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Die besten Filme 2015

29. 12. 2015, Batzman (Oliver Lysiak), 7 Kommentare

Okay es ist kurz vor Schicht und es wird mal wieder Zeit zu gucken was dieses Filmjahr uns gebracht hat. Und das ist aus meiner Sicht das zweite Jahr in Folge, das mir eine Menge Spaß gemacht hat. Ich erinnere mich mit Grauen an vergangene Jahresrückblicke in denen ich zu kämpfen hatte um überhaupt Filme zu finden die die private Top 10 füllen, doch 2015. Doch bei aller Euphorie und Freude über ein geglücktes Jahr, es war auch ein Jahr das sich war Originalität angeht nicht eben weit aus der Tür gewagt hat. Viele der besten Filme des Jahres sind Franchise-Filme. Sequels, Reboots. Was natürlich auch die Mutlosigkeit der Branche dokumentiert. Aber was solls, es gab genug erfreuliches in diesem Sinne. Los gehts.

Top 10+ Filme des Jahres

Mad Max: Fury Road

Ähnlich wie Kill Bill Vol. 1 und seinerzeit Scott Pilgrim entfesselt Mad Max: Fury Road ein Inferno auf der Leinwand, eine Nonstop-Flut an originellem Bildern und perfekten Choreographien. Mad Max: Fury Road ist kinetisches Kino wie es sein soll, kraftvoll, stilisiert und dennoch in der Lage eine emotionale Story zu erzählen. 2015 war ein gutes Jahr für Actionfilme, aber George Millers Dauerverfolgungsjagd mit einer grandiosen Furiosa alias Charlize Theron und einer minimalistischen, visuellen Art des Geschichtenerzählens wird für einige Jahre die Messlatte des Genrekinos bleiben.

Alles steht Kopf (Inside Out)

Nach vielen durchschnittlichen, guten aber auch unmutigen Sequels hat sich Pixar mit Inside Out den Animationsfilm-Thron zurückerobert. Inside Out ist der wohl komplexeste, traurigste und smarteste Mainstream-Film der bisher zum Thema Trauer, Depression und geistiger Gesundheit gedreht wurde und kann als Gesprächsinitiator nicht hoch genug bewertet werden. Das er zudem phantastisch und klug animiert ist versteht sich von selbst.

Kingsman – The Secret Service

Ich liebe Agentenfilme und dieses Jahr war ein gutes Agentenjahr. Zwar nicht von Bond, dafür aber von vielen anderen, angefangen bei Kingsman, dem wahrscheinlich rundesten Film den Matthew Vaughn bisher abgeliefert hat. Eine gelungene Hommage an klassische Bond-Film, mit genügend eigener Ideen um den Gentleman-Spy ins neue Jahrtausend zu katapultieren. Dabei nicht nur blendend besetzt, witzig und optisch inspiriert sondern stellenweise auch klug reflektierend.

Ant Man

Trotzdem wir uns immer fragen wie Edgar Wrights Ant Man ausgesehen hätte, war Ant Man der beste Marvel-Film des Jahres. Während Avengers an seinem eigenen Bombast erstickte, schaffte es Ant Man eine sympathische, stimmige und spannende Superhelden-Story zu erzählen, die aus der albernen Prämisse einen fesselnden Film machte.

Jupiter Ascending

Bei vielen wahrscheinlich auf der Flopliste, ist Jupiter Ascending mein Guilty Pleasure des Jahres. Nimmt man den Film ernst, ist es natürlich ein leichtes seine Story zu zerpflücken und die Logiklöcher und Cheesy-Moments zu sezieren. Allerdings glaube ich nicht, dass die Wachowskie-Geschwister den Film tatsächlich ernst gemeint haben, denn dazu sieht Jupiter Ascending viel zu sehr nach einem optisch imposanten. trashigen Spaß aus. Irgendwo zwischen Star Wars, Dune, Fünftes Element und Flash Gordon. Ich glaube nicht, dass das Overaction von Eddie Redmayne ein Versehen ist oder das Channing Tatum als schlappohriger Möter mit Flugschuhen umher rast. Die Wachowskis wollten diesen Mischmasch, diese überkandidelte Sci-Fi-Welt mit ihrer plakativen Kapitalismuskritik und der treuherzig-märchenhaften Aristokratenmythologie. Und mit all seinem Irrsinn machte mir Jupiter Ascending einfach eine Menge Spaß hat einige der besten Actionszene des Jahres zu bieten.

Mission Impossible – Rogue Nation

Seit dem vierten Teil bin ich Fan der Serie, die sich endlich den Qualitäten der TV-Serie angenähert und sie zeitgemäß aufgemotzt hatte. Und auch wenn Teil 5 nicht ganz heranreicht macht er doch verdammt viel Spaß mit vielen sehr beeindruckenden Szenen und einer durchgängigen Leichtigkeit die, die Serie tatsächlich zum besseren Bond werden lässt.

