Review

Pixels (Review)

10. 8. 2015, Batzman (Oliver Lysiak), 4 Kommentare
Originaltitel: Pixels USA 2015 - Regie: Chris Columbus - Darsteller: Adam Sandler, Kevin James, Josh Gad, Peter Dinklage, Michelle Monaghan
  • Batzman
2

Kurzfassung

Grundsätzlich spaßige Idee von Team Sandler souverän hingerichtet. Peter Dinklage und die Effekte sind der einzige Lichtblick in diesem Trauerspiel. Game Over, man. Game Over.

Das Schlimmste an Pixels ist leider, dass man ihm immer mal wieder ansieht, wieviel Potential er gehabt hätte. Nicht umsonst begeisterte der gleichnamige Kurzfilm damals und wurde zu einem viralen Hit. Retrocharme gepaart mit originellen Ideen, eine Erinnerung daran wie sehr die Popkultur Baustein der Gegenwart ist und uns nachhaltig beeinflusst.

Und ja auch der Spielfilm hat seine schönen Momente, inklusive der Einleitung der eine charmante Jugendgeschichte erzählt und zeigt, was Regisseur Columbus kann, wenn das Drehbuch und die Darsteller ihm eine Chance geben.

Doch davon bleibt leider nicht viel, sobald der Film in die Gegenwart wechselt und damit Adam Sandler übernimmt, der derart lustlos, charmefrei und teilnahmslos durch seine Szenen stapft, dass selbst gute Kollegen neben ihm gnadenlos abstürzen. Jede Szene wirkt wie der erste Take und eine Chemie wird stets behauptet, findet jedoch nie statt. Nachgerade unangenehm ist die erste Flirtszene in der Sandler Michelle Monaghan trifft und seine liebenswerter Loser Nummer abzieht, die im selben Moment nur zeigt wie taktlos, oberflächlich und gemein sein Charakter im Grunde ist. Wenn eine Frau nicht spurt, wird sie gedisst beleidigt und schon mal damit bedroht bei der Polizei denunziert zu werden. Denn wer darf es schon wagen sich dem Sandler zu entziehen.

Würde sich der Film auf die eigentliche Story konzentrieren, die Geschichte einer Alieninvasion zu erzählen, könnte ich darüber hinwegsehen, doch leider quält uns das Drehbuch wieder und wieder und wieder mit furchtbaren Dialogszenen in denen Sandler mit Michelle Monaghan redet. Oder mit anderen Leuten. Überhaupt wird viel geredet und fast nie ist es auch nur im Ansatz witzig. Sandler kommt irgendwo rein und beleidigt Leute oder atmet Luft weg. Das geht dann bis der Kameramann eingeschlafen ist und dann kommt die nächste Szene.

Es ist Testament seiner Charmlosigkeit, dass neben ihm Kevin James als Präsident sympathisch und schauspielerisch noch ganz okay wirkt. Nicht dass er etwas zu tun hätte oder seine Rolle relevant wäre. Er hat genauso wenig Charakter wie Josh Gad, der immer nur der lustige, notgeile dicke Nerd ist, dem aus irgendwelchen Gründen ständig schwule Momente untergeschoben werden, ohne dass dies irgendeinen Bezug zur Story hätte. Aber hey Gay Panic, always funny, eh?

Roland Emmerichs ID4 war ganz sicher kein Meisterwerk, logisch sonderlich schlüssig und auch einige Dialoge zogen einem die Schuhe aus, aber verglichen mit Pixels, der fast dieselbe Story erzählt, ist er Citizen Kane. Emmerich weiß wie man Figuren einführt und multiple Stories miteinander verwebt. Wie man Angriffe inszeniert und eine sich steigernde Bedrohung plausibel macht. Doch das alles ist Sandlers Hausautoren zu mühselig. Lazy Screenwriters Pin-Up-Boys erzählen keine Geschichte, sie entwickeln keine Figuren, sie lassen Sachen passieren.

Die Aliens haben keine Motivation und kein schlüssiges Konzept, genauso wie die Angriffe. Der Kurzfilm zeigte eben 8-Bit Figuren und deswegen muss das ebenso rein. Wie warum und was das Ganze soll? Egal. Die Kampfszenen sind bis auf das Pac Man Setpiece eh banal und so statisch inszeniert wie ein Testbild. Bloß nicht zu viel Aufwand. Bloß keine Choreographien. Stellt einfach Gad und Sandler auf die Wiese und lasst sie ne Waffe schwenken und passt auf, dass Sandler nicht mittendrin einpennt.

