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Auf noch ein Wort: Star Wars – Das Erwachen der Macht

18. 12. 2015, Nilz N Burger, 9 Kommentare

Nach Batz Review und Malcolms Gefühls-Review, habe ich das Gefühl, auch noch meinen Senf dazu loslassen zu müssen, denn ich hab den Film bis Donnerstag dreimal gesehen.

Dreimal? Ja, durch eine seltsame Verkettung diverser Umstände, hatte ich drei Gelegenheiten den neuen Star Wars zu sehen und hab sie einfach mal alle drei genutzt. Schliesslich ist das ganze ja mindestens filmhistorisch ein wichtiger Moment. Oder nur Marketing-technisch?

Erstmal vielleicht zu meiner Erwartung: Als ich gehört habe, dass Disney einmal komplett Lucasfilms (Und Lucasarts! Hey Disney! Wo ist mein „Zak McKracken“-Film?) übernommen hat, schwante mir, wie so vielen Anderen auch, wenig Gutes und viel Schlimmes. Micky Maus als Jar Jar Binks Ersatz, so in der Art. George Lucas hatte sein eigenes Universum ja zumindest erzählerisch ziemlich runtergerockt – man konnte sich nach den Episoden I-III kaum noch vorstellen, dass etwas bei der Serie herauskommen würde, was noch einmal diese Magie wie in den alten Teilen versprüht. Als J.J. Abrams als Regisseur zum Projekt stiess, war ich etws beruhigter. Aber gesehen wurde musste der neue Film natürlich trotzdem erstmal. Und nach ein paar Jahren und mehreren Trailern, war es ja dann auch endlich so weit.

Zum ersten Mal gesehen habe ich den Film am Dienstag Mittag. Im großen Kino in Berlin, mit lauter Journalisten und natürlich solchen Menschen, die plötzlich schnell Journalist geworden sind. Einmal im Jahr gibt es um Weihnachten rum den einen Blockbuster, bei dem dann die Pressevorführung aus allen Nähten platzt. In den letzten Jahren waren das die Hobbit-Filme von Peter Jackson, nun eben J.J.Abrams neuer Krieg der Sterne-Teil. Ist ja auch wenig verwunderlich, dass den jeder so früh wie möglich sehen will. Es gab ein (weltweites) Embargo, dass man bis Mittwoch um 9:00 Uhr (Ortszeit) nichts über den Film posten dürfte, aber vermutlich hätte auch jeder zugestimmt, seinen Erstgeborenen Finn zu nennen, wenn man nur den Film dafür hätte sehen dürfen, dem Embargo wurde also probpemlos zugestimmt.

Nun sass ich da Mittags mit vielen Menschen im Kino deren Haltung, gerade an amerikanische Blockbuster, eher ist „Na, dann unterhalte mich mal…“. Aber, die Stimmung war erstaunlich gut. Es wurde gelacht, sogar an den richtigen Stellen, es gab Szenenapplaus – die Stimmung schien eindeutig. Jeder hatte Bock auf den Film und jeder hat bekommen, was er wollte.

So war auch mein Gefühl: Beflügelt kam ich aus dem Kino und hab mir ein Loch in den Bauch gefreut. Ich hab mir schon gedacht, dass er ganz gut sein würde, aber so gut, hab ich nicht erwartet. Ich war total aufgedreht und happy, so etwas gesehen zu haben. Ich meine: So viele neue Charaktere einführen und keiner davon ist uninteressant – das alleine ist schon eine riesen Leistung. Überhaupt: Das Jahr mit dem besten Film des Jahres fast abzuschliessen (geben wir den Peanuts noch eine Chance…), ist doch schön. So könnte es meinetwegen immer sein.

Zu Hause bei meiner Freundin drehte ich meine Review für die Short Cuts, schnitt sie und lud sie hoch – mittlerweile war es drei Uhr nachts. Am nächsten Morgen früh raus, Upload-Probleme beseitigen und sonstigen technischen Schnick-Schnack. Am späten Mittag hatte ich mein Video endlich bei YouTube hochgeladen.

