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Solo – A Star Wars Story (Review)

22. 5. 2018, Batzman (Oliver Lysiak), 2 Kommentare

Okay Star Wars 8 stieß ja auf gemischte Reaktionen, doch das ist im Grunde nichts gegen den Trouble hinter den Kulissen von Solo – A Star Wars Story. Nachdem der Film zu ⅔ abgedreht war, feuerte Lucasfilm ja bekanntlich die Regisseure Lord & Miller und ersetzte sie durch Ron Howard, der wohl zwischen 70-80% des Films neu drehte. Dazu kamen Berichte über Hauptdarsteller Alden Ehrenreich, der noch am Set Schauspielunterricht bekam, um mehr von Harrison Fords Han Solo Figur zu channeln. Und es fällt schwer das zu verdrängen, wenn man sich den Film ansieht. Meine Erwartungshaltung war also eher: Puh, hoffentlich wird es nicht zu schlimm. Was vielleicht eine gesunde Einstellung ist in einen Film zu gehen, denn je weniger Hype und je weniger Erwartung man hat, desto unbefangener kann man sich auch auf einen Film einlassen. Und seien wir mal ehrlich: Auch ohne die Produktionsprobleme ist Solo ein Projekt, mit sehr geringem Wow Faktor. Han Solo ist dank Harrison Ford eine liebenswerte Figur, aber er ist auch der Charakter mit der geringsten dramatischen Fallhöhe. Wir wissen wenig über ihn und dass was wir wissen war weniger wichtig für die Story als um seinen Charakter zu umschreiben. Ein arroganter, sarkastischer Draufgänger – der im Grunde nur durch Harrison Fords Charme funktionierte. Es gibt keine große, dramatische Background-Story, die der Film versauen kann – wie bei Darth Vader, Ben Kenobi oder Yoda. Es geht nicht um Wohl und Wehe der Galaxis, sondern um kleine Abenteuer, die im großen Ganzen eher eine Nebenrolle spielen. Und das ist wichtig, denn diese Einordnung hilft es den Film zu verstehen.

Solo ist ein solider Unterhaltungsfilm geworden. Und ja: Seine größte Schwäche ist Alden Ehrenreich, der eine deutlich anderen Ausstrahlung hat als Ford und der sich meist in Dauergrinsen flüchtet, dabei aber nie an den linkischen Charme von Ford herankommt. Es dauert tatsächlich eine Weile, bis man sich an ihn als Han gewöhnt hat – und es macht die Sache nicht gerade leichter, dass der Film sehr holperig startet. Hans Szenen als Jugendlicher auf Corelia sind schon etwas zäh und der graue Industrial-Look, der den ersten Akt beherrscht ist jetzt auch eher so mittel charmant. Auch einige Kriegs-Szenen, die eher nach Rogue One aussehen passen nicht so wirklich in einen Film, der einfach in einer anderen Gewichtsklasse spielt. Was ich tatsächlich mochte sind allerdings Szenen, die wir so in Star Wars bisher selten zu sehen bekamen: Nämlich das Leben aus Bodenperspektive, wie es sich für Leute anfühlte die nicht unmittelbar zur Skywalker-Saga und zur Rebellion gehörten. Das sind zwar nur kurze Momente, aber es gibt dieser Welt eine Dimension, die in den Filmen bisher vernachlässigt wurde. Der Film gewinnt ab dem Moment, an dem Han Chewie trifft – und der eigentliche Handlungsbogen des Filmes beginnt. Wir wussten ja schon das Woody Harrelson eine Art Mentor-Figur für ihn spielen wird. und das funktioniert auch erstaunlich gut. Überhaupt kapiert der Film, dass Han Solo ein Charakter ist, der nur in einem Ensemble funktioniert. Solo muss im Team arbeiten, er braucht die ständige Konfrontation mit anderen Figuren damit er unterhaltsam sein kann. Und sobald der Film die diversen Figuren um ihn herum gruppiert – nicht zuletzt natürlich Donald Glover als großartigem Lando und Phoebe Waller Bridge als seine Droidin L3 – ab dem Moment funktioniert Solo tatsächlich ziemlich gut. Die Actionszenen sind sehr solide inszeniert, der Humor ist Teil der Charaktere und wirkt die meiste Zeit natürlich und auch das bisschen Drama, das der Film hat, geht im Großen und Ganzen in Ordnung.

Wir lernen einen Haufen neue Charaktere kennen, einige überleben, einige sterben – aber die meisten sind tatsächlich interessant. Im Gegensatz zu Rogue One wo fast alle Figuren eher flach blieben, kann ich mich an die Nebenfiguren aus Solo tatsächlich erinnern und fand es bei einigen schade, wenn sie weggeputzt werden.