Wie frustrierend muss es für das Effektteam sein, die sich wirklich Mühe geben die Computergame-Aliens cool aussehen zu lassen, wenn sie nichts haben an womit sie auf schauspielerischer Seite arbeiten können. Wirklich jede einzelne Szene von Sandler ist witzlos und langweilig. Wären nicht Brian Cox und Peter Dinklage, der Film hätte keine einzige sehenswerte Performance. Und keine einzige witzige Szene, denn anscheinend hat niemand Peter Dinklage gesagt, dass hier ambitionsloser Scheiß gedreht wird, denn er hängt sich mit Wucht, Verve und Witz in seine Performance und kassierte deswegen im Kino auch die einzigen Lacher im Saal. Sein Billy Mitchel/Steve Sanders Amalgam ist so over-the-top, so größenwahnsinnig und stilisiert, dass er alleine den Film rettet sobald er zu sehen ist.

Um ihn herum leider nur Vakuum und Ärgernisse. Da wird die innere Logik des Films innerhalb derselben Szene verraten, da dominieren forcierte Emotionale Momente in einem Film der keinerlei Herz hat. Kein Verständnis und keine Liebe zu den Spielen die er für beschissene Pipiwitze und lahmen Klamauk verheizt. Wie lange mag es gedauert haben alle Lizenzen für Pixels zu klären. Um dann Q-Bert pissen zu lassen und ihn am Ende als weibliche Trophäe (ja hier sind Frauen buchstäblich der Sachpreis für den Gewinner) an Josh Gad zu übergeben. Nein, nichts macht Sinn und nie wirkte eine weltweite Katastrophe so sehr wie eine örtliche Betäubung. Wir bekommen einfach nichts davon mit wie die Welt reagiert, ob es eine spürbare globale Bedrohung gibt und im Grunde nimmt niemand den Angriff ernst.

Vielleicht verließ alle Mitarbeiter einfach die Lust nachdem sie wussten, dass sie unter einem Hauptdarsteller / Produzenten arbeiten, der einfach keinen Bock mehr hat und dem Qualität im Grunde egal ist. Chris Columbus hat seine Macken, aber er hat so viel bessere Filme gedreht, doch hier streckt er die Waffen, stellt die Kamera hin wie in einer Sitcom und lässt Sandler eben sein Ding machen. Passt, nächste Szene. Es ist erstaunlich, wie viel der Film sich von King of Kong abgeschaut hat und wie wenig er doch versteht davon warum Menschen Spieler sind und wie sie Ticken.

Der Abspann ist dann zugleich Erlösung und das Beste vom Film. Denn er zeigt als originelle und witzige 8-Bit Animation alle wichtigen Szenen von Pixels in knapp einer Minute. Keine davon ist eine Dialogszene mit Adam Sandler.

  • MrBrown 10. 8. 2015 an 16:46

    – „Peter Dinklage und die Effekte sind der einzige Lichtblick in diesem Trauerspiel.“

    – „Adam Sandler übernimmt, der derart lustlos, charmefrei und teilnahmslos durch seine Szenen stapft, dass selbst gute Kollegen neben ihm gnadenlos abstürzen“

    Also alle Befürchtungen wie erwartet eingetroffen, schade, aber aufgrund von Adam Sandlers Präsenz leider vorhersehbar.

  • burns 14. 8. 2015 an 22:02

    Sehr schön. Batman zerstört mit Furore einen Film, den ich schon seit dem ersten Trailer scheiße fand.
    Schade um die Michelle.

  • Benny Saniatan 1. 9. 2015 an 23:56

    To the place, I belong. Oliver ”Batz” Lysiak studierte Mediensoziologie und arbeitete als Redakteur u.a.

  • sah mal 26. 12. 2015 an 0:01

    Das bild von donkey kong kommt nicht film vor

  • Pixels | Marks Filmblog 28. 8. 2016 an 12:40

    […] Fünf Filmfreunde 2/5 […]

  • Pixels - @Mark8031 6. 3. 2017 an 15:28

    […] Fünf Filmfreunde 2/5 […]