Erschöpft ruhte ich mich etwas aus, aber dann wurde es schnell Abend und Zeit für die Deutschlandpremiere – im selben Kino wie am Tag zuvor. Ich machte mich etwas schick und fuhr zum Zoo-Palast. Nach einem Gang über den roten Teppich, sass ich im voll besetzten Kino. Hier sassen Menschen, die Tickets gewonnen haben, Lokalprominenz (vielleicht auch überregional) und vermutlich ein paar Fans, Verwandte und wer sonst noch ein Ticket ergattert hat. Normalerweise hasse ich solche Premieren am meisten, denn da gehen immer nur Menschen hin, denen der Teppich und die After-Show-Party am wichtigsten sind – viel zu selten aber der Film. Die sitzen dann unruhig darin oder nerven alle mit super „Gags“, die sie in den Saal rufen. Und mit exakt diesen Dingen habe ich fest gerechnet.

Manchmal ist es aber dann doch schön sich zu irren, denn die Stimmung im Saal war genauso angespannt wie aufgeregt wie freudig erregt. Im Moment als das Logo auf die Leinwand donnerte, ging ein Jubel und Applaus durchs Publikum, als sollte der noch in L.A. zu hören sein. Die Gags sorgten für große Lacher und die Verweise auf die alte Trilogie sorgten allesamt für frenetischen Jubel. Die Menschen hier waren voller Euphorie und freuten sich wirklich von ganzem Herzen, endlich wieder „Star Wars“ auf der Leinwand sehen zu dürfen. Was für eine wundervolle Premiere. Einzig in einem emotionalen Moment des Films wurde gelacht – man kennt diese typische Übersprungs-Handlung, wenn Menschen nicht zugeben wollen, dass sie etwas berührt und sie dann deswegen besonders laut lachen. Das hat mich einen kurzen Augenblick genervt, aber die restliche Freude, hat das wieder wett gemacht.

Nach dem Film eilte ich aus dem Kino, denn ich musste zum Potsdamer Platz, weil ich mir für die dortige 00:01 Vorstellung schon ganz früh Karten besorgt hatte, um den Film mit meiner Freundin zu gucken, wenn er anläuf – in der ersten, möglichen Vorstellung (da wusste ich noch nix von Pressevorführung und Premiere). Ich hätte das auch absagen können, aber ich wollte unbedingt auch noch diese Stimmung erleben, wenn die „wahren“ Fans endlich ihren neuen Film sehen können und dafür extra um Mitternacht in der Woche ins Kino gehen. So sollte ich also „Das Erwachen der Macht“ direkt noch ein drittes Mal zu sehen bekommen.

Im Kino hab ich dann Malcolm getroffen, als Yoda verkleidet, ein paar halb verkleidete gesehen, aber sonst? Vermutlich alles Inkognito-Fans.

Der Film ging los (nach einem übertrieben langen Werbeblock der gefühlt zu 60% aus IMAX-Eigenwerbung bestand – SUUUPERBOOOORING!), die Schrift erschien und natürlich war nun Zeit für den ultimativen Jubel. Ich habe mit der dritten Eskalationsstufe gerechnet. Ich meine, hier waren die echten Fans! Die richtigen! Die, für die angeblich laut George Lucas, dieser Film gemacht worden sei. Es gab auch Jubel, aber eher verhalten. Die Gags kamen, es wurde verhalten gelacht. Die Anspielungen auf früher – es wurde immer weniger gejubelt. Irgendwann gar nicht mehr, obwohl noch Ikonen auftauchten. Was war denn da bitte los?

Ja, vielleicht war es die späte Stunde. Vielleicht war es auch die übertriebene Erwartungshaltung, gerade von Fans, die der Film nicht erfüllen konnte oder wollte. Vielleicht ist der für so Sonntags-Fans wie mich gemacht worden. Ich kann keine fünf Planeten aus dem Universum aufzählen, habe im meiner Review den Wüstenplanet falsch benannt und sogar einmal „Androiden“ statt nur „Droiden“ gesagt – man könnte also meinen, ich nähme es mit den Details nicht so genau, bin kein Star Wars Ultra. Stimmt auch, bin ih nicht. Würde mich aber durchaus als Fan der Serie bezeichnen. Das muss kein Widerspruch sein.

Ich erinner mich genau, wie ich die Filme zum ersten Mal auf dem Video 2000-Recorder meines besten Freundes sah, der ohne Ende Spielzeug aus dem Film hatte und sofort begeistert war. Auf denselben Kassetten sah ich auch Indiana Jones zum ersten Mal in den Tempel des Todes eindringen, was mich ungleich mehr faszinierte, aber darum soll es ja nicht gehen. Ich habe das Gefühl, J.J. hat Star Wars VII ynur für mich gemacht. Auch nach dem dritten Mal sehen (mit etwas mehr Nickerpausen als bei den zwei Screenings davor), haben mich immer noch dieselben Szenen begeistert, die gleichen Charaktere fasziniert.

