Features Review

Fack ju Göhte 2 (Review)

9. 9. 2015, Batzman (Oliver Lysiak), 8 Kommentare
  • Batzman
1.5

Kurzfassung

Ein Film der perfekt den Zeitgeist trifft und seine Zielgruppe fest im Auge hat. Außerdem mein schlimmstes Kinoerlebnis des Jahres.

Zunächst mal möchte ich bei Thailand entschuldigen, denn dieses Land hat wahrlich genug ertragen müssen. Sorry für Fack ju Göhte 2.

Gut. Vorweg mal: Ich mag Elyas M’Barek. Er ist ein sympathischer, sehr professioneller Schauspieler der in jedem Interview und immer wenn man ihn trifft wirklich sehr cool ist und mit dem es Spaß macht etwas zu drehen. Und ich habe auch nichts gegen die anderen Schauspieler, die hier alle einen guten Job machen und das was ihnen als Rolle gegeben wurde mit bewundernswerter Disziplin spielen.

Das Problem ist einfach: Das Drehbuch ist grauenhaft und bar jeder Menschlichkeit. Einzig und alleine der Charme von Elyas M’Barek rettet seine Figur, bei der nie nachvollziehbar wird, warum irgendjemand sie mögen soll. Karoline Herfurth hat vermutlich gejubelt, als sie erfuhr, dass ihre Rolle quasi aus dem Film geschrieben wurde und sie nicht mehr versuchen muss zu rechtfertigen, was ihre Lisi denn an diesem durch und durch unliebenswerten Zeki findet.

Mit ihr geht allerdings auch der emotionale Anker, denn in dem Moment wo Zeki mit seiner Gruppe von „Arschlöchern“ in Thailand alleine gelassen wird, degeneriert der Film vollends zu einer Hymne an die Dummheit, an asoziales, gedankenloses Verhalten und zur cineastischen Heimat für alle jene, die glauben Bildung wäre ein Schimpfwort und man müsse im Zweifel nur fest genug zuhauen können. Die Feindbilder sind klar: Jeder der sich seinen Mitmenschen gegenüber nicht aggressiv, respektlos verhält und lesen kann ohne die Lippen zu bewegen. Der Schiller-Lehrer ist natürlich ein korrupter Verbrecher und all seine Schüler sind verachtenswerte, unmännliche Weicheier.

Natürlich werden alle auch zotigen, sexistischen, rassistischen Klischees bedient. In Thailand schießt man Ping-Pong Bälle aus der Muschi und alle Eingeborenen sind irgendwie kriminelle oder hilflose, naive Dummköpfe denen die cleveren Deutschen in „White Mans Burden“-Manier mal zeigen müssen wo es langgeht.

Die Chuzpe mit der die Tsunami-Katastrophe hier für dumme Sprüche und hanebüchene Storywendungen instrumentalisiert wird lässt jeden Fünf Freunde-Film wie eine Dokumentation aussehen. Der Glaube man könne am Ende jede Respektlosigkeit rechtfertigen, weil Zeki und seine Idiotenbande ein Waisenhaus bauen, gemahnt an die moralische Arroganz alter Tarzan filme in denen Eingeborene auch nur auf die Rolle des Wilden oder beschützenswerten Idioten reduziert wurden. Die „Herr der Fliegen“-inspirierte Truppe von Waisenkindern hat natürlich auch einen weißen Anführer, der zwar dumm ist, aber anscheinend immer noch smarter als die vollends zur Dekoration degradierten Thailänder. Die werden höchstens mal vor die Kamera gezerrt und aufs Maul zu bekommen oder für gönnerhafte „och wie süß“-Momente.

Das es weiterhin als cool promotet wird sich untereinander wie der letzte Mensch zu benehmen, sich zu dissen wo es geht und Schwächere fertig zu machen, verrät viel über die Zielgruppe dieses Streifens, der sich derart aufdringlich bei der Generation YouTube anbiedert, das es peinlich ist. Denn eine Auseinandersetzung findet nicht statt. Zeki wie die Schüler sind reduziert auf Klischees und die wenigen Versuche ihnen etwas Tiefe oder gar Charakter zu verleihen, zeigen unappetitlich wie leer und unangenehm sie eigentlich sind. Reale Probleme werden zu Wegwerffloskeln, die genauso billig denunziert werden wie die Tsunami-Katastrophe. Oder Asperger. Wenn der Film vorführt wie ein Asperger-Schüler seine Krankheit zu überwinden beginnt, weil man ihm quasi sagt „Nun stell dich mal nicht so an!“ – dann zeugt das von einer Arroganz, der es an jeglichem Verständnis gebricht und ist auf einem Level damit Depressionskranken „Nu lach doch mal“ zu sagen.

