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Blade Runner 2049 – Die Kritik zum Anhören

Standard, 12. 11. 2017, Batzman (Oliver Lysiak), 10 Kommentare

Die Männer aus Saal 3 haben heiß diskutiert über Blade Runner 2049, das vielgelobte Sequel zu Ridley Scotts Klassiker. Im ausführlichen Podcast unterhalten sich Diemen und ich über die Fortsetzung, über Tempo, tiefere Aussagen und das Frauenbild des Films. Wenn ihr keine Folge verpassen wollt, dann holt euch direkt den RSS-Feed.

Ich war von Blade Runner 2049 eher enttäuscht. Ich fand ihn vom Pacing her wirklich anstrengend, er wirkt selbst im Vergleich mit Teil 1 sehr ermüdend, da er für die gesamte Zeit dieselbe Tonlage beibehält. Und im Gegensatz zu Ford damals, ist Ryan Gosling niemand der meine Aufmerksamkeit zu fesseln vermag. Er hat so ca. 3 Gesichtsausdrücke, von denen er in diesem Film 2 benutzt.

Gleichzeitig war ich auch optisch enttäuscht, da ich den gewählten Look eher uninteressant fand. Entweder versuchte man Einstellungen aus dem Original nachzustellen, was so halb gelingt oder die Bilder sehen ziemlich egal aus. Ich sehe Ridley Scott durchaus kritisch, aber man muss ihm lassen, dass er fantastische Bilder kann. Selbst bei Sachen wie Prometheus, der vom Drehbuch her eine Katastrophe ist, sehen die Bilder großartig, episch und beeindruckend aus.

Diese Qualität geht Blade Runner 2049 in meinen Augen ab, was auch am gewählten Grading liegt, das mal wieder alles muddelig und entsättigt wirken lässt. Blade Runner hat auch seine Schwächen, aber er überzeugt vor allem visuell. Jede Szene ist sorgfältig komponiert, der Film strotzt vor Farbkontrasten und Licht/Schatten-Spielen. Im neuen Film verläuft alles zu einem Brei und schlichte Dialogszenen sind extrem flach gedreht. Statt Neon-Noir gibts schwache Kontraste, Schwarztöne sind grau, Weißtöne sind hellgrau und Farben sind eher angedeutet.

Dazu kommt dann noch eine eher schlichte Story, die den Aussagen des Originals wenig hinzufügt und ethisch-moralische Aspekte kaum verhandelt. Das Ridley Scotts Ende verworfen wird, dass deutlich macht, das Decker ein Replikant ist, nervt ebenfalls, da es auch ansonsten nicht weiter thematisiert wird.

Obendrein sind die Frauenfiguren des Films sehr ärgerlich, bzw. der Umgang mit Frauen. Sie werden abgeschlachtet, sind die Bitches oder Sklaven-AIs oder praktischerweise vor Filmstart gestorben.

Teil 1 hat auch seine ekligen Momente und Deckers rapey Verhalten und sein Abschlachten der weiblichen Replikanten ist ziemlich abstoßend, aber immerhin ist er auch nicht der sympathische Held des Films. Er hat als Gegengewicht Darryl Hannah und vor allem Rutger Hauer als Replikanten-Jesus, der letztlich der Menschlichere der beiden ist. Hauers Figur lässt Decker als Arsch dastehen, weil dieser stumpf sein Schlachter-Handwerk vollführt und nichtmal weiß, dass er ebenfalls ein Replikant ist.

Blade Runner 2049 stellt seine Figuren und Charaktere nie derartig in Frage, er ignoriert zB komplett die ethische Fragestellung die sich aus dem Liebeshologram ergibt. Und der Bait & Switch mit K’s Charakter ist jetzt auch nicht wirklich so interessant, da K ja trotz allem die Hauptfigur des Films bleibt. Und der ist nunmal ein eher unspannender Charakter, wenn man jetzt nicht „schweigsam dasitzen“ schon alleine für ein Anzeichen von intellektueller Tiefe hält.

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10 Kommentare

  • Reply r0ckarong 15. 11. 2017 at 13:07

    Deckard. Der Fucking Typ heist DECKARD!