Ich hätte mir da mehr Euphorie, mehr Jubel bei den Fans vorgestellt, die sogar für den Film Eintritt bezahlt haben, aber nun gut: Es war spät, alle waren extrem aufgeregt – vielleicht lag es daran. Ich hoffe es sehr.

Für mich hat sich das warten total gelohnt. Ich habe einen der besten Filme des Jahres gesehen, in meiner persönlichen Star-Wars-Rangliste ist er sogar schon auf Platz zwei geklettert. Vielleicht steigt er dort wieder ab, nach ein paar Tagen der ersten Euphorie. Vielleicht stösst er aber auch meine Nummer Eins („Das Imperium schlägt zurück“) vom Thron, was krass wäre, aber nicht ausgeschlossen. Ich finde alles an diesem neuen Film richtig. Nichts stört mich. Und toll aussehen tut er sowieso. Ich will ihn nur noch einmal in 2D sehen.

Aber nach viermal im Kino gucken, reicht es dann auch so langsam. Von mir aus könnten sie jetzt auch mal langsam mit Teil VIII um die Ecke kommen, ich will nämlich dringend wissen, wie es weitergeht. Und BB-8 ist megacool. Jetzt isses raus. Sorry.

  • Manfred Zirkelbach 19. 12. 2015 an 10:15

    Ich war gestern Nachmittag im Kino. Sehr gemischtes Publikum. Kinder, Erwachsene und Jugendliche. Ziemliche Ernüchterung und maximal mittelmäßig Kritiken.
    Action war Super! Stroy in der ersten Hälfte gut. Danach sehr schwach und vorhersehbar! Eine Kopie aus den alten Filmen.

  • Jens 20. 12. 2015 an 2:05

    Ich hab die letzten 20 Minuten geflennt. 1978 hab ich Star Wars als Drittklässler in Düsseldorf im dortigen Premierenkino gesehen und der Film war nicht weniger als eine der wenigen Geschichte, die mein Leben für immer prägte. Ich habe die letzten 20 Minuten geflennt und das war die großartigste Filmfortsetzung und Rückversetzung in die Kindheit, die ich je erlebt und nie erwartet habe.

    P.S.: Scheiß auf Plotholes und Logikfehler, die gehören auch zu Star Wars. Wer das nicht mag soll halt Hitlerdokumentationen schauen. A propos Hitler: Endlich ist das böse Regime wieder richtig ekelhaft böse. Und Bernd Höcke als General Arschloch war eine grandiose Besetzungsidee.

  • BL 22. 12. 2015 an 3:10

    Mann, war das ein schlechter Film!

  • Kai 23. 12. 2015 an 20:55

    Jau, soeben auch gesehen. Ganz nett, langweilt nicht… is‘ halt ’n Film. :)
    Aber mal ehrlich , das ist doch voll Denver-Clan. Da ist ja jeder mit jedem verwandt (schlimmer ald Epsiode V, tststs).

  • Score 24. 12. 2015 an 23:15

    Technisch gut, (heut zu Tage kein Wunder mehr)
    Story mehr als Plump, ebenso wie die Charaktere!!!
    Würdiger Nachfolger? Keine Chance.
    Kann aber auch verstehen wenn jemand den Film total findet.
    Hätte mir auch gefallen, hätte ich keine Ansprüche gehabt, hatte ich aber.

    • Manni 25. 12. 2015 an 12:56

      Genau so ist es!!

  • globi 25. 12. 2015 an 2:19

    Plumpe und eindimensionale Charaktere hatte schon die Originaltrilogie zu bieten, genau wie eine simple Story. Wer diese Punkte an EP VII kritisiert, muss es bei den alten Filmen erst recht machen.

    Schwächen bei EP VII sehe ich beim Soundtrack und beim Abschnitt um die Starkillerbase.

  • Heiko Boos 27. 12. 2015 an 22:04

    Für die emotionalen Szenen zwischen Han und Leia, sowie Han und Kylo Ren schäme ich mich noch eine Woche nachdem ich den Film gesehen habe.

  • namenamefssstbfftata 30. 12. 2015 an 17:44

    Der erste Review den ich mir nach dem Filmes auf Youtube anschaute sagte folgendes:
    „If you didn’t like this you are an a-hole!“