Review

Jupiter Ascending (Review)

6. 2. 2015, Batzman (Oliver Lysiak), 6 Kommentare
<strong>Originaltitel: Jupiter Ascending<br>Regie und Buch: Die Wachowskies<br>Darsteller: Channing Tatum, Mila Kunis, Eddie Redmayne, Sean Bean, Terry Gilliam</strong>
  • Batzman
3.5

Kurzfassung

Optisch oft spektakulärer, inhaltlich enttäuschender Sci-Fi-Funfilm, der einige der besten Actionmomente der letzten Jahre bietet und dessen liebevolles Design fast vergessen lässt, das er seine gesamten Storyelemente komplett zusammengeklaut hat.

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Jupiter Ascending ist ein gutes Beispiel für die Stärken und Schwächen der Wachowskies. Doch im Gegensatz zu vielen Kritikern, hatte ich an diesem hemmungslos trashigen und grandios aussehenden Sci-Fi Epos absolut meinen Spaß.

Dabei ist es natürlich ein leichtes die abgenudelte Story vom Außerwählten in ihre Einzelteile zu zerlegen, die Episodenhaftigkeit der Handlung zu bemängeln oder die oftmas albernen Dialoge.

Was den Film für mich rettet und ihn neben Guardians zu einem der spassigsten Sci-Fi-Filme der letzten Jahre macht, ist dass ich stets das Gefühl hatte, die Wachowskies wüssten ganz genau was sie machen und als hätten sie einen unglaublichen Spaß bei der Sache.

Denn egal wie abgeschmackt die Story ist, der Film sieht oftmals phantastisch aus und bietet einige der abgefahrensten Action-Szenen der letzten zehn Jahre. Egal wie unwahrscheinlich Mila Kunis als geilste Putzfrau des Universums ist, egal ob Channing Tatum uns als muskulöser Schwager des Spaceballs-Möters untergejubelt wird – die beiden haben Charme, Chemie und sind sympathisch genug, dass wir in den Actionmomenten mit ihnen mitfiebern. Wenn Channing Kunis in einem waghalsigen Luftkampf zwischen Hochhausschluchten abwechselnd auffängt und verliert und gleichzeitig Alienschiffe und Wolkenkratzer in Schutt und Asche legt, dann hat das eine optische Finesse und ein furiose Choreographie die Michael Bay in seinem ganzen Leben nicht mehr erreichen wird.

Trotz der Rasanz, ja Hektik der Szenen verlieren die Zuschauer nie den Überblick, wird das Ganze nie zum Nahaufnahmen Wackelkamera-Krampf und stimmt stets die Orientierung im filmischen Raum. Wo ein Christopher Nolan fast in jeder Actionszene versagt und sich in konfusen Schnittfolgen ergeht, die jeglicher innerer Logik entbehren, schaffen es die Wachowskis Geschwindigkeit und Kampfesgetümmel nachfühlbar und unglaublich unterhaltsam zu inszenieren. Und trotz allem bleiben die Darsteller im Mittelpunkt. Trotz aller Computereffekte schafft es diese Sequenz, dass sie sich nicht anfühlt wie eine aseptische Cut-Scene eines Computerspiels.

Jupiter Ascending weiß um seine Albernheit und so wälzt er sich genüßlich in seinen Klischees. Kam die Matrix streckenweise noch als verbissen-humorlose Actionschwurbelei daher, die ihren eigenen Anspruch nie ganz einzulösen vermochte und oft in Teenie-Tiefsinn hängenblieb, umarmt Jupiter Ascending seine B-Film-Wurzeln und bekennt sich dazu ein Flickenteppich aus abgedroschenen Sci-Fi und Fantasy- Klischees zu sein. Hier mal ein bißchen Star Wars, da etwas Barbarella, Indepence Day, John Carter, Hitchhikers Guide, Flash Gordon und eine gehörige Portion Brazil. Die Wachowskies scheuen nicht die Farce, wenn sie sich eindeutig an Gilliams Meisterwerk bedienen und lassen ihn selbst als teuflischen Bürokraten auftreten, ehe sie zur nächsten Episode weiterspringen.