    Wenn man nichtmal den Namen des Hauptcharakters einens Films kennt den man mehrfach als ueberlegen zitiert …

    Ich fand der Film hat genug neue ethische Dilemmata aufgeworfen die ebenso wie im alten uebrigens nicht auf der Leinwand sondern im Kopf ihre Wirkung entfalten. Auch der neue hat viele eklige Moment nur dass die halt in einer Post-Truth Zeit eher subtil gehalten sind und sich auesserlich nicht sonderlich ekelhaft darstellen aber bei genauem hinsehen noch viel schlimmer sind als Mord und Totschlag aus dem Original. Ich sag nur „Waisenhaus“.

  • Reply micamen 15. 11. 2017 at 13:18

    Ich glaube wir haben verschiedene Filme mit dem selben Namen gesehen. Und wenn man die Kritik hier liest, fragt man sich, warum er überhaupt 3 Sterne bekommt. Hier wird kein gutes Haar dran gelassen. Ich selbst war von Der Story sehr positiv überrascht, von den Bildern schwer beeindruckt und den schauspielerischen Leistung Goslings und auch Fords mitgenommen wurden. Oder wie Böhmermann sagen würde: auf der Skala von 1 bis 5 bekommt er eine 85.

  • Reply micamen 15. 11. 2017 at 15:17

    Ich muss hier nochmal nachhaken. Ich habe mich gerade durch den Podcast gequält. Mannomann. Ich bin vor Verkopftheit bald abgestorben. Es wird quasi auf einem Thema rumgeritten, und ich benenne das jetzt mal: „Die Frauen in dem Film“, auf dem du den Inhalt des ganzen Films stilisierst und damit kritisiert. Das ist komplett am Thema des Films vorbei. Und ich schiebe diesbezüglich einfach mal nach: „Jupiter Ascending“ hat von dir 3.5 Sterne bekommen. Ich fand diesen Film zwar auch besser als jede Kritik die über ihn geschrieben wurde, aber besser als Blade Runner 2049? You are kidding.

  • Reply Paul Klee 22. 11. 2017 at 13:38

    Ein großartiger Film, der bisher beste des Jahres. Für mich ein würdiger Nachfolger, der mich gut unterhalten und zum Nachdenken angeregt hat.

  • Reply micamen 22. 11. 2017 at 14:17

    Meine beiden Kommentare vom 15.11. stehen immer noch als „Comment awaiting for approval“. Why?

  • Reply dok 27. 11. 2017 at 20:11

    ich hatte schon angst , ich wäre der einzige , der ihn nur okay , über weite strecken das original kopierend und eher belanglos gefunden hat .

  • Reply Zapp 20. 12. 2017 at 17:37

    Achtung SPOILER.
    Hinsichtlich der Frauenthematik stimme ich nicht zu, da ich den Film ganz anders gelesen habe. Der Film ist Prinzip aus Sicht von Deckard und K erzählt, die beide auf ihre Art sozial verkümmerte Säufer sind, die ohne Liebe/(echten)Frauen sich ihren Depressionen hingeben. Dabei spielt der Film vor allem mit dem Bild der Abwesenheit von Liebe bzw. der Abwesenheit von Frauen in dieser Männerwelt bzw. der Entmeschlichung von Beziehungen. Alleine das Deckard in einer radioaktiv verseuchten Wüste voller verfallener Frauenstatuen lebt, sollte da als Sinnbild doch mindestens auffallen. Oder das die Mutter der neuen Menschheit als Schöpferin von Erinnerungen und Gefühlen in einem Aquarium eingesperrt lebt, sollte doch als Bild auch auffallen. Das heißt, der Film zeichnet also eher ein Bild von einer von Männern zerstörten Welt, die nur durch Frauen bzw. die Liebe gerettet und weniger trostlos gestaltet werden kann. Oder zumindest eine Welt, in denen menschliche Beziehungen quasi lieblos sind. (Robin Wright ist die einzige menschliche Frau und wohl auch deshalb so unterkühlt, um aufzuzeigen, dass Frauen zwar vorhanden, aber ebenso entmenschlicht sind.) Wenn man den Film so liest, ergeben alle Figuren auch ihren Sinn, da sie sich zumindest dem High-Concept unterwerfen.

    Was meint ihr?

  • Reply Zapp 20. 12. 2017 at 17:39

    Ui…fette Tippfehler… Sorry.

  • Reply Old M. 23. 1. 2018 at 22:53

    Batzmann ist ein Blender, der keinen blassen Schimmer von echter Filmkunst hat!

  • Reply mein senf 1. 2. 2018 at 15:51

    „DECKA“!!! ALTER „DECKA“

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