du Texte veröffentlichst. Du weißt, dass Du diese Rechtschreibschwäche hast, die Deinen wirklich tollen Schreibstil beim Lesen unheimlich stört. Ein Korrekturleser würde die schlimmsten Patzer korrigieren und alles ist perfekt.

  • Denny 12. 12. 2014 an 11:25

    Wunderschönes Review, ein Leseschmaus. Ich werde mir den Film trotzdem anschauen, weil, wie du schon sagtest, Frieden machen, abhaken und so.

    Ich werde mir auch die BluRays kaufen, aber nur in der Extended Version, in der Hoffnung, dass so die Charaktere ein wenig mehr Tiefe bekommen.

  • Vladoks 12. 12. 2014 an 13:09

    @Denny
    Wenns bei 3x 3 Stunden Filmen zu einem 300 Seiten Buch noch eine extended version braucht um den Charakteren Tiefe zu verleihen ist doch wohl irgendwas schief gelaufen..

  • Martin 12. 12. 2014 an 13:24

    „denn die vorigen Filme hatten meine Erwartungshaltung schon so weit gedämpft, dass ich dem Finale weniger entgegenfieberte“ – so wahre Worte. Und leider passierte genau das: Ein Film, voller Effekte der nicht wirklich begeistern konnte. Wahllos sterben Akteure ohne das man dabei berührt wird. Die „großen“ Momente sind schlechte Kopien vom Herrn der Ringe und wenn eine Situation aussichtlos erscheint, dann tauchen eben Adler auf. Das gehört in die Hall of Fame der schlechtesten Running Gags der Filmgeschichte.
    Auch wenn es sich ein wenig anfühlt als würde Jackson mit Hobbit das Erbe vom LOTR verkauft, anschauen muss man ihn sich dennoch.

  • der Alte Sack 12. 12. 2014 an 13:53

    Gehe heute abend rein und werde danach meinen Sermon dazugeben, zittere aber jetzt schon als alter Tolkienfan….

  • x 12. 12. 2014 an 14:02

    Hmm bei der Hobbit noch die Extended Version kaufen, das ganze also nooooooch mehr verlängern?
    Glaube wenn der Hobbit als Special Version rauskommt 90 Minuten, das würde der Kassenschlager werden.

  • name 12. 12. 2014 an 16:29

    gestern gesehen, keine erwartungen an eine mitreißende geschichte gehabt, aber gute schlachtszenen erwartet. enttäuscht worden; beides kaum da. die zwei vorgänger sind noch ganz gut im vergleich zu diesem.
    die elbenkrieger bewegen sich exakt synchron, was jedes mitgefühl unmöglich macht. sie wirken wie die klonkrieger aus diesem film mit jarjardings.
    kein (!) charakter wird annähernd tief gezeichnet, demzufolge sind die tode egal.
    die kämpfe sind ein witz. sie sehen gut aus – ästhetisch. aber ästhetik allein hat noch keinen guten film gemacht. die armeen werden ins feld geführt wie in einem strategiespiel, die orks sind nichts als kanonenfutter. das böse hat keinen charakter.
    wirklich alles falsch gemacht. es gab keine szene, die mich mitgenommen hat. (in 1 und 2 gab es die. gollum. bilbo vs smaug.)
    vor einigen jahren habe ich „story“ von robert mckee gelesen. ein gutes buch übrigens. auf dem einband wird erwähnt, dass seine schüler unter anderem die lotr-drehbücher geschrieben haben. dieselben menschen haben nun einen der herzlosesten, langweiligsten filme abgeliefert, die ich in den letzten jahren gesehen habe.
    entgültig abgeschrieben, diesen peter.

    ps: batzman, deine review hat nicht den biss, den deine älteren teils haben. und gandalf veschanzt sich nicht im erebor. aber nachvollziehbar, dass so was passiert, bei so einem charakterlosen film. gandalf, sauron, egal.

  • dok 13. 12. 2014 an 12:20

    werde ich mir mal für möglichst wenig geld zu hause reinziehen , halt auch nur , damit ich ihn abhaken kann .