Immer wieder wird das Klischee bedient und aufgelöst, wenn jeglicher königlicher Glanz der genidentischen Jupiter Jones im bürokratischen Paragraphendschungel dahinschmilzt. Denn blaues Blut bedeutet hier nur Erbfolge Macht und lässt einmal mehr den Corporate Kapitalismus als übermächtigen Feind erscheinen.

Und vor lauter Staunen und Spaß haben an Aliens die aussehen wie die Restefickecke in Jabbas Palast, vergisst man fast, dass die einzelnen Episoden doch etwas leer und austauschbar bleiben. Das die bösen Kapitalisten-Kinder natürlich sehr albern daherkommen und die Geschichte es verpasst wirkliche Zusammenhänge herzustellen oder ihre Liebesgeschichte anständig zu motivieren. Aber immerhin würde Jupiter Ascending wohl durch den Bechdel-Test kommen, obwohl Jupiter lange braucht bis sie nicht ständig von ihrem Möter gerettet werden muss.

Keine Frage: Dieses Werk der Wachowskies hat Probleme. Das Pacing ist extrem gewöhnungsbedürftig und durch die Plotholes würde wohl so manches Raumschiff passen. Doch auf der Plusseite steht der hemmungslose Enthusiasmus der Macher und der Cast, die sich für wirklich nichts zu schade sind und im Finale wirklich alles außer der Küchenspüle ins Gefecht schmeißen.

Für einen neuen Klassiker, ein neues Star Wars oder auch nur Guardians reicht das nicht. Aber für einen durchgedrehten, bildgewaltigen, selbstironischen und energiegeladenen Kinoabend, weit abseits verkrampften Pseudoanspruchs und nolanscher Humorlosigkeit ist Jupiter Ascending alle mal gut. Wer die Guardians mochte, sollte Jupiter vielleicht eine Chance geben.

  • burns 6. 2. 2015 an 7:34

    „Bechdel“, Batz. :-)

  • Naibafo 6. 2. 2015 an 9:00

    „Aliens die aussehen wie die Restefickecke in Jabbas Palast“ – :D
    Das werde ich mir für späteren Gebrauch ausleihen.
    Schöne Review!

  • Rocksteady 6. 2. 2015 an 11:54

    Mila Kunis ist in diesem Film geil (anzusehen), charismatisch und hat Charme? Wow, scheinbar haben die Wachowskies die CGI wieder auf ein neues Level gehoben! :-)

  • Gerhard 9. 2. 2015 an 10:14

    Hm – klingt ja gar nicht mal so schlecht. Wobei ich die Trailer bisher einfach nur grottig fand. Und zwar so richtig. Mal überlegen, ob ich jemanden überreden kann, ins Kino zu gehen…

  • Binding 10. 2. 2015 an 12:33

    Netter Versuch, aber herausgekommen ist leider nur „Guardians …“ für Arme. Ab damit ins Kinderprogramm neben Biene Maja – passt ja eh gut wegen der dämlichen Royality-Checker-Summviehcher. Das wird der Sargnagel auf der Blockbuster-Karriere der Wachowskis, und man kann nur hoffen, dass sie danach interessantere kleinere Filme machen. „Jupiter Ascending“ verhält sich sogar noch zu „Cloud Atlas“ wie Ed Wood zu Kubrick. Und Mila Kunis überzeugt ungefähr so viel wie ein Lichtschwert nach der Zündung einer Blendgaranate. Selten so gelangweilt im Kino gesessen. Eddie Redmayne ist trotz krassen Overactings das einzig Positive in dem ganzen Murks.

  • keyzer23 26. 3. 2015 an 12:21

    Wenn ich daran denke das dieser unstimmige und miserabel gespielte Streifen 1.2 punkte mehr erhält als Interstellar, legt sich meine Stirn in Falten.

  • Die besten Filme 2015 - Die Fünf Filmfreunde 29. 12. 2015 an 2:58

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