Features Review

Terminator Genisys (Review)

9. 7. 2015, Batzman (Oliver Lysiak), 5 Kommentare
Originaltitel: Terminator Genisys, Regie: Alan Taylor, Darsteller: Arnold Schwarzenegger, Emilia Clark, Jai Courtney, Jason Clark, Matt Smith
  • Batzman
3

Kurzfassung

Als flauschiger Popcornspaß funktioniert Terminator Genisys also durchaus und lässt eine große Zuneigung zum Franchise erkennen. Alan Taylor ist kein visionärer Regisseur, aber ein solider Handwerker, wie er schon mit Thor 2 bewiesen. Das macht auch Terminator 5 zu einem mindestens kurzweiligen Sommerfilm. Solange man es schafft ihn nicht an T2 zu messen.

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Vielleicht bin ich ja zu nachsichtig, wenn ich mir die anderen Kritiken zu Terminator Genisys so ansehe, aber ich fühlte mich tatsächlich recht gut unterhalten. was vielleicht an gesenkten Erwartungen liegen mag, denn nach Teil 3 und dem wirklich grauenhaften vierten Teil, hatte ich mit Terminator schon fast abgeschlossen.

Die ebenso freud- wie einfallslose Version von McG war so weit weg von allem was den Terminator einst unterhaltsam machte, dass ich mir wirklich nicht mehr viel von diesem verspäteten Nachzügler erhofft habe, der im Grunde alles außer Teil 1 gepflegt ignoriert. Oder Soft-Rebooted, wie man ja mittlerweile sagt.

Zu meiner Überraschung ist Terminator Genisys tatsächlich besser als seine beiden Vorgänger, auch wenn er in keiner Sekunde an die beiden Cameron-Teile heranreicht, die zweifelsohne zu den besten Actionfilmen aller Zeiten gehören. Gerade Teil 2 ist für mich ein Musterbeispiel für die perfekte Integration einer emotional schlüssigen Story mit innovativen und originellen Actionszenen.

Genisys hat weder die Tiefe noch die Stimmigkeit von Teil 2, aber er macht trotzdem auch eine Menge richtig. Insbesondere Emilia Clark als Sarah Connor channelt in ihren besten Momenten Linda Hamiltons Energie und ihre Mischung aus Menschlichkeit und manischer Entschlossenheit.

Jai Courtney ist hingegen nicht gerade die beste Wahl für den bisher immer recht charismatischen Kyle Reese, denn er wirkt immer wie das Lichtdouble von Channing Tattum am Casual Friday. Es spricht für den Film, dass trotz seiner mimischen Beschränktheit die Beziehung von Reese und Sarah noch glaubhaft wirkt und die beiden grundsätzlich als Sympathieträger des Films funktionieren.

Schließlich Schwarzenegger, der ebenfalls eine gute Figur als sichtlich gealterter Terminator macht, der per erzählerischem Kunstgriff so aussehen darf wie er aussieht und bis auf eine Szene nicht künstlich verjüngt wurde. Er schafft es immer noch seine Paraderolle glaubwürdig stoisch zu verkörpern und selbst die Kampfszenen machen insgesamt Spaß.

Dadurch das sich der Film nie zu ernst nimmt, ist es auch verzeihlich, wenn die komplette erste halbe Stunde quasi als ein Best-of Terminator funktioniert und in bester Back to the Future 2 Manier in den Ereignissen des ersten Teils herumgekaspert wird und wir vertraute Situation mit anderem Twist erleben. Die Zitate und Referenzen an die Vorgänger sind zweifellos sehr plakativ und als Fan Service eingesetzt, doch da sie ihrerseits die Handlung voranbrachten und den Reiz hatten, dass wir erleben wie die bekannte Geschichte in andere Bahnen gelenkt wird, empfand ich diesen Fanservice als deutlich weniger nervig als die korrespondierenden Szenen in Jurassic World – die absolut nichts zur Geschichte beitrugen.

Überhaupt war Terminator Genisys weniger dämlich als Jurassic World – wenn wir denn diese verspäteten Sequels und Reboots einstiger Erfolgsfranchises die versuchen wieder an ihre Originale anzuknüpfen miteinander vergleichen. Die Dialoge in Terminator sind konsequenter B-Filmig und auch die Charaktere in sich stimmiger – und vor allem sie funktionieren emotional deutlich besser. Ja die ganze Zeitreise-Chose ist eher so mittellogisch (im Sinne von gar nicht) und auch die Personalisierung Skynets ist ein Fehler, der nicht hätte passieren dürfen und der die Bedrohung auf das Niveau eines Power-Ranger Gegners hinabzieht.