Man merkt Elyas M’Barek zwar an, wie sehr er sich in den Momenten um schauspielerische Glaubwürdigkeit bemüht, wenn er Zekis schwere Kindheit ins Spiel bringt – und doch verhallt das alles, weil es eben nicht wirklicher Bestandteil der Figuren wird. Denen es letztlich doch wichtiger ist andere zu erniedrigen als sich weiter zu entwickeln. Es erscheint immer nur eine dramaturgische Entscheidung zu sein wenn uns die grenzdebile Chantal plötzlich als Retterin vorgeführt wird, weil hier keine Figur wirklich Glaubwürdig entwickelt und im nächsten Moment wie in einer Cartoonserie wieder alles auf Null gesetzt wird, damit bloß kein Assi-Gag ausgelassen werden muss.

Und letztlich denunziert der Film damit auch gerade die, für die er vorgibt Verständnis zu entwickeln. In bester Boulevardmedien-Manier in der die untere Mittelschicht gegen Hartz-Empfänger aufgehetzt wird, lässt er Dumme sich über angeblich noch Dümmere lustig machen und versichert ihnen dabei, ja eigentlich auf ihrer Seite zu stehen, während er sie im Grunde nur benutzt. Fack ju Göhte 2 ist letztlich verfilmte BILD-Zeitung, die an jene appelliert die auch am liebsten nach unten treten und über Schwächere lachen, während sie vorgibt sich für sie einzusetzen. Die sich ankumpelt und haltungslos zitiert und nachäfft was gerade Zeitgeist zu sein scheint. Die zynisch Emotionen diktiert im Grunde aber herzlos ist.

Und genau darum wird auch dieser Film wieder ein Millionenpublikum finden und es bleibt nur eine Frage der Zeit bis Fack ju Göhte 3 kommt.

  • HappyFry 14. 9. 2015 an 0:07

    Naja, damit macht er halt seinem Titel alle Ehre…

  • Tonimaroni 15. 9. 2015 an 12:30

    Es fällt einem schwer Menschen vorurteilsfrei zu begegnen, die diesen Film gut finden. Und es ist sehr traurig, dass man mittlerweile in Deutschland vorhersagen kann, dass dieser unglaubliche Mist finanziell sehr erfolgreich sein wird.

    • dahil 16. 9. 2015 an 11:32

      „Es fällt einem schwer Menschen vorurteilsfrei zu begegnen, die diesen Film gut finden.“

      Dann bist Du aber auch nicht besser, als die angeprangerten Figuren und Missstände im Film. Man sollte immer Vorurteilsfrei bleiben. Und gerade bei diesem Film, den wohl leider sehr viele Menschen mögen werden, die man sonst gerne hat! :-/

      • Kumi 21. 9. 2015 an 11:26

        Vorurteile liegen in der Natur des Menschen und Menschen ohne Vorurteile gibt es nicht.

  • O 22. 9. 2015 an 12:27

    Sehr sehr gutes Review!

  • burns 24. 9. 2015 an 19:51

    Wieder eine geile Reviwe, Batz, die – wie oft – scjon viel eher auf der inhaltlichen Analyse anzusiedeln ist. Ich mochte den ersten Teil durchaus, weil er mit Klischees spielte und anarchisch war, ohne zu verurteilen.
    Aber was Du über Teil 2 schreibst – jesses…

  • Hänsel 2. 10. 2015 an 23:34

    Danke dieses Filmes kenne ich die konkrete Anzahl von Quadraten an der Decke meines Kinos. (396)

  • Patrick B. Rau 14. 10. 2015 an 15:46

    Vielleicht steigt das Niveau bis „Fack Ju Goethe 7“ ja wieder. Nie die Hoffnung aufgeben! ;-)

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