Whiplash

Die Idee ist ausgelutscht und eigentlich sollten diese Psychoduelle nicht mehr funktionieren, doch Whiplash schafft es dank den beiden ambivalenten Hauptfiguren, die beide nicht wirklich sympathisch sind, durchgängig Spannung zu erzeugen. David Finchers FAME, wie ich den Film insgeheim getauft habe, balanciert geschickt an der Grenze zur Karikatur und macht in der Schlichtheit der Geschichte dabei genau das richtig, was der überschätzte und bornierte Birdman falsch macht. Die schöne Kameraarbeit und der klasse Soundtrack tun ihr Übriges dieses fast kammerspiel-artige Over-the-Top-Drama zu erden und unterhaltsam zu machen.

Star Wars – The Force Awakens

Seit diesem Jahr gibt es vier Star Wars-Filme. Nach dem schmerzhaften Debakel der Prequels war dieser kluge wenn auch unmutige Remix von Episode IV bitter nötig um eine Grundlage für hoffentlich gewagtere Sequels zu schaffen.

The Man from U.N.C.L.E.

Und nochmal Agenten. Guy Ritchie verkneift sich größtenteils seine Manierismen und liefert einen ungemein gechillten, toll besetzten und stylishen Retro-Film ab, der der Serie treub bleibt und gemütliches 60s Feeling aufkommen lässt. Mehr Charakter-Comedy als Action-Thriller zeigt auch dieser Streifen, wie gut man sich bei Bond-Filmen bedienen kann und welches Potential die eigentliche Bond-Serie brach liegen lässt.

Shaun the Sheep & Spongebob 3D


Zwei Kinder-TV-Serien die auch erwachsene Fans haben erlebten dieses Jahr ihre Auftritte auf der großen Leinwand. Shaun holte endlich wieder den geliebten Aardman-Charme ins Kino zurück, der mit den vergangenen Produktionen ziemlich auf der Strecke geblieben war. Ganz ohne Worte wurde die überaus knuffige und stark getimte Geschichte vom Stadtausflug der Schafherde erzählt. Witzig und warmherzig und erfreulich altmodisch. Spongebob hatte zwar schon seinen zweiten Leinwandauftritt, doch auch hier konzentrierten sich die Macher auf ihre Tugenden. Entgegen der Werbung erwartete uns ein altdmodischer Zeichentrickfilm mit hoher Gagdichte, der nur in für wenige Minuten in 3D-Welten flüchtete. Angenehme Unterhaltung in beiden Fällen, die bewies wie gut auch altbekannte Franchise-Figuren bestehen können, wenn die Geschichte stimmt.

Ich seh, ich seh!

Ein österreichischer Horrorfilm, der vielleicht das Beste ist, was in den vergangenen Jahren in diesem Bereich erschienen ist. Ohne große Action, Jump-Scares und mit wenigen Effekten entfaltet dieses Horrordrama um zwei Jungen die ihre Mutter nach einer schweren Gesichts-OP nicht mehr wiedererkennen mit stilvollen, ruhigen Bildern und brillanten Schauspiel-Leistungen eine sehr ungesunde, beunruhigende Stimmung die sich zum Finale hin immer weiter steigert und den Zuschauer rechtschaffend verstört zurücklässt. Eine mit kühler Präzision erzähltes kleines Meisterwerk, dessen wenige Schwächen völlig hinter dem fesselnden Aufbau verschwinden.

A World Beyong (Tomorrowland)

Auch einer dieser Filme, die komplett gefloppt sind. Disney geht ja immer wieder mal Multimillionen-Risiken ein. Sei es John Carter, Lone Ranger oder eben Tomorrowland. Und während es vielleicht verständlich sein mag, warum diese Verfilmungen meist älterer und unbekannterer IPs bei der breiten Masse nicht zünden, ist es doch oft schade. Denn jeder dieser Filme ist deutlich besser als sein Ruf und sie alle sind Werke die mit Leidenschaft und Spaß gemacht wurden. Im Gegensatz zu rausgewürgten Sequels wie Pirates 4 oder pflichtschuldig soliden Märchenremakes wie Cinderella waren John Carter, Lone Ranger und eben auch Tomorrowland Herzensprojekte. Und Tomorrowland hat seine Schwächen, doch er ist auch ein notwendiger und sympathischer Gegenpol zu der grassierenden Nolanisierung des Blockbuster Kinos. Und es ist traurig, wie sehr diesem Film seine optimistische, ja auch naive, lebensbejahende Weltsicht vorgeworfen wird, während seit einer Dekade die immer gleichen „dark and gritty“ Visionen abgefeiert werden. Ob Batman, Bond oder Superman – ohne rumgeheule und alles scheisse-Mentalität geht ja schon lange nichts mehr. Und natürlich sind all diese blaugrüngrauen Regenwelten kein Stück realistischer in ihren pubertären Depressivität, aber sie haben es geschafft sich als anspruchsvoll und tiefsinnig zu verkaufen. Dagegen kann ein der die naive Zukunftsbegeisterung der 60er Jahre, der Forschergeist und Humanismus propagiert natürlich nur verlieren. Und das ist verdammt schade, denn die beiden Hauptdarstellerinnen sind beide verdammt gut. Clooney macht sich gut in der Nebenrolle und Tomorrowland hat eine ganze Menge origineller optischer Ideen und eine grundsätzlich begrüßenswerte Message.

