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Was ist besser: Star Wars oder Star Trek?

17. 8. 2018, Batzman (Oliver Lysiak), 1 Kommentar

Wir haben die Büchse der Pandora geöffnet:…

Ahhh, es ist einfach zu ruhig geworden und die Trolle in den Kommentaren, die für ihren Lieblings-Franchise tapfer in den Tod ziehen würden sind schon fast im Hitzekoma. Deswegen wird es mal wieder Zeit, Äpfel mit Birnen zu vergleichen und ohne Not eine völlig sinnlose Diskussion zu eröffnen, wenn wir uns fragen welches der beiden großen Space-Franchise mit Star im Namen denn wirklich das Bessere ist. Der Krieg der Sterne mit seiner Macht-Mythologie oder diejenigen die dorthin gingen wo noch niemand zuvor gewesen ist?

Jetzt da Star Trek sein Comeback feiert, mit Picards neuer Serie und den neuen Staffeln von Discovery, wollen wir es wissen: Wer hat die dickeren Eier? Han Solo oder Captain Kirk? Wer ist sexier Data oder C3PO? Und welcher Weltraumgangster kann besser knutschen? Jabba the Hutt oder Harry Mudd? Wir wissen natürlich längst die Antwort und warten nur drauf den Blutdruck jedes hitzigen Star Wars Fanboys in die Höhe zu treiben mit unseren total ernst gemeinten 5 Gründen, warum Star Trek besser ist als Star Wars.

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Die Politik

Star Trek erzählte von Anfang an immer politische Stories, selbst unter Kirk und Spock gab es Folgen in denen Diktaturen bekämpft werden mussten und spätestens mit den Spielfilmen und der Next Generation war es klar, dass sich die Föderation der Vereinigten Planeten mit unzähligen politischen Problemen herumschlagen musste. Ganze Folgen drehten sich um politische Intrigen zwischen Romulanern und Vulkaniern und im Kampf gegen das Dominium und die Borg wird die Föderation immer wieder an die Grenzen ihrer eigenen Ansprüche geführt. Politik ist Teil der Trek-DNA und wird immer wieder auch kritisch hinterfragt und durchleuchtet.

Star Wars benutzte Worte wie Rebellion und Imperium zunächst nur als Codes für Gut und Böse und interessierte sich in der Original-Trilogie wenig für echte politische Konflikte. Das Imperium war böse weil es böse war, aber wir hatten keinerlei Referenz da wir außer Lukes Bauernleben wenig kontext dafür hatten wie das Leben unter dem Imperium wirklich ablief. Eine Zivilgesellschaft findet in Star Wars kaum statt und wenn nur als Background für die Rebellion, etwa wenn Han und Co auf Bespin Zuflucht suchen.

Anspruch in Star Trek Discovery

Erst mit den Prequels versuchte Lucas explizit politschen Subtext zu etablieren, doch die Märchenhaften Erzählstrukturen des Star Wars Universums clashten immer wieder mit den komplexen Anforderungen die politische Auseinandersetzung mit sich bringt. Bürokratie ist Lame, ein Senat ist schwerfällig und letztlich fallen einfach alle auf simple Lügen herein. Palpatines Intrigen sind weder sonderlich smart noch immer logisch und auch wenn die Prequels nicht unrecht haben mit der Dummheit der Massen die den Aufstieg einer Diktatur frenetisch feiern – es bleibt alles politischer Diskurs auf Kindergarten Niveau, der mit holzschnittartigen Bösewichten wie Dooku oder Grivous die alleine schön physisch total evil wirken eben doch über wohlmeinende Ansätze nicht hinaus kommt.

Die neuen Filme versuchen sich in zwar in der Darstellung von Ambivalenz, wenn mit dem Tod von Fynns Stormtrooper-Kameraden zu Beginn von Das Erwachen der Macht erstmals das Schlachtvieh des Imperiums vermenschlicht wird – doch konsequent durchgehalten wird es nicht, denn kurz nachdem der Film uns dazu bringt die Stormtrooper als Individuen mit tragischer Geschichte zu sehen, sollen wir schon wieder mitjubeln, wenn sie als Kanonenfutter zu hunderten abgeschossen werden. Star Trek nimmt sich Zeit für solche politischen Diskurse und lässt auch die Hauptfiguren moralisch verwerflich handeln ohne ihnen automatisch dafür die Absolution zu erteilen und betont oft, das im Krieg keine Seite unbeschädigt davon kommt… und dafür lieben wir Trek auf Platz Nummer 5

Die Charaktere

Und da sind wir mal ganz frech und beschränken uns auf die Real-Filme und ignorieren bei Star Wars die Animationsserien, weil wir die nie gucken. Doch was die Figuren der Filme angeht ist Star Wars leider wirklich eher schlicht gestrickt.