Aber trotzdem machen viele Szenen Spaß, denn das Zusammenspiel des Triumvirats Sarah, Kyle und Terminator vs John Connorbot bietet durchaus charmante Setpieces und wäre sogar überraschend, wenn der Trailer und die Poster nicht massiv ausposaunt hätten, das John diesmal der Bösewutz ist.

Terminator 5 wirkt ein bisschen wie ein Fan Film, der bekannte Momente zitiert und sich dabei manchmal etwas zu sehr mitreißen lässt. Er scheint zu wissen, dass er nur Popcorn-Fluff abliefert und verkneift sich die Philosophischen Abgründe die Cameron in T2 beackerte. Aber dafür ist er zum Glück auch frei von der unerträglichen „dark & gritty“-Kriegskacke die T4 so jämmerlich machte.

Als flauschiger Popcornspaß funktioniert Terminator Genisys also durchaus und lässt eine große Zuneigung zum Franchise erkennen. Alan Taylor ist kein visionärer Regisseur, aber ein solider Handwerker, wie er schon mit Thor 2 bewiesen. Das macht auch Terminator 5 zu einem mindestens kurzweiligen Sommerfilm. Solange man es schafft ihn nicht an T2 zu messen.

  • burns 11. 7. 2015 an 7:46

    Ich habe ihn noch nicht gesehen, aber:
    Jai Courtney!!! WHY?!?!
    Ich habe seine mimische Stoik (das ist jetzt die verdammt sachliche Beschreibung dessen……) schon in Die Hard 5 hassen gelernt (den ich nur bis zu Minute 40 anschauen konnte, länger ging einfach nicht).
    Was ist nur mit den Castern in Hollywood los? Es ist ja auch nicht so, dass Courtney sich irgendwie als Erfolgsgarant o.ä. etabliert hätte. Der Mann kann nix!
    Glaubt Hollywood neuerdings, Blockbuster-Actioner bräuchten keine Emotionen mehr? Dann wäre Felsbrock-Gesicht Courtney sicher die beste Besetzung!

  • miberius 14. 7. 2015 an 8:22

    Ganz ehrlich: Ich mag keinen Soft-Terminator mehr sehen, der mir in jeder zweiten Szene zuzwinkert „alles nur Spass“. Zumal 3 und 4 trotz all ihrer Schwächen zumindest auf der Cameron Storyline aufgebaut haben, während hier alles auf „fuck it, wir machen alles nochmal von vorne aber weniger gut“ gestellt wird.

    Nene. Da ist mir ein Jurassic World tausendmal lieber. Der erreicht zwar auch nicht die Klasse des Originals, hat aber zumindest ansatzweise dessen Flair und Atmosphäre.

  • Mosley 27. 8. 2015 an 1:13

    miberius spricht einen wichtigen punkt an:

    auch wenn der sehr ernste teil 4 ein griff ins klo war, zumindest eines hat er sich verkniffen: das ständige, vollkommen die stimmung vernichtende augengezwinker, dass wohl ursprünglich von schwarzenegger angeregt wurde (man denke nur an die sonnenbrille und „talk to ze hand“ in teil 3) nachdem er gemerkt hatte, dass er hin und wieder auch mal lustig sein darf.

    cameron hatte den mumm, eine naturgemäss sagenhaft unlogische geschichte trotz aller absurdität konsequent ernsthaft zu erzählen. folglich ging es emotional um was. wenn ein film einen aber ständig anzwinkert, dann gehts emotional letztlich um: nix. dann ist man zum spass da. was auch mal nett sein kann, aber eben nicht mehr als nett. in die epic-liga des ersten und insbesondere des zweiten terminators kommt man mit so nem konstant zwischengeschaltenen ironie-layer niemals.

    das empfinde ich als feigheit des geschichtenerzählers. wenn du dich nicht traust, die story im vollen ernst zu erzählen, dann erzähl sie halt nicht. terminator ist nicht guardians of the galaxy.