Die große Frage ob Fans das ähnlich sehen, wird wohl hauptsächlich davon abhängen, was sie von Star Wars erwarten. Ist es okay einen Science-Fiction Abenteuer-Film um Gauner und Abenteurer zu sehen? Oder braucht Star Wars das große Epos, die Jedi, die Mystik, die galaktischen Verschwörungen, Prophezeiungen, Lichtschwerduelle und Macht-Mumpitz? Wenn ihr bei letzterem nickt, dann ist der Film vermutlich nichts für euch, denn all das hat der Film nicht zu bieten. Er ist im wahrsten Sinne des Wortes eine Fußnote, ein popcorniger Abenteuerfilm, der sehr solide unterhält – der aber keine großen Ambitionen oder Bedeutungen hat. Solo steckt zwar voller Fanservice, er referenziert fast jede Bemerkung zu Han die in den alten Filmen gemacht wurde. Er verweist auf Ereignisse aus den Star Wars Animationsserien und sogar aus wirklich trashigen Spielen wie Masters of Teräs Käsi und er hat einen sehr überraschenden Auftritt einer Figur, die wir sehr lange nicht gesehen haben. Er bombardiert uns sehr plump verweisen auf die Würfelkette des Millennium Falcon, die wir in Episode 8 wiedergesehen haben. – Aber er ist trotz allem nicht wirklich wichtig für das große Ganze. In gewisser Weise ist Han Solo verfilmte Fanfiction, denn er findet natürlich eine filmische Erklärung für Hans Bemerkung, dass er den Kessel Run in weniger als 12 Parsec geflogen sei. Und ja – nachdem Rogue One die Erklärung für die zum Witz gewordene Schwachstelle des Todessterns lieferte – könnte man meinen Lucasfilm dreht jetzt nur noch Filme um George Lucas Storyfehler weg zu erklären.

Doch man muss ihnen lassen: Sie bringen trotzdem solide Filme heraus. Wenn wir bei anderen Produktionen hören, dass es hinter den Kulissen kracht, das Regisseure ersetzt werden, dass es gewaltige Nachdrehs gibt… dann kommt meist sowas heraus wie Justice League oder Suicide Squad. Filme denen man in jeder Sekunde ansieht, dass sie Flickwerk verschiedener Macher sind. Rogue One und Solo sind beides solide Filme, die als das gesehen werden sollten was sie sind: Kleinere Stories die die Star Wars Welt ausschmücken ohne sie entscheidend zu verändern.

Und so wie Marvel es schaffte zumindest solide Filme zu produzieren in dem sie statt eigensinnigen Künstlern routinierte Handwerker wie Peyton Reed oder Alan Taylor einsetzten, so hat auch Lucasfilm mit Ron Howard jemand gefunden, der abliefert. Solo ist visuell an keiner Stelle spektakulär, er wagt filmisch nichts, er bemüht sich Ehrenreich möglichst wie Harrison Ford zu fotografieren, aber er hat keine originellen Ideen. Was auch heißt: Er leistet sich auch wenig Patzer, er ist handwerklich immer ordentlich und selbst die Effekte sind überraschend homogen – vergleichen mit CGI-Desastern wie vielen Szenen in Black Panther – und das ist vielleicht auch ausreichend. Und so banal und leichtgewichtig der Film auch ist: Wenn ihr mich fragt ob ich ein weiteres Han Solo Abenteuer sehen will, ich würde ja sagen.

Und hab gleichzeitig ein wenig ein schlechtes Gewissen, weil ich merke, dass diese “Gut Genug” Strategie der Filme von Disney, Marvel und Lucasfilm funktioniert. Wir bekommen keine Filme mehr die uns wirklich beeindrucken, die etwas neues Wagen, die polarisieren wir bekommen Filme die gut genug sind – Filme, die fast jeder wegnicken, weil sie zu wenig Ecken und Kanten haben. Was natürlich logisch ist, wenn wir bedenken wie die Fans mit Filmen umgehen, die sich etwas anderes trauen. Lucasfilm wird sich gut überlegen, ob sie sich noch ein Episode 8 leisten können, wenn jede Eigensinnigkeit eines Regisseurs mit Morddrohungen und Shitstorms einhergeht, wenn Fans generell zu einem Mob werden, der auf alles eindrischt was nicht absolut glattgebügelt daherkommt. Ron Howard wird ruhig schlafen können, denn sein Solo Film bietet wenig Angriffspunkte. Er ist “Gut genug” und selbst seine Schwächen werden wohl kaum dazu führen, dass Fanboys die Halsschlagader platzt. Und genau der Gedanke führt dazu, dass ich denke: Ich hätte doch gerne die Version von Lord & Miller gesehen.

Han Solo – A Star Wars Story – Die Review als Video für alle die lieber hören als lesen.

2 Kommentare

  • Antworten Der Duderich 23. 5. 2018 an 18:06

    Ich hätte mir ja Chris Pratt als Hauptdarsteller gewünscht…

    Aber vielleicht wäre er dann ja wg. GOTG und JP doch zu omnipräsent. Obwohl Harrison Ford hat das damals ja auch nicht geschadet.

  • Antworten miberius81 25. 5. 2018 an 12:36

    Schön, hier mal wieder eine Review zu lesen, welcher ich grösstenteils zustimme. Auch wenns von mir noch einen (Fan-)Stern zusätzlich gibt.

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