Luke ist das Landei mit den großen Träumen der von einer besseren Zukunft träumt und dann plötzlich von den Ereignissen überrollt wird. Luke ist nett, Luke ist lieb und ziemlich überfordert – aber ganz ehrlich: Er ist jetzt nicht die komplexeste Figur im Universum und seine leicht weinerliche Art machen ihn jetzt nicht zur Nummer 1 der Leute mit denen man mal einen Trinken gehen würde.

Mit Han Solo schon eher, aber der hat halt auch nur seine cooler Draufgänger Moves und ist wahrscheinlich auch nicht der smarteste Typ im Universum. Klar mit Leia und Lando und vielleicht Obi Wan würde es sich lohnen los zu ziehen – wobei wir ja aus den Prequels wissen das Kenobi auch etwas dumm ist. Wer bleibt? Yoda ist unterhaltsam, aber man stolpert schnell über ihn und es dauert ewig bis er mal nen Satz fertig bekommt und Darth Vader erwürgt einen schon wenn er mal beim Monopoly verliert… und ganz ehrlich: Seit wir wissen wie dusselig er sich hat zur Dunklen Seite verführen lassen fällt es auch schwer ihn als dunklen Lord zu respektieren. Fynn ist ein Feigling, Rey ist wortkarg und Poe.. ist eigentlich nur ein umlackierter Han Solo. Alle Figuren sind durch 2-3 Eigenschaften zu beschreiben und durchlaufen eher überschaubare Wandlungen in ihren Filmen.

Star Trek Charaktere

Star Trek hingegen wimmelt nur so von komplexen Figuren und selbst ein Macho wie Kirk erweist sich als vielschichtig. Er hat vielleicht mehr Aliens flachgelegt als wir zählen können, aber er ist trotzdem eine vielschichtige Figur der sich vom impulsiven Captain über den kalten Krieger bis hin zum nachdenklichen Anführer entwickelte. Und er ist nichts gegen die Entwicklung die Spock durchgemacht hat, dessen Zerrissenheit zwischen seiner menschlichen und vulkanischen Seite immer wieder für spannende Konflikte sorgte.

Ganz zu schweigen von den Figuren der Next Generation und Ds9 mit ihrem intellektuellen Anführer Picard oder Figuren wie Worf, Data. Odo, Bashir, Obrian, Sisko und Sohn, Garak, Gul Dukat usw. Keine dieser Figuren war je mit einer Charaktereigenschaft ausreichend beschrieben, sie alle hatten ein spannendes Spektrum an Entwicklungen die sie durchliefen und die sie immer wieder auch moralisch Ambivalent erscheinen ließen.

Gut oder Böse sind keine simple Frage wie Sith oder Jedi, helle oder dunkle Seite der Macht. Star Trek Charaktere sind komplex und bieten deswegen mehr Abwechslung als die eher schlichten Abenteuerfiguren des Star Wars Universum und landen deswegen auf Platz Nummer 4

Die Raumschiff

Und ja, das tut schon etwas weh, denn natürlich lieben wir das Design der Star Wars Raumschiffe. Der Falcon, die X-Fighter, die Ti-Fighter und natürlich die diversen Varianten der Sternenzerstörer.
Sie sind ikonisch, sie sind eindrucksvoll und sie sind cool.

Doch sie sind auch gleichzeitig immer extrem martialisch und lassen ihre Inspiration jederzeit erkennen: Star Wars verlegte die Luftschlachten und Kämpfe des zweiten Weltkriegs ins Weltall und deswegen wirken die Star Wars Raumschiffe auch immer als hätte jemand ein paar Flugzeugträger ineinander gesteckt. Es sind Kriegsraumschiffe die in erster Linie spektakuläre Kämpfe ausfechten sollen.

Das hat mit Logik nicht immer viel zu tun, wenn sie obwohl sie im Weltraum unterwegs sind trotzdem gebaut wurden als gäbe es eine klare Oben/Unten Orientierung und sie nicht nur ihre Brücken und verwundbaren Stellen immer an exponierter Stelle positionieren – am besten noch mit großem Panorama-Fenster damit man auch schön sieht wenn irgendein X-Fighter dagegen kracht. Und alle wirkungsvollen Verteidgungswaffen werden immer brav links und rechts angebracht – wie bei Kanonenbooten im Wasser, weil ja niemand drauf kommt, die Raumschiffe von unten anzugreifen.