  • der alte Sack 13. 12. 2014 an 21:37

    so ich war jetzt gestern drin und ich muss sagen: Es war gut. Sehr gut, klar findet man immer etwas wo man rummotzen kann, die Orks sind zu groß, die elben machen einen schwulen eindruck etc. etc. Aber ich fands gut. Bis auf den Schluss, als der Film rumwar und eine Tussi im Kino sagte: Drachen darf man nicht töten, man hätte auch mit dem verhandeln können. Was??? mit Smaug verhandeln, als UNO-Friedensbotschafter etwas… Das Publikum und die Kritiker sind schlimm, der Film war es nicht…. So Peter mach drei Jahre Pause und dann hau das Silmarillion raus :-)

  • Markus 14. 12. 2014 an 2:47

    Was Steve McQ. sagt.

  • MrBrown 15. 12. 2014 an 15:04

    Und wieder mal darf das völlig hirnlose HFR-Bashing nicht fehlen, wie immer natürlich ohne Argumente (aber außer „Mimimi das sieht nicht aus wie ich es gewohnt bin“ gibt’s ja auch kein). Naja, dank selbsternannter „Cineasten“ dürfen wir also auch in Zukunft die Bewegungsunschärfe in 3D-Filmen „genießen“, die halt nötig ist um mit dem über 100 Jahre alten Standard „24p“ überhaupt erträgliche Bilder produzieren zu können. Dazu kommt dann noch das erbärmliche Festklammern der Regisseure an Techniken, die im 3D-Film einfach nicht funktionieren, etwa dass nur eine bestimmte Ebene scharf gestellt wird, anstatt die Möglichkeit des 3D-Films zu nutzen und es meinem Auge zu überlassen, welche Ebene ich fokussieren will.

  • deralte sack 15. 12. 2014 an 22:04

    sag es ihnen mrBrown, sag es ihnen, damit die alten freaks aufwachen (ich bin 49 jahre alt und ich muss sagen ich vermisse die alten filme nicht, mir ist hdr recht und lieb, weil es endlich dem Film gibt was er sein sollte, dimension und tiefenschärfe… arthouse könnt ihr noch in 300 jahren glotzen…

  • MrBrown 22. 12. 2014 an 16:38

    So, gestern gesehen, der Kritik kann ich größtenteils zustimmen, das HFR werde ich aber in Zukunft sehr vermissen. Den „typischen Kinolook“ gibt es in 3D sowieso nicht, insofern wäre es nur konsequent gewesen, bei diesem Schritt auch mal die Framrate anzuheben. Aber wie man an den Pressevorführungen sieht, sind die feigen Studios offenbar bereits vor der Macht der (in dieser Beziehung leider ewig-gestrigen) Kritiker eingeknickt. Naja, wahrscheinlich sparen sie auch noch ein paar Mark dabei. In Zukunft heißt es also bei actionreichen Sequenzen weiterhin: Entweder verwaschene Matsche oder stroboskop-artiges Geruckel. Und das selbst bei komplett computergenerierten Animationsfilmen, wo das festklammern an diesen Standard vom Anfang des 20. Jahrhunderts einfach nur grenzenlos absurd ist.

  • Grumpy_guy 22. 1. 2015 an 21:01

    Kommt natürlich etwas spät, aber ich stimme dir in ziemlich allem zu. Entspricht teilweise eins zu eins meinen Gedanken. Die Originaltrilogie habe ich als Kindheitserinnerung fest abgespeichert, was es dieser Trilogie natürlich nicht unbedingt einfacher gemacht hat.
    Muss aber sagen, dass der dritte der meiner Meinung nach schwächste Teil war, der es geschafft hat nachwirkend auch die Schwächen der vorangegangenen Teilen zu offenbaren. Bin am Ende sogar mehr oder weniger aufgebracht aus dem Kino gekommen, quasi alle Charaktere bleiben derart blass, dass einem dessen (teils sehr abstrusen) Ablebeszenen fast egal waren. Ein guter Actionfeuerwerk wars ebenso wenig. DIe Action wirkt dermassen künstlich, dass ich teilweise das Gefühl hatte den neuen Worl of Warcraft Trailer zu sehen, wo Trolle riesige Steine auf dem Kopf haben und ziellos gegen Mauern rennen, während ein anderer Troll Keulen als Beinersatz hat.
    Naja, bin nach diesem letzten Film eher froh, dass dieser Abschnitt von Mittelerde abgeschlossen ist. Ich geh lieber wieder die Originaltrilogie gucken.