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Codename U.N.C.L.E. (Review)

14. 8. 2015, Batzman (Oliver Lysiak), 3 Kommentare
Originaltitel: The Man from U.N.C.L.E. - Regie Guy Ritchie - Darsteller: Henry Caviell, Armie Hammer, Alicia Vikander, Hugh Grant, Elizabeth Debicki
  • Batzman
4

Kurzfassung

Wenn Kingsman die Actionvariante des 60er Jahre Kinos war, dann sind die Jungs von U.N.C.L.E. die Buddy-Comedy Version – und machen genauso viel Spaß.

The Man from U.N.C.L.E. ist purer Fluff. Die Story ist unglaublich banal und pures Patchwork aus den Tropen des Agentengenres. Jedes Setpiece ist vertraut und die Attitüden der Hauptfiguren sind ebenfalls aus dem Klischeereservoir der Filmgeschichte zusammengeklaut.

The Man from U.N.C.L.E. macht wahnsinnigen Spaß. Denn so leer er inhaltlich ist, so vergessenswert die Story, so unterhaltsam ist es diese filmgewordene Style-Seifenblase anzuschauen. Der jazzige Soundtrack, die erlesenen Bilder, die durchgehende Retrostimmung und die wenigen aber originellen Actionszenen die irgendwo zwischen Bourne, Bond und Diabolik liegen – das alles sorgt für ein nostalgisches Kinoerlebnis, das gerade Filmfans immer wieder ein Lächeln ins Gesicht zaubert.

Guy Ritchie weiß genau was er macht und hat nach dem Abgang von George Clooney und Tom Cruise mit Henry Cavill und Armie Hammer zwei perfekte Ersatzdarsteller gefunden.

Cavill beweist, dass er mehr kann als den mimikresistenten Kryptonier zu spielen und dreht den Gentleman-Womanizer auf 11. Als Mischung aus Connery, Moore und Thomas Lieven macht er im Anzug eine brillante Figur und ist sowohl in den Actionszenen, wie in den ausgedehnten verbalen Scharmützeln mit Hammer und Vikander. Armie Hammer pendelt zwischen hyperagressiven Behemoth und linkischem Schuljungen und zeigt einmal mehr seine Wandlungsfähigkeit und Alicia Vikander ist die perfekte Gaby Teller, die ihren beiden Kollegen mehr als gewachsen ist.

Hugh Grant als Waverly ist eine würdige Nachfolge von Leo G Caroll der die Rolle in der TV-Serie spielte. Überhaupt treffen alle Darsteller sehr gut die Charaktere ihrer Fernsehvorbilder – und Elizabeth Debicki ist eine sehr überzeugende Superschurkin.

Nach einem rasanten Einstieg mit einer Verfolgungsjagd durch das 60er Jahre Berlin und einer waghalsigen Flucht über die Mauer, bremst der Film erstmal ab um die Figuren vorzustellen und ihre Dynamik zu etablieren. Ritchie liefert dabei genau das, wovon sich die Bond-Filme seit dem Craig-Reboot verabschiedet haben: Eleganz, ironischen Witz, Wortgefechte, megalomanische Superschurken, alberne Gadgets und fantastische Bilder von wunderschönen Orten. Das Ganze weit weg von jedem Realitätsanspruch. Dirty, Gritty und more real hat in der U.N.C.L.E.-Welt Hausverbot – hier ist die schöne Oberfläche und das launige Geplänkel der Star.

Selbst das Morden hat Stil. Codename U.N.C.L.E. ist eher Roger Moore Style Killing mit hochgezogener Augenbraue als brutaler Kampf Sean Connerys im Zugabteil. Wenn es die Filmlogik gebietet, das ein Ex-Nazi stirbt weil er einfach zu abscheuliche Dinge getan hat, dann passiert das nicht durch die Helden als sadistisch-befriedigende Rache sondern aus Versehen – was Solo und Kuryakin deutlich abhebt von modernen Actionrecken wie in Taken oder John Wick.

Ritchie hat diebischen Spaß daran Kamerafahrten zu inszenieren, die an das Kino der 60er erinnern, als noch nicht alles hektisch und Handkamera in Nahaufnahme war. Er nimmt sich Zeit für große Panoramen die so nur auf der Leinwand wirken, verweigert sich den Zugeständnissen an die Smartphone Generation, denen es reicht Filme auf dem Minidisplay zu schauen.

Wenn er Actionszenen mit Splitscreens zerlegt, zeigt er gleichzeitig, dass er eben doch heute Filme dreht und das altmodische Gagdget modern einzusetzen weiß. Und wenn er Actionszenen zu italienischem Schlager im Background ablaufen lässt, beweist er souverän wieviel wirkungsvoller ein solcher Moment sein kann, wenn er nicht auf 11 gedreht wird. Welche Macht Ruhe hat, wenn sie gezielt eingesetzt wird. Statt Effektgewitter gibt es Lounge-Musik. Und ganz beiläufig auch mal eine ziemlich großartige Risky Business Hommage mit Vikander/Hammer, die die Frage aufwirft ob sie erst nach dem Abgang von Tom Cruise im Drehbuch landete.

Nach Kingsman, der ebenfalls mit Retrofeel und Style arbeitete ist The Man from U.N.C.L.E. bereits der zweite Film der zeigt wieviel Power, Charme und Kraft noch in der betagten Formel steckt, die die Bond-Filme ohne Not aufgegeben haben.

Und sie machen dem 00Franchise vor, wie beliebig und austauschbar er geworden ist, seit er seine Trademarks aufgegeben hat.

Wenn Kingsman die Actionvariante des 60er Jahre Kinos war, dann sind die Jungs von U.N.C.L.E. die Buddy-Comedy Version – und machen genauso viel Spaß.

  • omegaman 14. 8. 2015 an 17:39

    Super Review, aber was ist denn mit den Sternchen? Habt ihr die abgeschafft, oder nur vergessen? Oder ist das ein technisches Problem?

  • Batzman (Oliver Lysiak) 14. 8. 2015 an 17:54

    @Omegaman

    War nur versehentlich ausgeblendet :)

  • omegaman 14. 8. 2015 an 21:17

    Ach so…
    Aber mit 4 Sternen habe ich nach Lektüre des Textes gerechnet.

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