Okay Star Trek baut seine Brücken auch gerne mal auf die Spitze der Raumschiffe, doch immerhin gibt es keine echten Fenster sondern nur digitale Videoscreens, die zeigen wie es draußen aussieht oder wie die Viewports der Enterprise oder Ds9 aus transparentem Metall bestehen. Doch die Schiffe der Föderation waren halt auch in erster Linie Forschungsschiffe die vielen Menschen Unterkünfte, Arbeitsplätze und Annehmlichkeiten bieten sollten. Sie sind nicht für die Schlacht optimiert sondern dafür fremde Welten zu erkunden und das mit Style.

Die unterschiedlichen Versionen der Enterprise sind in ihrer Eleganz einmalig. Ob die klassische Version oder die modernen Varianten – ihre Form ist markant und erinnert an Luxusliner die sich bewusst von Eroberungs und Kriegsschiffen unterscheiden. Ja im Zweifel können sie sogar die Zivilisten an Bord in die Untertassensektion evakuieren und nur mit dem Rumpf in Gefahrengebiete fliegen.

In Star Trek sind Raumschiffe in erster Linie Lebensraum und Transportmittel und sie sehen deswegen auch gemütlich aus und nicht wie Weltkriegs-Uboote in denen jederzeit mit dem Auftauchen des schlecht gelaunten Kommandanten gerechnet werden muss. Und vor allem: Es gibt nicht alle drei Meter irgendwelche ungesicherten abgründe und Löcher in die man stolpern könnte – srsly kann irgendjemand den Architekten des Imperiums mal das Konzept Geländer erklären. Sowas ist gefährlich! Wieviele Mechaniker krepieren jedes Jahr, weil sie einfach von irgendeinem dünnen Laufsteg runterfallen!

Wir stehen auf praktische Raumschiffe die für mehr als Kämpfen und Schmuggeln taugen und deswegen kommen die Star Trek Raumschiffe elegant.. auf Platz Nummer 3

Religionen!

Die nerven ja schon in der Realität und sorgen für mehr Probleme als positives und natürlich kommen sie auch in unseren beiden SciFi-Serien vor. Doch auch hier werden sie völlig unterschiedlich behandelt.

George Lucas wuchs in einer Methodistenfamilie auf und begann sich später für Buddhismus und andere fernöstliche Religionen zu interessieren und bezeichnet sich als Methodistischen Buddhisten. Was vermutlich eine der Inspirationen für die Macht und die religiöse Philosophie der Jedi war, die übernatürliche Begabungen als Teil eines religiös geprägten straff organisierten Lebens schildert. Ob Sith oder Jedi – Religion wird eher akzeptiert als hinterfragt oder gar analysiert.

Religion in DS9

Star Trek Erfinder Gene ROddenberry wurde als Baptist erzogen – doch schon im Alter von 14 begann er den Sinn von Religion zu hinterfragen und entschied dass sie Unsinn sind. Er setzte sich mit Religion auseinander und anerkannte grundsätzliche positive Botschaften im Christentum – doch er verachtete institutionalisierte Religion und hatte Zeit seines Lebens großes Misstrauen dagegen. “Wie soll ich einen Gott ernstnehmen, der alle 7 Tage verlangt das ich ihn Lobpreisen soll? Klingt für mich nach einer sehr unsicheren Person!”. Was erklärt, warum Religion in seiner Version der Zukunft der Menschheit entweder nicht vorkam oder eher als gefahr geschildert wurde.

Roddenberry bezeichnete sich als Humanisten und Religion sah er immer als Möglichkeit die Menschen zu manipulieren. Deswegen wimmelt es in Star Trek Episoden von gefährlichen religiösen Anführern die die Menschen zu ihrem eigenen Vorteil aufhetzen und verblenden, deswegen endet Kirks Suche nach Gott in einer Enttäuschung und der Frage: “Wozu braucht Gott ein Raumschiff” – und deswegen sind die religiösen Würdenträger der Bajoraner auch oft verschlagene Fanatiker die auch vor Anschlägen nicht zurück schrecken.

Star Trek seziert den Glauben und dessen Institutionen und geht das Thema realistischer an als Star Wars mit seinem alles durchdringenden Energiefeld und deswegen mögen wir es lieber. Ha. Unser Platz Nummer 2

Der Anspruch

Der Platz ist natürlich ein klarer Punkt für Star Trek, denn die Serie wurde dafür berühmt, dass sie seit der ersten Serie stets Möglichkeiten suchte tatsächliche gesellschaftliche, soziale, ethische, wissenschaftliche oder politische Probleme der realen Welt im Gewand der Science Fiction zu behandeln.

