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Berlinale 2015, Tag 10: NASTY BABY & Fazit

15. 2. 2015, Sebastian, 0 Kommentare

An den letzten Berlinale-Tagen muss ich mich ja immer ein Bisschen aufraffen, um mir noch Filme anzuschauen. Wenn die letzte Arbeit, seien es Filme, zu denen man konkrete Aufträge hat oder, wie bei mir in diesem Jahr, die Aufzeichnung der moviepilot-Videotagebücher, getan und die eigenen Energiereserven nahezu verbraucht sind, fällt es schwer, sich für eine weitere Fahrt Richtung Potsdamer Platz zu motivieren.

Dem habe ich dieses Jahr vorsorglich etwas entgegen gewirkt, indem ich NASTY BABY vom von mir geschätzten Sebastián Silva, ein Film, den ich auf keinen Fall verpassen wollte, als letzten Film, spät abends am Samstag, in mein Programm gelegt habe. Dafür habe ich mich am Samstag Abend, nach zwei anderen, eher so mittel-interessanten Filmen und dem Schnitt des letzten moviepilot-Videos, auch tatsächlich noch einmal aus dem Haus bewegt, und es nicht bereut: Silvas Film über ein schwules Paar (Silva und Tunde Adebimpe) und ihre beste Freundin (Kristen Wiig) und ihre Versuche, gemeinsam ein Kind zu zeugen, ist über weite Strecken ein angenehmer quasi-Mumblecore-Film, der zwar ein Bisschen ziellos vor sich hinplätschert, sich nicht auf ein konkretes Ende hinzubewegen scheint, dank seinen lebendigen Figuren und ihren nachvollziehbaren emotionalen Konflikten (und einigen Momenten Silva’scher Seltsamkeit) aber dennoch unterhaltsam und involvierend bleibt. Selbst die typische Handkamera, wenn auch nicht besonders hübsch, hat mich hier, warum auch immer, weniger gestört als in vielen anderen Indie-Filmen.

Irgendwie muss der Film aber dann doch zum Ende kommen, und ich bin mir noch nicht ganz sicher, was ich von Silvas Weg halten soll. Der Genrewechsel ist dabei weniger mein Problem, denn er wird durchaus im Laufe des Films vorbereitet und foreshadowed, doch wie alle beteiligten Figuren, bis dahin glaubhafte, realistische Charaktre, von einem Moment auf den anderen ihre Reaktionen und Handlungen dem Fortgang des Plots unterwerfen, fällt mir noch schwer, zu akzeptieren.

Dennoch ist der Film ein würdiger Abschluss für meine diesjährige Berlinale, und irgendwie auch ein bezeichnender: Es fehlte mir dieses Jahr ein Bisschen an den ganz großen Highlights, auch, unter den wirklich tollen Filmen, die ich gesehen und hier erwähnt habe – LOVE & MERCY, THE YES-MEN ARE REVOLTING, TAXI, NED RIFLE et. al. – bezweifle ich, dass ein Film dabei ist, der mich das ganze Jahr über begleiten wird, wie es letztes Jahr eine ganze Reihe Filme taten (die erwartbaren BOYHOOD, GRAND BUDAPEST HOTEL, aber auch Überraschungen wie 20.000 DAYS ON EARTH oder KUMIKO THE TREASURE HUNTER). Dafür gab es aber jede Menge interessante Filme, Filme, die ich vielleicht nicht rundum gelungen, aber dafür spannend und seltsam und damit einprägsam fand (QUEEN OF EARTH, ANGELICA, GONE WITH THE BULLETS etc.).

Und damit verabschiede ich mich für dieses Jahr – danke fürs Lesen, danke an diejenigen, die kommentiert haben, danke an die Filmfreunde, dass ich hier schreiben durfte, und evtl. lesen wir uns ja nächstes Jahr, hier oder anderswo, wieder (wer aus irgendeinem Grund nicht bis dahin warten will kann meinem Blog oder Twitter-Account folgen).