Ebenfalls Erwähnungen wert: Mittlerweile in der 3. Staffel überzeugt die dänisch-schwedische Koproduktion Broen/Bron weiterhin durch Spannung und großartige Bilder und Darsteller. Netflix spielte sich mit der Eigenproduktion „Making a Murderer“ in die erste Klasse der Doku-Serien, die StartUp-Doku „Print the Legend“, Comedy-Genius: /w Bob & Dave, Krampus ein sehr schöner Retro-Weihnachtshorror mit Gremlins-Vibe, die Doku Amy über Amy Winehouse, der Retro-Action-Buddy-Movie Big Game, Die Kinder-X-Files-Cartoon Serie „Gravity Falls“ und „Spy“ noch einem guten Agentenfilm in dem ich Melissa McCarthy endgültig lieben gelernt habe. Ebenfalls einer der wenigen interessanten Horror/Drama-Filme des Jahres: The Babadook.

Wer sich wundert warum hier Victoria oder Birdman nicht auftauchen: Ich fand beide nicht wirklich gelungen, auch wenn Viktoria immerhin auf technischer Ebene und durch seine beiden Hauptdarsteller punktet. Birdman fand ich leider sehr meh.

Das wars mit den Highlights, ich hab sicher noch was vergessen, was ich ergänzen werde. Und in der zweiten Folge geht es dann um die schlimmsten und egalsten Filme des Jahres.

  • JR 29. 12. 2015 an 7:13

    Alter, mit Krampus liegst Du echt falsch.

  • RVE 29. 12. 2015 an 9:31

    Nicht uninteressant!

    In vielen anderen Listen liest man noch von folgenden Filmen, hast du davon etwas gesehen?

    Steve Jobs, Inherent Vice, The Martian, Ex-Machina, Lost River, Sicario, It Follows, Bone Tomahawk, Carol, Macbeth, Tangerine, A Girl walks home alone at night, Beasts of no Nation, The Duke of Burgundy

    • Batzman (Oliver Lysiak) 30. 12. 2015 an 23:29

      Ja einige davon, aber fand sie nicht gut genug für die Bestenliste.

      Steve Jobs – unterhaltsam, aber schwierig und etwas dumm.
      The Martian – extrem überschätzt, inhaltsleer und ähnlich wie das Buch oft auch langweilig
      Ex-Machina, – doch stimmt der war gut, hatte ich vergessen
      Lost River , Sicario, It Follows, Bone Tomahawk, – nicht gesehen und wenig interesse
      Carol, Macbeth, Tangerine, – will ich noch nachholen
      A Girl walks home alone at night, Beasts of no Nation, The Duke of Burgundy – nicht zuende geguckt, vielleicht später nochmal

  • Firejoe 29. 12. 2015 an 23:06

    Schöne Liste…auch für mich ist Jupiter Ascending mein Guilty Pleasure Movie des Jahres.
    Spongebob 3D noch gegen Sicario tauschen und auch meine Liste für dieses Jahr wäre komplett.

  • Jan 30. 12. 2015 an 7:10

    Nur die positive Erwähnung von Krampus fällt etwas aus dem Rahmen!

  • omegaman 31. 12. 2015 an 0:56

    Ich hab den Whiplash-Joke nicht gerafft, und beinahe habe ich gedacht, dass Whiplash echt von Fincher ist.

  • Die schlechtesten Filme 2015 - Die Fünf Filmfreunde 31. 12. 2015 an 10:12

    […] dem ich mich letztes mal den erfreulichen Filmen gewidmet habe, geht es diesmal um die schlechtesten Filme 2015. Okay, genau genommen wird es hier […]

  • David Braun 8. 1. 2016 an 14:57

    Nummer 1 für mich ist natürlich Star Wars!