Geschah das zu Beginn noch Plakativ wenn Rassismus in Let that be your last Battlefield anhand zweier gegensätzlich gefärbter Aliens erklärt wurde, so wurden die Probleme über die Jahre immer differenzierter behandelt. Der Ds9 Zweiteiler Past Tense konfrontierte die Crew mit weitaus realistischeren Rassismus und sozialer Ungerechtigkeit, wenn Obdachlose und Arme in Sanctuary Districten zusammengepfercht werden. Oder wnn in der TNG Episode The High Ground die Frage gestellt wird was der Unterschied sei zwischen Terroristen und Freiheitskämpfern Und zu keinem klaren Ergebnis kommt.

Das galt auch für DS9 wenn wir über Major Kiras Kampf gegen die Cardassianer in der Rebellion mehr Details erfuhren und auch dort immer wieder mitbekamen das auch die Rebellen vor Greultaten nicht zurück schreckten. Wenn Picard in Star Trek 8 droht seine Empathie zu verlieren, weil sein Hass auf die Borg alles überschattet, wenn Kirk die Klingonen am liebsten vernichten würde oder im Finale der letzten Discovery die Frage gestellt wird ob ein Genozid jemals zu rechtfertigen ist: Trek beschäftigt sich immer mit Themen, mit essentiellen Fragen.

TNG konnte es sich leisten eine komplette Folge lange Transhumanistische Ideen zu diskutieren, sich über die Chancen technologischen Fortschritts aber auch dessen ethischer Verantwortung zu stellen. Ist Data ein Lebewesen? Hat er Rechte? Und können Droiden die von Menschen produziert werden trotzdem als Individuen Rechte verlangen?

In Star Wars sind Droiden trotz eindeutiger Self-Awareness und spezifischer Charakteraspekte nur Sklaven die verkauft und nach belieben eingesetzt werden können. C3PO, R2D2 oder die ganzen namenlosen Droiden werden nicht als Lebewesen akzeptiert – weder vom Imperium noch von den Rebellen. Star Trek diskutiert über den Wert Intelligenten Lebens, egal ob es Androiden wie Data sind oder neue Lebensformen die den bisherigen Erfahrungen der Föderations-Mitglieder widersprechen. Trek hat die Erste Direktive die die Nichteinmischung in die Belangung anderer Zivilisationen auferlegt – und doch wird auch sie immer wieder diskutiert und die moralischen Implikationen des daraus resultiernden Handelns diskutiert. Trek verspricht keine einfachen Lösungen und es ist auch okay, wenn es am Ende kompliziert bleibt.

Und vor allem Star Trek war nach Willen von Gene Roddenberry immer bemüht eine positive Zukunftsvision zu entwerfen in der es Möglich ist durch Technologie, Empathie und humanistische Ideale Konflikte zu überwinden ohne das am Ende die Vernichtung einer Seite die einzige Lösung ist. Das gilt natürlich nur die Serien und alten Filme, denn J.J. Abrams Star Trek war ja die bewusste Abkehr von der intellektuellen Science Fiction Tradition der Serie und konzentrierte sich auf simple Stories mit viel Action und wenig philosophischem Unterbau.

Die neuen Serien haben die Chance diese Fehler wieder wett zu machen und kluge, differenzierte Auseinandersetzung wieder zum regelmäßigen Teil des Trek-Universum werden – und die Verpflichtung von Patrick Stewart als bedächtigen und intellektuellem Jean-Luc-Picard ist ja die beste Voraussetzung Trek auch weiterhin zum Gewinner zu machen. Auf unserem Platz Nummer 1

So jetzt alle mal tief durchatmen und abregen, denn natürlich kann man so grundverschiedene Franchise wie Star Wars und Star Trek gar nicht fair vergleichen, weil sie völlig unterschiedliche Dinge wollen. Aber trotzdem gehen sich ja die Fans beider Reihen regelmäßig an die Gurgel, was schon ein bißchen lustig ist.

Wir mögen beides und setzen uns an den Rand und knabbern Popcorn und ihr sagt uns jetzt eure besten Gründe warum Star Wars oder Star Trek besser ist.

Wenn ihr am Artikel oder am Video hattet, freuen wir uns über ein kleines Trinkgeld.

1 Kommentar

  • Antworten D 18. 8. 2018 an 15:37

    Es wird auch weiterhin ruhig in den Kommentaren bleiben.

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