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Berlinale 2015, Tag 8: ELSER, GONE WITH THE BULLETS & ARE YOU HERE

12. 2. 2015, Sebastian, 0 Kommentare

Der größte Teil der Berlinale 2015 liegt hinter mir und ich habe das Festival auch dieses Jahr genossen. Irgendetwas fehlte mir bis allerdings, und ich konnte nicht genau den Finger drauflegen, was, bis Oliver Hirschbiegels ELSER es ganz deutlich machte: Nazis! Eine Berlinale ohne Holocaust, sag ich immer, ist wie…eine Berlinale ohne DDR?

ELSER ist genau das, was man erwartet: Pedantisches, haltungsloses Geschichtsunterrichts-Kino, das seinen Helden als so töfte darstellt, dass er nicht nur für sein eigenes gescheitertes Attentat auf Adolf Hitler, sondern irgendwie auch für das gescheiterte Attentat durch Stauffenberg (mit-)verantwortlich ist. Dabei war er aber natürlich kein Kommunist, um Gottes Willen, Georg Elser war eigentlich völlig unpolitisch, er wollte einfach nur das Beste für Deutschland! Fuck you, too, Hirschbiegel.

Was man nach einem so berechenbar furchtbaren Film braucht: Ein Bisschen Wahnsinn. Den gab es in Form von Jiang Wens GONE WITH THE BULLETS, einer Gangsterkomödie (oder so), die inspiriert von einem echten Mordfall, der wiederum auch den angeblich ersten chinesischen Spielfilm inspirierte, eine Geschichte über einen zu Unrecht des Mordes beschuldigten Mann, der in einem Film über seine angebliche Tat sich selbst spielen muss, erzählt. Der Film braucht eine Weile bis er wirklich in Gang kommt, es gibt eine Menge Dialog-lastige Exposition, aber sobald er bei der eigentlichen Handlung angelangt, wird es ein großartig durchgeknallter, unterhaltsamer Film, der wirkt, als hätten Baz Luhrmann und Quentin Tarantino zusammen einen Gangsterfilm gedreht. Oder so ähnlich.

Der letzte Film des Tages war eigentlich als palate cleanser gedacht, als ein Bisschen fluffige Abendunterhaltung, über die man nicht viel nachdenken muss. Doch ARE YOU HERE von MAD MEN-Erfinder Matthew Weiner spukt noch immer in meinem Kopf herum und ich bin mir noch immer nicht ganz sicher, was ich davon halten soll. Der Film über den Wettermann und Playboy Steve (Owen Wilson) und seinen kiffenden, manisch-depressiven besten Freund Ben (Zach Galifianakis) enthält Momente absoluter Brillanz, in denen Weiner kluge Einsichten über die vermeintlichen Differenzen im Wert verschiedener Lebensentwürfe, über Geisteskrankheiten und über Freundschaft findet. Dem gegenüber stehen jedoch reihenweise abgenutzter Indie-Klischees und nicht wenige Momente, in denen Figuren aussprechen, was sie fühlen oder denken, anstatt dass Weiner einen Weg findet, es dem Zuschauer zu zeigen und spürbar zu machen. Dennoch: ARE YOU HERE ist wie erwartet ein sehr unterhaltsamer, aber auch ein überraschend interessanter, durchaus vielschichtiger Film.