Review

The Imitation Game (Review)

23. 1. 2015, Batzman (Oliver Lysiak), 6 Kommentare
<strong>Originaltitel: The Imitation Game<strong>Regie: Morton Tyldum<br>Buch: Graham Moore<br>Darsteller: Benedict Cumberbatch, Keira Knightly, Charles Dance, Matthew Goode<br></strong>
  • Batzman
3

Kurzfassung

The Imitation Game bleibt somit im braven Mittelmaß und zeigt mal wieder eine heterokompatible Leidensgeschichte mit klaren Fronten und ohne Zwischentöne. So bedient der Film mal wieder die Klischees, sowohl was Nerds als soziale gestörte Außenseiter angeht, wie auch das Schwule nur dann für Hollywood interessant sind, wenn sie sich verstecken, leiden und am Ende Sterben.

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Sehr brave und glattgebügelte Filmbiographie über Alan Turing. Der hat die Aufmerksamkeit zwar verdient, aber wohl nicht die Art wie er dargestellt wird.

Denn das Ganze ist dann doch eher ein Showcase für Benedict Cumberbatch der einmal mehr einen Asperger-Kandidaten spielt, der unfähig ist einfachste menschliche Verhaltensweisen zu verstehen.

Das hat, wenn man seinen Biographen glauben darf, mit dem echten Turing wenig zu tun und auch die restlichen Ereignisse des Films wurden natürlich der Dramaturgie zuliebe heftig umgebaut und angepasst. Turing konstruierte seine Maschine nicht im Alleingang und benannte sie nicht nach seiner ersten Liebe und auch die Polizei die später gegen ihn ermittelte hatte keine Illusionen was sein Schwulsein angeht.

Und obwohl der Film im Rahmen seiner Biopic-Parameter durchaus funktioniert und schauspielerisch und Technik wenig zu bemängeln ist, ist es schade wie brav und unmutig er doch geworden ist. Und das in der Werbekampagne seine Homosexualität genau wie im Film eher runtergespielt wird und die Inszenierung immer die scheinbare Möglichkeit einer Romanze mit Keira Knightley suggeriert, zeigt wie sehr die Macher bemüht sind bloß keine konservativen Zuschauer zu verschrecken. Der reale Turing ist wohl recht offen in seinem Umfeld damit umgegangen und hat durchaus auch andere Männer angeflirtet, doch Cumberbatchs Figur ist so sozial gestört, dass ihm jegliche Menschlichkeit abzugehen scheint, jeder Humor. Was im deutlichen Widerspruch steht, zu dem Turing den Zeitzeugen und Biographen schildern.

The Imitation Game bleibt somit im braven Mittelmaß und zeigt mal wieder eine heterokompatible Leidensgeschichte mit klaren Fronten und ohne Zwischentöne. So bedient der Film mal wieder die Klischees, sowohl was Nerds als soziale gestörte Außenseiter angeht, wie auch das Schwule nur dann für Hollywood interessant sind, wenn sie sich verstecken, leiden und am Ende Sterben.

Schön dass Turing, der immerhin eine der Schlüsselfiguren der Computerentwicklung und künstlichen Intelligenz ist, Aufmerksamkeit zu teil wird. Immerhin wird er in diesem Film erwähnt im Gegensatz zur Verfilmung Enigma, die ihn gleich ganz aussparte. Schade aber dass seine Geschichte dann doch zu gewagt war, um sie weniger simplifiziert zu erzählen.

  • burns 24. 1. 2015 an 8:08

    Ich selbst habe den Film nicht gesehen (und werde das aufgrund der doch sehr mediokren Kritiken auf allen Kanälen wohl erst auf DVD nachholen), bin aber ziemlich sicher, dass Du da eine ziemlich kluge und differenzierte Sicht auf den Film gefunden hast, Batz. Habe ich wieder mal sehr gerne gelesen.

  • Binding 24. 1. 2015 an 18:17

    Das alles so kritisch zu sehen, ist natürlich berechtigt und muss auch bemängelt werden. Aber der Film ist dennoch sehr gut, tragisch, dramatisch und spannend. Und auch Cumberbatch hätte den Oscar dafür redlich verdient. Was mich noch mehr stört, ist allerdings, dass der Film hier mehr oder weniger nur abgekanzelt wird, ohne dabei richtig auf ihn einzugehen. Genau das sollte eine Filmkritik aber doch in erster Linie tun. Diese gewisse Respektlosigkeit hat „The Imitation Game“ jedenfalls nicht verdient.

  • Batz 25. 1. 2015 an 3:15

    @Binding Ich fand den Film halt auch schauspielerisch und filmisch nur „okay“. Er verlässt sich sehr darauf, dass alle Cumberbatchs Performance so faszinierend finden, dass niemand hinterfragt wie bieder das Ganze doch inszeniert ist. Er geht keinerlei Risiken ein, weder formal noch technisch. Alles ist im gediegenen, grünen Bereich. Alle Schauspieler solide bis gut, aber nichts hebt ihn über andere brave Biographien. Das ganze könnte auch eine Telemovie des History Channels sein. Macht ihn keinesfalls schlecht, aber eben auch nicht besonders aufregend. Und Cumberbatch sollte sich halt langsam mal schauspielerisch etwas aus seiner „comfort zone“ bewegen, will er nicht das Risiko eingehen bald als „one trick pony“ zu geleten. Um mal aufzugreifen was einige angelsächsische Kollegen gesagt haben. Er kann ja mehr, wenn ich z.B. an seine Rolle in Cabin Pressure denke – aber derzeit gibt er halt nur den smarten sozial-analphabeten und das ist fürchte ich nicht abendfüllend.

  • kolybry 25. 1. 2015 an 10:25

    Obwohl ich imitation game wohl ein stückchen mehr mochte als Batz, kann ich ihm nur in allem zustimmen. IG ist sehr zahm und folgt dem bopic handbuch ein bischen zu sehr. im vergleich zu theory of everything kommt es dennoch deutlich besser weg, aber das liegt glaub ich einfach an der interessanteren hauptperson.

  • dok 27. 1. 2015 an 7:53

    biopics sind noch nie filmische highlights geworden . warum sollte es hier anders sein ?

  • Kuemmelmonster 23. 2. 2015 an 14:12

    Von der Daramturgie her und auch von der Dosis des unvermeidlichen erhobenen Zeigefingers in Bezug auf Krieg und Verfolgung Andersartiger war der Film IMHO eigentlich ganz okay. Viele historische Inhalte stimmen ja auch (meine Quelle ist „Geheime Botschaften“ von Simon Singh). Aber genau da liegt auch die Krux: Die fürchterlichsten Historienfilme sind die, die so in etwa die Wahrheit erzählen. Sie füllen unsere Köpfe mit Dingen, die so in etwa stimmen. Und damit füllen sie unsere Köpfe auch mit vielen vielen Fakten (Baz nannte einige) die einfach FALSCH sind.