Review

The Interview (Review)

6. 2. 2015, Batzman (Oliver Lysiak), 0 Kommentare
<strong>The Interview<br>Buch und Regie Seth Rogen / Evan Goldberg<br>Darsteller: Seth Rogen, James Franco, Randall Parks<br></strong>
  • Batzman
3

Kurzfassung

Kindischer Klamauk mit witzgen Momenten, der aber nie das Potential seiner Prämisse ausnutzt und zu durchwachsen ist um tatsächlich satirischen Biss zu entwickeln.

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Ein Film der fast Sony versenkt hat, trägt eine unmöglich einzulösende Erwartungslast vor sich her. Und doch auch wenn ich versuche ihn losgelöst von den Umständen seines Erscheinens zu sehen, bleibt er leider deutlich unter seinen Möglichkeiten. The Interview ist einfach ein zu großes Thema, als das es reichen würde eine reine Klamotte daraus zu machen, der es in jeder Richtung an politischer Schärfe, Fokus und Inspiration fehlt. Eine große verpasste Chance, die vielleicht vermeidbar gewesen wäre, hätten sich Seth Rogen und James Franco ein weniger konkretes Ziel gesucht. Wären sie den Weg von „The Dictator“ gegangen und hätten ein fiktives Land und einen fiktiven Diktator kreiert, der von realen Vorbildern inspiriert wäre – viele der lässlichen Fehler des Films würden weniger uns Gewicht fallen. Oder hätte er die Chuzpe eines Team America, wären auch die Fäkalscherze kein Problem.

So aber bleibt stets der schlechte Geschmack zurück, das hier verharmlost und vereinfacht wird. Das für billige Witze ein ganzes Volk zu Idioten gestempelt wird, die keinerlei Durchblick haben. Doch so dumm wie im Film behauptet sind Nordkoreaner nicht, die meisten wissen sehr genau das sie in einer Diktatur leben und das ihre „heiligen Herrscher“ verlogene Drecksäcke sind. Da braucht es keinen amerikanischen Journalisten der Kim mutig demaskiert.

The Interview greift zu hoch. Doch gewisse Themen eignen sich nicht um nur an der Oberfläche zu kratzen. Und so gerne ich die Faxen der beiden in This is the end und in gewisser Weise auch in Pineapple Express mochte, so anstrengend fand ich die Inszenierung hier. Seth Rogen spielt zwar angenehm zurückhaltend, aber gerade dadurch wirkt die dauergrimmasierende Knallchargen-Performance von James Franco um so unangenehmer. Gute Gags wie das Opening in dem sich Emimem als schwul outet werden durch Francos furchtbares Overacting kastriert, denn nicht für eine Sekunde ist er als Talk-Star-Moderator glaubhaft.

Das ist schade, denn die anderen Darsteller sind gut bis sehr gut. Rogen spielt entspannt und auch Lizza Caplan als CIA-Agentin und Randall Park als Kim Jong Un spielen überzeugend. Ja streckenweise ist Kim Jong Un sogar die faszinierenste Figur im Film, dessen Wechsel zwischen beleidigtem Kind mit Vaterkomplex und machttrunkenem Massenmörder wahrscheinlich der Wahrheit recht nahe kommt.

Doch statt diesen Charakter näher auszuleuchten wird vieles mit Slapstick, Kiffer und Pipikaka-Humor zugetackert und moralische Erleuchtungen mit dem Holzhammer inszeniert. Am Ende bleiben eine Handvoll witzige Szenen in einem Film der nie seine Stimme findet und im Grunde auch nicht so wirklich weiß, was er sagen möchte oder wo er hinwill. Und Provokation um ihrer selbst willen ist dann doch etwas zu pubertär und langweilig.

***

Ausführlicher Diskussion zu The Interview gibt es auch im Wasting Away Podcast #28