  • Dionysos 17. 9. 2015 an 0:11

    Also ganz ehrlich, ich kann bis heute nicht verstehen, warum so dermaßen über Salvation hergezogen wurde und wird.
    Für mich ist -ohne Genisys bis jetzt gesehen zu haben- der dritte Teil der bisher absolut schlechteste im Franchise.

    Teil 3 ist ein reines copy/ paste der Basis des zweiten Teils mit reingepfropften Verschwurbelungen. Obwohl dieses Machwerk fast das doppelte Budget seines Vorgängers hatte, war davon mal so gar nichts zu merken (nahezu gleiches Etat übrigens für Salvation, der schon weitaus mehr production value fürs Auge bereithält). Und die Maschinenrebellion diente einzig und allein dazu, alle Welt sagen zu hören „Ah schau, der Oanie kanns no imma“.
    Der. Film. war. grausam.
    Liegt aber wohl auch daran, dass Mostow anscheinend keine guten Filme machen kann, siehe Surrogates, Breakdown, etc.

    Teil 4 war für mich ein Fest, weil mal etwas vollkommen anderes. Ich muss mir nicht drölfzig Millionen Mal ein Arnie-Comeback mit den immer und immer wieder gleichen One-Linern antun, was aber anscheinend das Gros der Salvation-Gegner dazu ermächtigt, darüber herzuziehen.
    McG hatte wenigstens den Mumm, die Storyline in der Zukunft anzusiedeln und sich damit gar nicht auf eine unerreichbare Stufe mit Cameron stellen zu wollen. Ja, es gab dämliche Szenen in Salvation, wie die Moto-Terminatoren (die noch lange nicht so dämlich sind wie „Guck mal, ich kann meine Möpse aufpumpen…“ im dritten Ableger).
    Eine von Skynet dominierte Zukunft IST dark und gritty!
    Dass kein weiteres Sequel (oder vielleicht irgendwann auch Prequel) jemals die beiden ersten Teile erreichen (geschweige denn übertreffen) wird, dürfte jedem von uns klar sein. Es sei denn, ein Cameron läge selbst Hand an – man wird ja noch träumen dürfen.
    Daher war ich überaus dankbar, nach dem Debakel „Rebellion der Maschinen“ an ein anderes Setting herangeführt werden zu dürfen, welches auch genügend Fanservice beinhaltet (z.B. wodurch John Connor seine große Narbe im Gesicht bekam).

    Es mag für viele der üble Wermutstropfen gewesen sein, dass nicht ein einziger Terminator den großen, bösen Antagonisten gestellt hat, sondern überall alle möglichen Arten von Blechbüchsen durch die Gegend gelaufen, gekrochen, geschwommen und geflogen sind. Aber gerade das empfand ich als willkommene Abwechslung.
    Salvation hat es zudem geschafft, das das Franchise bestimmende dystopische Flair zumindest ansatzweise einzufangen; das war im dritten Teil doch zu keiner Sekunde der Fall.

    Terminator 4 ist sicher nicht DER supertolle Actionkracher. Aber erstens weit entfernt davon, ein wie hier so oft geschilderter Totalausfall zu sein und zweitens für meinen persönlichen Geschmack ein weitaus besserer Beitrag zum Franchise als „Se Dörmineyda Ssri“.

  • Nico 12. 10. 2015 an 22:02

    Ich muss mal eine Lanze für den dritten Teil brechen (damit wären auch alle Teile, die es nötig haben, in den Kommentaren verteidigt). Er ist mir nach dem zweiten Teil immer noch der Liebste der Serie. Der erste ist zwar kultig, aber doch nicht so gut gealtert, wie seine Nachfolger. Die 80er schreien aus ihm heraus – und das nicht nur optisch.
    Der dritte Teil hat Witz, der manchmal übers Ziel hinaus schießt, aber meistens ganz gut passt. Im Gegensatz zu Genisys hat man auch auf allzu große CGI-Orgien verzichtet und das resultiert in solider Action. Größter Pluspunkt: Das Ende. Hier hat man mit Tradition gebrochen und am Ende einfach trotzdem Skynet starten lassen. Das finde ich auch heute immer noch einen der besten Twists, die man in einem solchen Film unterbringen kann. Es hat leider den vierten Teil zur Folge gehabt, aber das konnte ja keiner ahnen”¦